Es ist das Setting einer klassischen Late-Night-Show. Vor dem Bild einer stilisierten nächtlichen Stadtsilhouette an einem Schreibtisch der Host, in diesem Fall Kabarettist Claus von Wagner. Neben ihm ein Videoscreen, auf dem Fotos von Politikern eingeblendet werden. Dazu gibt es Zeitungschlagzeilen, Zahlen, Studien und Statistiken.
„Die wichtigste Nachricht des Tages ist: Sondervermögen, Infrastruktur und Klimaneutralität ist jetzt ein Jahr alt. Da fragen wir uns natürlich alle ganz gespannt, wie hat denn das so funktioniert bisher? Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sind 86 Prozent der Mittel im Jahre 2025 zweckentfremdet worden. Nennt mich kritisch, aber das wirkt viel. Jetzt mal ernsthaft, 86 Prozent! Als würde meine Freundin mich zum Bäcker schicken, dann komme ich heim mit zwei Brezen und einem frischen Motorrad.“ Claus von Wagner bei „Fun Facts“ in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft
Mit heißer Nadel gestrickt, aber penibel recherchiert
Weitere Themen der rund 15-minütigen „Fun-Facts“-Folge mit Claus von Wagner, unter anderem: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und der Eklat um den Buchhandelspreis sowie die Forderungen der AfD in Sachsen-Anhalt, die Schulsozialarbeit einzustampfen, weil sie Teil eines – „parasitären Systems“ sei. Alles mit heißer Nadel gestrickt, und doch penibel recherchiert und gekonnt pointiert.
Man habe sich um 9 Uhr getroffen, erzählt Claus von Wagner, „und da gab es noch nichts außer die Idee, wir wollen Spaß und Fakten vermitteln mit Dingen, die relevant sind. Wir hatten aber noch nichts. Und jetzt haben wir eine kleine, feine Sendung“. Die Texte schreibe „ein Team von Autorinnen und Autoren“, das Fakten checkt und Grafiken erstellt: „Es macht so einen Heidenspaß.“
Jeden Werktag eine neue Episode
Claus von Wagner kennt diese Art des Arbeitens als Gastgeber der ZDF-Politsatire-Sendung „Die Anstalt“. Nur dass die Schlagzahl bei „Fun Facts“ deutlich höher ist – jeden Werktag eine neue Episode statt nur alle paar Wochen; und dass ein noch breiteres Publikum angepeilt wird, wie Pegah Meggendorfer aus dem Autorinnenteam erklärt. Jede Folge landet schon kurz nach der Aufzeichnung im Netz oder in den sozialen Netzwerken.
„Vielleicht holt man auch jemanden zurück, der vielleicht schon ein bisschen in diese rechte Szene eingesunken ist und das macht man am besten, wenn es ein frei zugängliches Medium ist, wo man jetzt nicht den Fernseher einschalten muss oder extra in die Mediathek gehen muss, sondern was man einfach kurz am Handy kucken kann“, so Meggendorfer.
110.000 Follower auf Instagram
Der Zuspruch nach den ersten zweieinhalb Wochen ist vielversprechend. Allein auf Instagram liegt die Zahl der Follower bereits bei über 110.000. Die Themen dürften sowieso nicht so schnell ausgehen, die Hosts ebenso wenig, wie Till Hofmann von der Münchner Lach- und Schieß Gesellschaft berichtet, einer der Initiatoren. Die Liste der Kulturpromis, die „Fun Facts“ mal präsentieren wollen, zähle über 200 Namen: „Es kriegt eine Eigendynamik in alle Richtungen, weil jetzt auch Festival-Einladungen kommen. Oder es gibt Bands, die sich jetzt melden und sagen, wir würden als Band gerne mal hosten.“
So wächst „Fun Facts“ gerade rapide personell wie in die Fläche und hat das Zeug dazu, viral zu gehen. Im Zeitalter der Fake News sind das durchaus: good News.

