Es war eine Nachricht, die nicht nur unter Experten für Aufsehen sorgte. Vor wenigen Tagen testete das Münchener Start-up Hypersonica in Norwegen eine Rakete, die mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit (Mach 6) unterwegs war, das sind umgerechnet 7.400 Stundenkilometer. Zum Vergleich: Eine Gewehrkugel erreicht in der Regel nicht einmal die Hälfte dieser Geschwindigkeit.
Bisher verfügen nur wenige Nationen über solche Waffen, denn sie sind sehr teuer und vor allem technisch extrem anspruchsvoll. Moskau setzt sie nach eigenen Angaben in der Ukraine ein, was Nato-Militärs besorgt. Eine Rakete, die mit Hyperschall-Geschwindigkeit anfliegt, ist nämlich extrem schwer abzufangen – insbesondere, wenn sie einen Zickzack-Kurs nimmt.
Hyperschall ist nicht gleich Hyperschall
Von Hyperschall sprechen Experten bei Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit. Dabei gibt es aber erhebliche technische Unterschiede. Im Prinzip sind extrem schnelle Raketen nichts neues. Seit Jahrzehnten erreichen atomar bestückbare Interkontinentalraketen solche Werte. Allerdings sind sie sogenannte ballistische Flugobjekte. Das heißt, nach dem Start haben sie eine von der Physik genau definierte Flugbahn.
Um sich vor solchen Bedrohungen zu schützen baut die Bundeswehr derzeit ein Abwehrsystem auf, in dessen Kern die israelische Raketenabwehr Arrow 3 steht. Sie soll ballistische Raketen in großen Höhen identifizieren und zerstören. Hyperschallwaffen dagegen haben keine von vornherein berechenbare Flugbahn. Sie können nämlich während des Fluges noch ihre Richtung ändern.
Russland setzt verstärkt auf Hyperschallwaffen
Laut Berichten von Geheimdiensten setzt das russische Militär seit einigen Monaten bei verschiedenen Raketen auf solche plötzlichen Kurswechsel, um Flugabwehrsysteme wie „Patriot“ auszutricksen. Darüber hinaus gilt es als gesichert, dass Russland sein Arsenal an Hyperschallwaffen erweitert und modernisiert hat, seit Präsident Wladimir Putin 2018 unter dem Namen „Avangard“ erstmals eine solche Waffe der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Damals sprach er von einem „unaufhaltsamen Feuerball“.
Darüber hinaus gilt es als sehr wahrscheinlich, dass auch China über solche Waffen verfügt, während westliche Projekte – zumindest laut öffentlich einsehbarer Quellen – in der Regel noch im Versuchsstadium sind. So testete die US-amerikanische NASA im Jahr 2024 mit der „X-43a“ ein unbemanntes Hyperschall-Fluggerät. Man habe damit nahezu Mach 10 erreicht.
Mehrere bayerische Teams forschen an Hyperschallsystemen
Militärs schätzen die Bedrohung durch die extrem schnell fliegenden Waffen als sehr hoch ein. Deswegen wird nun auch in Deutschland und vor allem in Bayern mit Hochdruck an entsprechenden Systemen geforscht.
Neben dem gerade einmal drei Jahre alten Start-up Hypersonica beschäftigt sich auch das Traditionsunternehmen MBDA Deutschland mit Hyperschalltechnologie. Die Firma aus Schrobenhausen verfügt hier über lange Erfahrung. Bereits vor mehr als 20 Jahren stellte man bei Versuchen mit solchen Raketen Geschwindigkeitsrekorde auf. Damals testete man unter dem früheren Firmennamen LFK ein Fluggerät, das Mach 7 erreichte, also mehr als 8.600 Stundenkilometer oder 2,3 Kilometer in der Sekunde.
Umdenken nach Krim-Besetzung
Weil das deutsche Verteidigungsministerium damals aber kein Interesse und auch kein Geld hatte, wurde die Technologie lange auf Eis gelegt. Seinerzeit fokussierte sich die Bundeswehr nämlich auf Einsätze wie in Afghanistan, eine Bedrohung durch Russland galt damals als nahezu ausgeschlossen.
Das änderte sich erst mit der Besetzung der Krim und dann durch die Ankündigung Putins, mit „Avangard“ eine Waffe zu haben, gegen die die westliche Luftabwehr machtlos sei. Seither wurde die Forschung in Bayern wieder hochgefahren. Und auch die deutsch-französische Arianespace will verstärkt in das Hyperschallgeschäft einsteigen. Sie ist ebenfalls in Bayern präsent: Die deutsche Zentrale von Arianespace hat ihren Sitz in Taufkirchen-Ottobrunn im Münchener Osten.

