Gerade mal 24 Meter Spannweite, Platz für neun Passagiere, und eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern: Das sind die Eckdaten des sogenannten Microliners, den das fünf Jahre alte Unternehmen Vaeridion bereits in knapp zwei Jahren zu einem Erstflug abheben lassen will.
Solche Versprechungen rund um die Elektromobilität der Lüfte gab es auch schon in der Vergangenheit. Sie scheiterten zumeist, wie zuletzt bei der Milliardenpleite des bayerischen Flugtaxi-Pioniers Lilium. Dem inzwischen insolventen Unternehmen war bei der Entwicklung seines Lilium Jets das Geld ausgegangen.
Bewährte Konzepte statt Futurismus
Bei Vaeridion dagegen könnte es klappen, hört man immer wieder in der Branche. Denn anders als der futuristisch designte und technisch hochkomplexe Lilium-Jet beruht der E-Flieger von Vaeridion auf Konzepten, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben.
Man müsse das Rad nicht immer neu erfinden, sagte Unternehmenschef Ivor van Dartel bei der Eröffnung des neuen Standortes in Oberpfaffenhofen. Die Maschine sieht deshalb in etwa so aus wie ein klassischer Motorsegler: Sie hat große Tragflächen und einen Frontpropeller. Der Unterschied steckt unter der Haube. Wo bei klassischen Fliegern ein Verbrennungsmotor den Propeller zum Rotieren bringt, erledigen das im Flugzeug von Vaeridion mehrere E-Antriebe.
Die Batterien als Energiespeicher sind in den Tragflächen untergebracht. Sie entwickelte das Start-up gemeinsam mit Bosch im oberbayerischen Holzkirchen. Im neuen Hangar in Oberpfaffenhofen werden sie künftig zu kompletten Batteriesystemen zusammengebaut. Dabei profitiert Vaeridion von Investitionen des Vormieters der Halle: Die geschützten Spezialräume, die für den Umgang mit Hochvolt-Batterien vorgeschrieben sind, wurden extra für die insolvente Lilium gebaut.
Branchenverband: Meilenstein für die deutsche Luftfahrtindustrie
Beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) ist man ebenfalls zuversichtlich, dass es die Elektroflieger aus Bayern bis zur Marktreife schaffen werden. BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn sprach von einem Meilenstein für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie. Es gehe darum, die Fliegerei mit neuen Antriebskonzepten klimafreundlicher zu machen, und das möglichst mit Innovationen made in Germany.
Das sorge gerade in unruhigen Zeiten für mehr nationale und europäische Souveränität. Zudem sei die Branche ein Garant für technischen Fortschritt sowie für sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze, so von Hahn. Staatsminister Florian Herrmann (CSU) wiederum sagte, mit seiner Technologie bereichere Vaeridion den Luftfahrtstandort Bayern um einen weiteren wichtigen Baustein.
Das Ziel: Hunderte von Maschinen für den Weltmarkt
Mitgründer und Firmenchef Ivor van Dartel sieht jedenfalls viel kommerzielles Potenzial für seine E-Flugzeuge. In den kommenden Jahren will das Management von Vaeridion hunderte Maschinen verkaufen. Erste Bestellungen liegen nach Firmenangaben bereits vor.
Die Flieger könnten zum Beispiel in der griechischen Inselwelt oder in nordischen Fjorden, aber auch hierzulande zum Einsatz kommen. Zielgruppe sind unter anderem Geschäftsreisende. Ein Flug soll dann in etwa so viel kosten wie ein Bahnticket der ersten Klasse. Die Firma denkt aber auch über Spezialanwendungen und Partnerschaften nach. So will man unter anderem mit einer Nürnberger Tochter des ADAC zusammenarbeiten, die auf Patiententransporte und die Wartung von Flugzeugen spezialisiert ist.

