Für Jugendliche stehen nach Angaben des Bundesfamilienministeriums in diesem Jahr rund 3,5 Millionen Euro für NS-Gedenkstättenfahrten zur Verfügung. Eigentlich war nur die Hälfte der Mittel vorgesehen, wie das Ministerium am Dienstag in Berlin mitteilte.
Der zusätzliche Betrag kommt demnach von der Bethe-Stiftung. Er fließt nach Ministeriumsangaben in das Programm „Jugend erinnert“, das außerschulische Bildungsfahrten zu Orten der nationalsozialistischen Verbrechen fördert.
Doppelt so viele Fahrten in den nächsten fünf Jahren
Bisher wurden nach Angaben des Ministeriums jährlich rund 200 Fahrten für mehr als 6.000 Jugendliche ermöglicht. Mit der vertraglich vereinbarten Unterstützung von zehn Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre könne sich die Zahl verdoppeln, sagte Familienministerin Karin Prien (CDU) in Berlin.
„Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten, ist in Zeiten, in denen nur noch wenige Zeitzeugen des Holocaust am Leben sind, umso wichtiger“, so Prien. Es sei besonders wertvoll, „wenn junge Menschen an authentischen Orten der NS-Verbrechen Geschichte unmittelbar und direkt erfahren und daraus Verantwortung für unsere Demokratie entwickeln“.
Bethe-Stiftung fördert Erinnerungskultur
Die 1996 gegründete Kölner Bethe-Stiftung der Eheleute Roswitha und Erich engagiert sich laut eigenen Angaben für Projekte zur Stärkung von gesellschaftlichem Zusammenhalt, Bildung und Erinnerungskultur. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und ihren Folgen für die Gegenwart.
Seit 2010 fördert die Bethe-Stiftung Fahrten in frühere NS-Tötungslager, bisher über Verträge mit zwölf Bundesländern. So hätten bereits mehr als 40.000 Schülerinnen und Schüler Auschwitz, Belzec, Treblinka, Sobibor oder Majdanek besucht.
„Wir hoffen dazu beizutragen, dass sich solche Verbrechen auch nicht ansatzweise wiederholen“, erklärten die Bethes. Sie hätten selbst bis zum Abitur im Geschichtsunterricht wenig bis nichts vom Holocaust erfahren. Als sie die Gedenkstätten selbst besucht hätten, hätten sie erkannt, dass kein Schulunterricht, keine Zeitung, kein Fernsehfilm, kein Kinofilm eine wirkliche Begegnung mit den Folgen einer menschenverachtenden Ideologie vermitteln könne.
Programm für junge Menschen zwischen 14 und 26 Jahren
Das Programm „Jugend erinnert“ richtet sich an junge Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren. Schüler oder Gruppen können sich beim Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH (IBB) für die Förderung bewerben.
Mit Informationen von dpa und KNA

