Der Autozulieferer ZF ist im vergangenen Jahr vor allem wegen eines Sondereffekts beim Konzernumbau noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust verdoppelte sich auf 2,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr, wie das Unternehmen in Friedrichshafen am Bodensee mitteilte. Schon 2024 schrieb der Konzern rote Zahlen. Damals betrug der Verlust knapp über eine Milliarde Euro.
„Die Abschreibungen unprofitabler Projekte haben einen Einmaleffekt auf unsere Bilanz für 2025. Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren“, sagte ZF-Chef Mathias Miedreich bei der Pressekonferenz. Operativ habe ZF Fortschritte erzielt. So sei das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) von rund 1,47 Milliarden Euro auf rund 1,75 Milliarden Euro gestiegen.
Konzern bleibt stark verschuldet
Dennoch bleibt der Konzern hoch verschuldet. Zwar habe ZF im vergangenen Jahr seine Finanzverbindlichkeiten um 250 Millionen Euro reduziert. Es bleibt aber eine Nettoverschuldung in Höhe von 10,2 Milliarden Euro. Außerdem sank die Eigenkapitalquote 2025 um mehr als fünf Prozentpunkte auf 13,3 Prozent. Die Eigenkapitalquote gilt als eine der zentralen Kennzahlen für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens.
ZF ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer. Der Konzern gehört zu 93,8 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafens geführt wird. Das Unternehmen leidet wie viele andere unter der schwachen Konjunktur und der mauen Nachfrage – vor allem nach E-Autos.
Entscheidung über Zukunft der E-Motoren in Schweinfurt verzögert sich
Die geringe Nachfrage nach E-Autos trifft auch Schweinfurt. Der ZF-Standort ist mit rund 8.600 Beschäftigten der größte in Bayern. Bereits seit Oktober steht fest, dass dort bis Ende 2027 fast 1.000 Stellen gestrichen werden, die meisten davon in der sogenannten „Divison E“. In dieser Sparte werden elektrische Antriebe entwickelt und produziert, aber auch hybride Antriebe und Verbrenner.
Doch es könnten noch mehr Jobs auf der Kippe stehen – sollten die E-Motoren nicht mehr in Schweinfurt gefertigt, sondern aus Kostengründen von außen zugekauft werden. Eine Entscheidung darüber steht noch aus, sollte eigentlich bis Ende März fallen. Dafür werden momentan alle Kosten zum Bau des Motors analysiert und mit anderen Wettbewerbern verglichen – und das dauert laut ZF offenbar, voraussichtlich noch bis April oder Mai, teilte eine Sprecherin mit.
Betriebsrat in Schweinfurt optimistisch
Oliver Moll, ZF-Betriebsrat in Schweinfurt, ist optimistisch: „Ich sehe tatsächlich eine Chance, dass der E-Motor in Schweinfurt bleibt.“ Vertrieb, Entwicklung, Einkauf – das ganze Team würde sich gemeinsam um dessen Wettbewerbsfähigkeit kümmern. „Auf der Leistungsseite sind wir besser aufgestellt als die Konkurrenz, aber das kostet eben auch mehr“, so Moll. Und nicht alle Kunden und Kundinnen würden dieses Plus bei der Leistung, die zusätzliche Kraftübertragung, für ihre Autos brauchen.
Die heute verkündeten Zahlen haben Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Moll nicht überrascht. Es sei keine Zeit, Trübsal zu blasen, der neue Vorstandsvorsitzende Miedreich habe richtige Impulse gesetzt: „Wir müssen noch kämpfen, aber es geht in die richtige Richtung“, sagt Moll.
Umsatz weiter gesunken
38,8 Milliarden Euro konnte der ZF-Konzern im vergangenen Jahr an Erlösen erzielen. Das ist ein Rückgang von rund sechs Prozent oder 2,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. „Wir sehen keine durchgreifende Belebung der Nachfrage“, sagte Finanzvorstand Michael Frick laut Mitteilung. Es gelte, in einer Situation ohne nennenswertes Marktwachstum zu bestehen.
In den kommenden Jahren will ZF bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abbauen. Ende 2025 beschäftigte der Konzern laut Mitteilung weltweit 153.153 Menschen – rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. In Deutschland habe sich die Mitarbeiterzahl nominell ebenfalls um rund fünf Prozent auf etwas mehr als 49.000 verringert. Damit liege ZF auf Kurs beim Stellenabbau.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet ZF nicht wirklich mit einer Besserung der Lage. Bei stabilen Wechselkursen geht der Konzern für das Jahr 2026 von einem Umsatz von über 38 Milliarden Euro aus. „Wir werden uns Schritt für Schritt wieder die Profitabilität erarbeiten“, so Vorstands-Chef Miedreich.
Mit Informationen von dpa.

