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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Honorarkürzung: Psychotherapeuten protestieren weiter
Wirtschaft

Honorarkürzung: Psychotherapeuten protestieren weiter

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 27. März 2026 08:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Michelle Högner kann es nicht fassen, dass die Arbeit von Psychotherapeuten künftig schlechter bezahlt werden soll. Die 25-jährige Münchnerin ist gerade dabei, ihre Ausbildung abzuschließen. Sie geht fest davon aus: Wenn der Beruf unattraktiver wird, schlage das auch auf Kassenpatienten durch, die weniger Therapieplätze finden. Und sie findet die angekündigte Honorarkürzung um 4,5 Prozent kurzsichtig: „Dann kostet das psychische Leid und die Erkrankungen, die nicht behandelt werden können, am Ende deutlich mehr Geld als diese Einsparungen, die die Krankenkassen erzielen.“

Inhaltsübersicht
Mehrheitsbeschluss der SelbstverwaltungSchneller PersonalzuwachsBerufsverbände sprechen von „Skandal“Appell aus der StaatsregierungHoffnung auf wirksamen Protest

Mehrheitsbeschluss der Selbstverwaltung

Mitte März hatte eine Entscheidung des zuständigen Selbstverwaltungs-Gremiums der gesetzlichen Krankenkassen für einen Paukenschlag gesorgt. Im Erweiterten Bewertungsausschuss legen je drei Vertreter von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung sowie drei unparteiische Fachleute fest, wie viel Honorar die Kassen zahlen.

Der GKV-Spitzenverband hatte argumentiert, das Honorarvolumen für Psychotherapeuten sei seit 2013 um 52 Prozent gestiegen. Andere Arztgruppen seien mit einem Zuwachs von 33 Prozent dahinter deutlich zurückgeblieben. Diese Lücke müsse geschlossen werden, erklärten die Kassen und forderten eine Absenkung der Psychotherapie-Honorare um 10 Prozent.

Die Entscheidung, die gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aber mit Unterstützung der Unparteiischen gefällt wurde, sei jetzt ein „angemessener Kompromiss“ erklären die Kassen: 4,5 Prozent weniger Geld für die Behandlungshonorare, dafür Aufschläge an anderer Stelle, die das Minus auf im Schnitt 2,3 Prozent dämpfen.

Schneller Personalzuwachs

Die Ausgaben, die die Kassen aus Beitragsgeldern für Psychotherapie aufwenden, hätten sich innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt, und die Zahl der Therapeuten sei innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als die Hälfte gestiegen, erklärt der GKV-Spitzenverband. Das zusätzliche Geld bringe aber keineswegs eine spürbar bessere Behandlung, antwortet der Verband auf BR-Anfrage: „Obwohl die Anzahl der Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen stetig steigt und sich die Leistungsmenge ausweitet, erkennen wir keine verbesserte Versorgung oder verkürzte Wartezeiten.“

Berufsverbände sprechen von „Skandal“

Der Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer, Nikolaus Melcop, schüttelt über diese Argumentation den Kopf. Fakt sei: Statt einen Ausgleich gestiegener Kosten müssten die Psychotherapeuten jetzt schmerzhafte Einkommenseinbußen hinnehmen. Dass der angekündigte Abschlag von 4,5 Prozent durch Aufschläge an anderer Stelle auf 2,3 Prozent abgemildert werde, sei pure Theorie.

Melcop fügt hinzu: Wer in den Therapeutenberuf gehe, tue das zwar nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen. Aber die angekündigte Honorarkürzung mache die Versorgung von Kassenpatienten einfach weniger attraktiv: „Die Wartelisten sind schon jetzt lang, und das wird sicherlich nicht besser werden.“

Claudia Ritter-Rupp, die im Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) die Psychotherapeuten vertritt, nennt die Honorarkürzung einen „Skandal“. Sie unterstützt die Ankündigung der Bundes-KV, gegen die Entscheidung vor Gericht zu gehen. Doch bis ein Urteil fällt, könnten Jahre vergehen, fürchtet sie. Die KVB erwarte daher von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), dass sie gegen die Honorarkürzung ein Veto einlegt.

Üblicherweise legen Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen die Honorare im Rahmen der Selbstverwaltung ohne politischen Einfluss fest. Aber das Bundesgesundheitsministerium hat das letzte Wort und kann Entscheidungen beanstanden. Ein solches Eingreifen ist allerdings sehr selten.

Appell aus der Staatsregierung

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) sagt, sie gebe ihrer Amtskollegin in Berlin keine Ratschläge, wie sie ihre Arbeit machen soll. Aber Gerlach setzt darauf, dass alle Beteiligten noch einmal prüfen, ob die Honorarkürzung die Versorgung verschlechtert: „Denn das darf nicht passieren bei der Bedürfnislage, die wir aktuell haben.“

Hoffnung auf wirksamen Protest

Der Präsident der Bayerischen Psychotherapeutenkammer, Nikolaus Melcop, hofft ebenfalls entweder auf ein Einschreiten des Bundesgesundheitsministerium oder aber auf Nachverhandlungen. Denn neben lautstarken Demos in vielen Städten in Bayern und ganz Deutschland gebe es auch eine Bundestagspetition, die ständig neue Unterstützer gewinne: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass die jetzt ins Grübeln kommen, ob das wirklich richtig war, was sie da getan haben.“

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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