Linklater lässt diesen gewitzten Leinwand-Anarchisten und seine Zeit lebendig werden. Denn „Nouvelle Vague“ ist ein Film über die chaotisch-kreative Entstehungsgeschichte von Godards Kinodebüt und filmhistorischer Deep Dive in einem: gedreht, wie das Original, in schwarz-weiß und im 3:4-Format. Besetzt, wie damals, mit einer amerikanischen Schauspielerin und charismatischen französischen Charakterköpfen. Erzählt wird, wie der „Cahiers du Cinema“-Filmkritiker Godard mit 28 Jahren auf den Regiestuhl wechselt, wie der selbst im Kinosaal Sonnenbrille tragende Exzentriker mit seinem ganz speziellen Charme sowohl an dem Projekt zweifelnde Darsteller als auch profitorientierte Produzenten um den Finger wickelt.
Nicht nur für Cineasten
Fakten und Fiktion umtänzeln einander wie einst Seberg und Belmondo, der Tonfall ist so elegant, rasant und augenzwinkernd amüsant wie bei Godard.
Gleich zu Beginn schmuggelt Linklater in temporeicher Jazzmanier die führenden Köpfe aus Godards intellektuellem Umfeld in die Handlung, gibt Nouvelle-Vague-Legenden wie Chabrol, Truffaut, Cocteau, Juliette Gréco oder Agnes Varda, Auftritte, die oft so sekundenkurz sind wie ihre Namenseinblendungen.
Cineasten können sich an den zahlreichen Referenzen und Reenactments erfreuen, wer filmhistorisch weniger gut bewandert ist, hat auf andere Weise Spaß. Denn Linklaters „Nouvelle Vague“ ist weit zugänglicher als der Klassiker, vor dem er sich verbeugt. Während Godard improvisiert hat, arrangiert Linklater bis ins kleinste Detail. Und liefert ein Kinokunstwerk ab, von dem man sich nur zu gern mitreißen lässt.

