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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Interview mit „Horst Schlämmer“: Was Söder euphorisch macht
Kultur

Interview mit „Horst Schlämmer“: Was Söder euphorisch macht

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 20. März 2026 19:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Dass sich Hape Kerkeling als Komiker in Film und Fernsehen bewährt hat, ist allgemein bekannt, aber wie schlagen sich eigentlich Markus Söder und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in diesem nicht ganz risikofreien Fach? Beide lassen sich von Kerkeling alias Horst Schlämmer befragen, dem stellvertretenden Chefredakteur des „Grevenbroicher Tageblatts“.

Inhaltsübersicht
Söder findet sich noch ganz ansehnlichWoelki versteht nichts von BlutwertenSchlager-Song von 1932

Grund dafür: Schlämmer ist schwer gefrustet, weil er zumindest im Schwerefeld seiner Stammkneipe das Gefühl hat, dass Deutschland nach der Corona-Pandemie die gute Laune verloren hat. Da ist was dran: Bei internationalen Glücks-Umfragen haben wir allenfalls Achtungserfolge. Aktuell belegen wir Platz 17 [externer Link], zwischen Kosovo und Slowenien.

Also bereist Schlämmer „auf der Suche nach dem Glück“ Deutschlands mehr oder weniger verkarstete Gemütslandschaften und macht als erstes im thüringischen Bad Lobenstein Station, wo er beim Lach-Yoga feststellen muss, dass der Humor von außen eher nicht so sein Ding ist, obwohl er dabei die Freiräume des liberalisierten Cannabis-Gesetzes auskundschaftet, leider am Steuer seines Kleinwagens. Klar, da ist der Lappen weg und der nächste Weg führt zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, die, wie sich herausstellt, zwar mit Giraffen, Löwen und Zebras zu tun hat, aber weniger mit Glücksvorstellungen im engeren Sinn.

Söder findet sich noch ganz ansehnlich

Da empfiehlt sich zum Trost ein Abstecher zum bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der den Freistaat bekanntlich unermüdlich als „schönstes Bundesland“ preist und zumindest von weitem den Eindruck vermittelt, er sei damit vergleichsweise glücklich. Doch im persönlichen Interview mit Horst Schlämmer klärt Söder das Publikum dann zwar über die Bezirkshauptstadt von Mittelfranken auf und findet sich selbst mit 59 noch ganz ansehnlich, weiß aber auch nicht, in welcher Richtung das Glück winkt.

An der Macht sei es nicht zu finden, behauptet Söder, macht dabei aber einen dermaßen entspannten, um nicht zu sagen euphorischen Eindruck, dass es der neugierig gewordene Zuschauer zumindest mal ausprobieren will, sagen wir, übers Wochenende.

Woelki versteht nichts von Blutwerten

Beim Kölner Kardinal Woelki landet Horst Schlämmer erst, als ernsthafte Zweifel an seinen Blutwerten aufkommen und nicht nur sein Rücken, sondern auch sein Sündenregister zwickt. Der Kardinal hat zwar einen Führerschein, erfährt der Zuschauer, versteht von Blutwerten aber weniger, als es der Katholizismus rein dogmatisch nahelegen würde. Ob Woelki bei seinem Auftritt glücklich wirkt? Allenfalls darüber, dass es schnell vorbei ist.

Klar, in „Horst Schlämmer sucht das Glück“ darf gelacht werden, etwa wenn er bei der Kutterfahrt genau eine Krabbe pult, eine Poolparty der Sylter High-Society-Schnösel aufmischt oder in der Berliner Clan-Kriminalität den Überblick verliert. Doch bei weitem nicht alle Gags zünden und was den Film insgesamt allzu vorhersehbar und schwergängig macht: Horst Schlämmers Leidenschaft für die Filmschauspielerin Gabi Wampel (gespielt von Tahnee Schaffarczyk), die in zahllosen grotesken TV-Rollen zu erleben ist, nur damit Hape Kerkeling an ihrer Seite jeweils in wechselnden Parodien auftreten kann, vom Jägerburschen über den Kripo-Assistenten bis zum Großwildjäger.

Schlager-Song von 1932

Diese Dramaturgie hätte eine 45-minütige Fernseh-Show getragen, für 97 Minuten im Kino ist sie zu spannungsarm, zumal sich der Kostüm-Klamauk im Stil von Peter Alexander weitgehend überlebt hat. Und vor der Dresdner Frauenkirche hat Kerkeling und sein Team der Mut verlassen: Im Herzen von Sachsen wäre der eine oder andere Gag über ostdeutsche „Ausgelassenheit“ mit dazu passenden Wahlergebnissen durchaus angebracht gewesen. Stattdessen blieb es bei einem faden Seufzer über „Besserwisserei“.

Das alles ist eher nostalgisch, wie könnte es auch sein bei einem Drehbuch (Claudius Pläging), das ein so altmodisches Thema wie „Glück“ auf eine bieder-behäbige Deutschlandtournee schickt? Gesungen wird übrigens ein Glücks-Schlager aus dem UFA-Film „Ein blonder Traum“ von 1932, also aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise und dem Ende der Weimarer Republik. Na hoffentlich geht unsere Depression besser aus!

„Horst Schlämmer sucht das Glück“, bundesweiter Filmstart 26. März

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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