In der Gemeinde Rechtmehring im Westen des Landkreises Mühldorf am Inn und in den Nachbargemeinden Soyen und Albaching im Landkreis Rosenheim sorgen sich viele Menschen um das Bestehen ihrer RSA Bank. Das genossenschaftliche Institut soll in Schwierigkeiten stecken. Grund dafür: Wertberichtigungen von Immobilien. Es soll um rund 60 Millionen Euro gehen, die ausfallen könnten. In dieser Höhe übernimmt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) Garantien.
Kleine Volksbank unter Druck: Die RSA wird zum Übernahmekandidaten
Ohne Hilfe des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken hätte sie zu wenig Eigenkapital und damit die gesetzlichen Vorgaben klar verfehlt, so die RSA Bank. Seit 1899 ist das Institut vor Ort fest verwurzelt, hat nach eigenen Angaben über 100 Beschäftigte und 14.000 Kundinnen und Kunden. Die Bank ist darüber hinaus ein wichtiger Gewerbesteuerzahler.
Nun könnte die Volksbank Raiffeisenbank mit Sitz in Rosenheim die kleine RSA Bank übernehmen. Bei einer Fusion würden die Konten auf die neue, gemeinsame Bank übergehen. Die Gelder der Kundinnen und Kunden sind gesichert. Doch Unsicherheit macht sich breit, wie es langfristig mit den Filialen weitergeht.
Druck von oben? Vorwürfe gegen den Genossenschaftsverband
Jemand aus der Belegschaft der RSA-Bank hat sich anonym an den BR gewandt. Im Fokus seiner Vorwürfe steht der Genossenschaftsverband Bayern – jener gesetzlich zuständige Prüfverband, der die wirtschaftliche Lage und Regeltreue seiner Mitgliedsbanken unabhängig überwachen soll.
„Die Kreditprüfung ist unverhältnismäßig hart ausgefallen“, so der Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Kredite seien von der besten Risikoklasse direkt in den Ausfallstatus gerutscht, Sicherheiten abgewertet oder ganz ignoriert worden. Außerdem, so der Vorwurf, seien Stellungnahmen der Mitarbeitenden kaum berücksichtigt worden – mit der Folge, dass immer mehr Beschäftigte das Haus verlassen und sich die Personalsituation weiter zuspitzt.
Der Genossenschaftsverband weist die Unverhältnismäßigkeit zurück: Umfang und Tiefe der Prüfungen richteten sich allein nach Risiken, man erfülle damit einen gesetzlichen Auftrag zum Schutz der Mitglieder.
Der Insider aus der Belegschaft spricht von einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“: harte Prüfung, hohe Wertberichtigungen und Personaldruck sollten die Bank in eine Lage bringen, in der eine Fusion als alternativlos erscheine.
Mit dieser Spekulation konfrontiert, teilt der Genossenschaftsverband Bayern dem BR mit, die Prüfungen verfolgten „keinen strukturellen Zweck wie etwa Kooperationen oder Fusionen“, sondern dienten der objektiven Feststellung der wirtschaftlichen Lage.
So viele Genossenschaftsbanken sind bereits verschwunden
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich viele kleine Genossenschaftsbanken zu großen Instituten zusammengeschlossen. Ihre Zahl sank laut dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) von über 7.000 im Jahr 1970 auf rund 670 im Jahr 2024 – ein Rückgang um etwa 90 Prozent. Auch die Zahl der Filialen schrumpfte deutlich, von mehr als 18.000 auf knapp 7.000. Das Ergebnis: weniger Banken, aber eine konzentrierte, bilanzstarke Genossenschaftsgruppe.
Bankenschwund auf dem Land – mit Folgen für den Mittelstand
Für den Mittelstand sei das eine schlechte Nachricht, so Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München.
„Wir wissen, dass Kreditvergabe – gerade für den Mittelstand und kleine Unternehmen – viel mit persönlichen Kontakten zu tun hat“, sagt er. Diese Kontakte beruhten auch auf den Erfahrungen, die Bankmitarbeitende mit einem Unternehmen gesammelt haben. Gehe diese Nähe verloren, könne es für kleine und mittelständische Firmen schwieriger werden, Kredite zu bekommen, so der Experte.
Fusionen lohnten sich vor allem für größere Banken: Sie können Kosten, etwa für Prüfungen und strenge Aufsichtsregeln, besser verteilen. Wachsende Regulierung, technologischer Wandel hin zum Online-Banking und Fachkräftemangel treiben die Zusammenschlüsse zusätzlich voran.
Bankenregulierung: „Bis zu 50.000 Seiten Auflagen“
„Es gibt Schätzungen, wonach alle Gesetze und Vorschriften der Aufsicht zusammen auf bis zu 50.000 Seiten kommen würden“, so der Banken-Experte Prof. Christoph Kaserer. Für eine kleine Bank sei es schwer, all diese Regeln noch einzuhalten. Sie sollten deshalb einfachere Regeln bekommen, so sein Appell.
Letztes Kapitel im oberbayerischen Banken-Krimi?
Externe Fachleute arbeiten derzeit an einem Plan für die Sanierung. Laut RSA-Mitarbeitenden hat die Beratungsfirma bei einer internen Mitarbeiterversammlung der RSA-Bank bereits mitgeteilt, das Bankhaus könne kaum selbstständig bleiben – und für eine Fusion geworben. Nun hat der Vorstand der RSA-Bank an vier Tagen im April zu einem Mitglieder-Dialog eingeladen, um über die Sanierungspläne zu informieren. Ob es wirklich zur Fusion kommt, darüber sollen die Mitglieder auf der Generalversammlung im Juni entscheiden.

