Almut Wahl leitet eine Münchner Mittelschule mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationsgeschichte. Im Unterricht erlebt sie erlebt schon länger die Folgen des Nahostkonflikts. Manche Schülerinnen und Schüler hätten etwa von Feiern in ihren Familien nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 berichtet. Die Rektorin sprach damals mit den Schülern, machte deutlich, dass niemand den Mord an Menschen feiern dürfe. Für die Rektorin zeigt das Beispiel, dass die Arbeit nicht nur bei den Jugendlichen ansetzen müsse, „sondern dass auch die Eltern mitgenommen werden müssen“.
Gemeinsames Kochen und Theaterspielen
Genau da will die Europäische Janusz Korczak Akademie mit ihrem Projekt „Miteinander macht Schule: Antisemitismuskritische Bildung an Mittelschulen“ ansetzen. Zunächst soll das Projekt drei Jahre laufen. Vorgesehen sind Workshops über Gemeinsamkeiten und Kochen. Schließlich Theaterstücke, zu denen natürlich auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler eingeladen sind. „Das Programm will die Schülerinnen und Schüler nicht nur informieren, es will sie stärken“, beschreibt Präsidentin Eva Haller das Ziel des Projekts. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden. „Die Jugendlichen sollen so zu Multiplikatoren werden.“
Wenig Wissen über Holocaust
Antisemitismus komme aber nicht nur von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund, wie eine Lehrerin der Nürnberger Friedrich-Staedtler-Schule betont. Die Lehrerin beobachtet auch Ablehnung gegenüber Juden aus einem anderen Lager. Einige Kinder würden stark auf ihre deutsche Identität pochen und andere ausgrenzen. Auch hier gebe es rassistische oder antisemitische Sprüche.
In einer Juniorwahl, einer realistischen Wahlsimulation für Schülerinnen für Schüler, stimmten viele Jugendliche für die AfD. Sie erlebt viel Unwissen über die NS-Zeit: Viele kennen den Holocaust nur bruchstückhaft. Sie wissen wenig über Konzentrationslager oder über die systematische Vernichtung der Juden. Das Projekt soll auch diese Lücken schließen.
Keine Zahlen, ob es an Mittelschulen mehr Antisemitismus gibt
Ob Mittelschulen von Antisemitismus stärker betroffen sind als andere Schularten, ist unklar. Es gibt dazu keine umfassenden Studien. Ulrich Fritz arbeitet im Büro des bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle. Er sieht Schulen mit vielen internationalen Schülerinnen und Schülern besonders gefordert. Dort treffen oft unterschiedliche Erinnerungskulturen aufeinander. Viele Kinder würden dort eigene Kriegs- und Diskriminierungserfahrungen mitbringen und auch Konflikte aus den Herkunftsländern ihrer Familien in die Klassenräume tragen. Fritz betont aber vor allem einen anderen Punkt.
Bisher zu wenig Programme für Mittelschulen
Es existieren bisher nur wenige Programme, die sich gezielt an Mittelschulen wenden. Deshalb sei das Projekt für ihn so wichtig. Fünf Mittelschulen aus ganz Bayern nehmen bisher teil. Die Präsidentin der Janusz Korczak Akademie, Eva Haller verbindet mit dem Projekt eine klare Hoffnung. Sie will, dass die Gesellschaft wieder näher zusammenrückt. Die Organisatoren hoffen, dass das Projekt in Bayern Schule macht.

