Die Ausstellung begreift Haare als universelle Sprache, als Ausdrucksmittel, mit dem wir uns inszenieren können. Der größte Raum ist folgerichtig der Politik gewidmet – und auch mit der Rolle der Haare als Zeichen des politischen Widerstands. „Ganz bekannt ist die Punk- oder die Hippiebewegung, aber auch der Kolonialismus kann mit Frisuren zu tun haben“, sagt Kuratorin Juliane Au. Fotografien von Pieter Hugo zeigen Richter aus Ghana, die bis heute die weißen Richterperücken tragen, die aus der Kolonialzeit Englands stammen.
Frisuren mit politischer Botschaft
Ganz anders die Selbstporträts der Ivorerin Laetitia Ky, die ihre langen schwarzen Haare stolz und mit souveränem Humor mal zu Boxhandschuhen, mal zu den Konturen des afrikanischen Kontinents formt.
Besonders stark ist die Schau immer dort, wo mit Klischees gebrochen wird: ein männlicher Torso, wie man ihn aus den üblichen Antikensammlungen kennt, hier aber nicht als glattem Marmor, sondern in Silikon mit aufgeklebtem Brusthaar. Ein Foto mit langen Beinen in Absatzschuhen im Stil von Strumpfhosenwerbung, allerdings sind die Beine unter der Strumpfhose behaart und wohl eher männlich.
Oder die Fotoserie einer feministischen Performance von Ana Mendieta von 1972: Die junge Frau ist mit einem Kommilitonen zu sehen. Er rasiert sich den Bart ab, sie klebt ihn sich an – und eignet sich damit auch seine Stellung, seine Möglichkeiten, seinen Zugang zur Welt und zum Kunstmarkt an.
Haare zwischen Klischee und Selbstermächtigung
„Haar – Macht – Lust“ ist eine umfassende, aber gut geordnete Ausstellung, die Spaß macht, die auch mal irritiert und aufrüttelt und definitiv niemanden völlig unberührt lässt, egal wie viel oder wenig man sich bisher für Haare interessiert hat. „Selbst wenn ich mich gar nicht kümmere, signalisiere ich damit, dass mir bestimmte Dinge einfach egal sind“, sagt die Kuratorin Juliane Au.
Die Ausstellung „Haare – Macht – Lust“ ist noch bis 4. Oktober in der Kunsthalle Münchens (externer Link) zu sehen.

