Guter Service, gutes Trinkgeld. Diese Regel gilt fast weltweit. Nur in einigen asiatischen Ländern scheint die Gleichung nicht aufzugehen. Hier sollten Touristen auf die kulturellen Besonderheiten Rücksicht nehmen und manchmal besser kein Trinkgeld geben. Denn das Aufrunden von Rechnungen werde hier lange „als Almosen“ und als „Beleidigung“ empfunden, warnt etwa die Stiftung Warentest.
Lediglich in stark von Touristen frequentierten Gegenden ist das mittlerweile anders. Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern rät von Trinkgeldern, zum Beispiel in Japan, ab. Hier sei es für die Gastgeber „selbstverständlich, dass man alles gibt, wenn man einen Gast bedient“. Es komme daher nicht gut an, Geld auf dem Tisch zurückzulassen.
Das andere Extrem, die USA: Hier verdienen Mitarbeiter oft nur ein Grundgehalt und leben mehr oder weniger vom Trinkgeld. Für die USA und Kanada werden deshalb Trinkgelder um die 20 Prozent empfohlen. Mittlerweile sollen auch schon bis zu 30 Prozent üblich sein. Wissenschaftler der Hochschule Fresenius in Hamburg sprechen deshalb für die USA von einer „Tipflation“ – einer Inflation beim Zahlen von Trinkgeldern.
Nicht jeder gibt Trinkgeld
Auch wenn Trinkgelder fast weltweit gegeben werden, sind sie nicht selbstverständlich. So zahlt etwa in Deutschland auch bei gutem Service rund ein Viertel der Gäste in Restaurants kein Trinkgeld. Das zumindest ist das Ergebnis einer YouGov-Umfrage in sieben europäischen Ländern sowie den USA.
Auch in den Vereinigten Staaten geben demnach nur drei Viertel der Befragten den Kellnerinnen und Kellnern mehr Geld, als sie unbedingt müssen. Deutsche und US-amerikanische Kunden gelten damit als vergleichsweise großzügig.
In Europa sind rund zehn Prozent üblich
Wer in Europa unterwegs ist, kann ein Nord-Süd-Gefälle erkennen. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass Trinkgelder tendenziell geringer ausfallen, je weiter Reisende in Nordeuropa unterwegs sind. In Dänemark sind diese Gelder oftmals in einer Pauschale enthalten. Österreicher und Italiener würden aber zum Beispiel fünf bis zehn Prozent Trinkgeld gerne sehen. In Frankreich und Spanien ließen Gäste sogar eher um die zehn Prozent auf dem Tisch zurück.
Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern geht ebenfalls davon aus, dass im europäischen Ausland der Gesamtbetrag um rund zehn Prozent aufgerundet wird. Damit liege man „immer richtig“, so Dehoga-Geschäftsführer Frank-Ulrich John im Gespräch mit BR24. Grundsätzlich komme es aber immer darauf an, „wie zufrieden man mit dem Service war“. Bei weniger guten Erfahrungen könne man auch weniger geben: „Das soll ja vielleicht auch derjenige spüren, wenn es gar nicht gepasst hat.“
Trinkgeld ja oder nein? Vor Ort erkundigen
Grundsätzlich empfiehlt Dehoga Bayern den Gästen im Ausland, sich auch vor Ort nach den landestypischen Gepflogenheiten beim Trinkgeld zu erkundigen. Ob Taxifahrer oder Personal im Hotel, viele wüssten sehr gut „was so üblich ist“.
Auch Reiseveranstalter würden manchmal „Trinkgeldtipps“ geben. Besondere Regeln gelten zudem bei Kreuzfahrten. Hier werden zum Teil hohe Servicegebühren automatisch auf die Bordrechnung aufgeschlagen, ohne dass Reisende auf deren Höhe Einfluss hätten.
Psychologie spielt eine wichtige Rolle
Die Forscher Sascha Hoffmann und Frederic Hilkenmeier von der Hochschule Fresenius in Hamburg sehen beim Trinkgeldverhalten zudem zahlreiche soziale Normen und psychologische Mechanismen am Werk. Selbst bei mäßigem Service würden Menschen häufig Trinkgeld geben, „um den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen“.
Auf die Höhe des Trinkgelds hätten die Kellnerinnen und Kellner zudem selbst Einfluss. So führten etwa Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass „Make-up“ bei Frauen sowie „das Tragen auffallender Kleidungsstücke oder Accessoires“ dazu führte, dass diese mehr Trinkgeld bekamen. Auch „wertschätzende Gesten“, „Smalltalk“ oder „die persönliche Vorstellung mit Namen oder die Ansprache von Gästen mit deren Namen“ steigere die Wahrscheinlichkeit eines höheren Trinkgelds.

