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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Verdacht: Können Mundspülungen Krebs verursachen?
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Verdacht: Können Mundspülungen Krebs verursachen?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 12. Juli 2024 06:48
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Drei Monate lang haben Probandinnen und Probanden ein bestimmtes Mundwasser verwendet, in dem auch Alkohol enthalten ist. Es wird unter dem Markennamen Listerine Cool Mint seit 1995 in Deutschland vertrieben. Die Untersuchung der Medizinischen Fakultät in Antwerpen erschien am 4. Juni 2024 im Journal of Medical Microbiology.

Inhaltsübersicht
Mehr krankmachende Bakterien durch MundwasserMakrobiom im Mund verändert sich durch MundwasserMundwasser mit Alkoholzusatz meidenZahnhygiene funktioniert auch anders

Mehr krankmachende Bakterien durch Mundwasser

Ergebnis der belgischen Studie: „Die Verwendung von Listerine war mit einer erhöhten Häufigkeit oraler Bakterien verbunden, von denen zuvor berichtet wurde, dass sie bei Parodontalerkrankungen, Speiseröhren- und Darmkrebs sowie systemischen Erkrankungen angereichert sind“. Das heißt, statt krankmachende Bakterien abzutöten, scheint das Mundwasser diese in Mund und Speiseröhre zu fördern.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass die Mundspülung zwangsläufig Erkrankungen auslösen würde. Außerdem ist die Zahl der Teilnehmenden mit nur 59 Personen gering. Weitere Untersuchungen wären nötig, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen diesem alkoholhaltigen Mundwasser und Krankheiten zu belegen.

Makrobiom im Mund verändert sich durch Mundwasser

Vor Beginn der Einnahme und nach dreimonatiger täglicher Anwendung des Mundwassers Listerine Cool Mint machten die Forschenden Abstriche im Mund- und Rachenraum, die sie auf bestimmte Bakterienstämme untersuchten.

Vor allem zwei Bakterienarten haben sich durchs tägliche Spülen vermehrt: Zum einen das sogenannte Fusobacterium nucleatum, das Parodontose befördert und immer auch im Zahnbelag enthalten ist. Parodontose betrifft vor allem das Zahnfleisch und führt dazu, dass sich Zähne lockern. Zum anderen ist die Zahl bestimmter Streptokokken gestiegen: Streptococcus anginosus. Sie besiedeln generell die oberen Atemwege und verursachen neben Parotondose auch Karies und Abszesse. Außerdem treten diese Streptokokken vermehrt bei Patientinnen und Patienten auf, die Magen- oder Speiseröhrenkrebs haben.

Mundwasser mit Alkoholzusatz meiden

Die belgischen Forschenden warnen: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass die regelmäßige Anwendung von Listerine-Mundwasser sorgfältig abgewogen werden sollte.“ So sieht es auch der Münchner Direktor der Zahnklinik der Ludwig-Maximilians-Universität Falk Schwendicke: „Wir denken, dass alkoholhaltige Mundwasser mit Vorstufen von Krebs im Mund etwas zu tun haben. Deshalb ist es keine gute Idee, über Monate mit einer alkoholischen Lösung zu spülen.“

Die meisten Mundwasser enthalten keinen Alkohol. Dieser wird auf der Flasche mit Ethanol bezeichnet. Mundwasser ohne Alkohol, die außerdem Fluorid enthalten, sind grundsätzlich besser geeignet. Wer akut an einer Entzündung im Mund leidet, sollte auf solche Präparate zurückgreifen und eine Weile damit gurgeln, bis sich eine Besserung einstellt.

Zahnhygiene funktioniert auch anders

Falk Schwendicke nennt drei Dinge, die für die Zahngesundheit besonders wichtig sind: eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Insbesondere grünes Gemüse wirke entzündungshemmend im Mundraum. Käse regt den Speichelfluss an und beugt Karies vor. Dagegen ist Zucker abträglich. Außerdem sei es wichtig, täglich mehrfach die Zähne zu putzen und Zahnseide für die Zahnzwischenräume zu verwenden: „Wir empfehlen eigentlich keine Mundspülungen. Wer kein Risiko für Zahnerkrankungen hat, braucht sie nicht.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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