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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Iran droht US-Techfirmen – und trifft wunden Punkt
Netzwelt

Iran droht US-Techfirmen – und trifft wunden Punkt

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 1. April 2026 15:50
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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20 Uhr am Mittwoch, 1. April (Teheran-Zeit), so das Ultimatum, das die iranischen Revolutionsgarden aktuell den USA stellen. Ab da will der Iran auf jedes Attentat auf einen seiner Führer reagieren, indem er relevante Infrastruktur von Firmen zerstört, die sich aus seiner Sicht an den US-Attacken auf den Iran beteiligen.

Inhaltsübersicht
Erster Angriff des Iran schon im FebruarMilliarden soll(t)en fließenGroße Hoffnung in GolfstaatenDrohung gefährdet Hoffnung

Gemeint sind amerikanische Tech- und KI-Unternehmen, wie unter anderem CNN (externer Link) berichtet. Unter anderem stehen offenbar Apple, Microsoft, Google, Meta, IBM, HP, Intel und Tesla auf einer Liste der Revolutionsgarden. Die Garden empfehlen Mitarbeitern und Nachbarn von Golfregion-Standorten dieser Firmen, diese Orte besser zu meiden oder zu verlassen.

Erster Angriff des Iran schon im Februar

Wer nun an ein paar repräsentative Büroräume in den Wolkenkratzern von Abu Dhabi, Katar, Riad und Dubai denkt, unterschätzt vermutlich, wie wichtig die Golfstaaten für US-Techkonzerne zuletzt geworden sind – und umgekehrt. Und unterschätzt, welch schwerwiegende Folgen Angriffe auf Golf-Standorte dieser Firmen, aber auch schon die Drohung damit, haben könnten.

Da wären zunächst direkte Konsequenzen. Die konnte man bereits in der Realität beobachten: Schon am 28. Februar hat Iran nämlich Data-Center des Cloud-Anbieters Amazon Web Services (AWS) in den Emiraten und Bahrain getroffen. Das führte dazu, dass vor Ort Bezahldienste, Banking sowie Verbraucher-Services vorübergehend nicht mehr funktionierten und AWS jetzt seine Infrastruktur mit Aufwand und Geld reparieren muss.

Milliarden soll(t)en fließen

Noch schwerer dürften tatsächliche Angriffe, oder auch schon die jetzigen Drohungen, die hoffnungsvollen Zukunftspläne treffen, die Golfstaaten und Techunternehmen in den vergangenen Jahren geschmiedet haben. Milliarden von Dollar seien in den vergangenen Jahren aus der Techbranche in KI-Infrastruktur-Projekte im Nahen Osten geflossen, berichtet das US-Wirtschaftsmedium CNBC (externer Link).

Angezogen wurden die Firmen von günstiger und leicht verfügbarer Energie und Bauland, der zentralen Lage in der Welt sowie den finanziellen Möglichkeiten der örtlichen Regierungen.

Große Hoffnung in Golfstaaten

Die Mächte am Golf – die Emirate, Katar und Saudi-Arabien – sahen laut CNBC (externer Link) zugleich die Möglichkeit, ihre Wirtschaft unabhängiger vom Ölgeschäft zu machen, ein weltweites Zentrum der Tech- und KI-Entwicklung zu werden. Sie investierten ihrerseits ebenfalls Milliarden in Techfirmen, Partnerschaften und Infrastruktur.

Einige Beispiele, die Journalist Bobby Gosh in einem Beitrag für das Technologie-Medium „Rest of World“ (externer Link) nennt: Microsoft will bis 2029 15 Milliarden in den Emiraten investieren, Amazon fünf Milliarden in Riad, Nvidia und ein staatlich gestützter saudischer Fonds haben eine Partnerschaft zur Anschaffung von 600.000 GPUs geschlossen, OpenAI, Oracle und ein vom emiratischen Staatsfonds gestützter Fonds planen mit Stargate UAE das größte AI-Data-Center außerhalb der USA.

Neben den großen Hoffnungen waren all die Golf-US-Projekte, die CNBC als „trillion-dollar AI gamble“ bezeichnet, schon immer mit Hürden vor Ort verbunden: etwa fehlende Fachkräfte, Computerchips und Wasservorräte für die Kühlung von Datenzentren, aber auch grundsätzliche Sicherheitsbedenken.

Drohung gefährdet Hoffnung

Bedenken, die nun im Iran-Krieg immer konkreter werden. So könnten sich schon die aktuellen Drohungen der iranischen Revolutionsgarden als Dämpfer für die milliardenschweren Hoffnungen von Silicon Valley und Golfstaaten erweisen. Eine komplette Abkehr oder ein Abzug der Investitionen aus dem Golf ist unwahrscheinlich, ein Abklingen des Trends dagegen schon.

Schon jetzt würden einige große Data-Center-Projekte geprüft, so „Rest of World“-Autor Ghosh. „Unternehmen, die vor Ort Fuß fassen wollten, fragen sich, wie Kriegsrisiken sich auf Versicherungen auswirken, und stellen zu ihrem Entsetzen fest, dass Standard-Policen kriegerische Akte ausschließen“, schreibt er. Auch bei CNBC sieht man die Zukunft für Tech- und KI-Projekte am Golf gefährdet, wenn der Konflikt zwischen den USA und Iran andauert. Profitieren könnten laut Experten Indien, Südostasien – und Nordeuropa.

Zu Irans Strategie in diesem Krieg passt die Drohung seiner Revolutionsgarden: Denn dazu gehört ganz offenbar, die Golfstaaten unter Druck zu setzen, die in der jüngeren Vergangenheit viele Touristen, aber auch Investitionen angezogen haben. Mit Angriffen auf deren Hoffnungen für die Zukunft.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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