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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Digitaler Euro: Was bringt das „Bargeld fürs Handy“?
Wirtschaft

Digitaler Euro: Was bringt das „Bargeld fürs Handy“?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 7. April 2026 08:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Beim digitalen Bezahlen ist Europa abhängig von internationalen Anbietern – vor allem aus den USA. Wie schnell diese Abhängigkeit politisch heikel werden kann, zeigt der Fall des französischen Richters Nicolas Guillou. Vergangenes Jahr waren plötzlich seine Kreditkarten und sein PayPal-Konto gesperrt. Der Grund: Ein Urteil des Richters hatte der Trump-Regierung missfallen – sie hatte Sanktionen gegen ihn verhängt und ihn vom digitalen Bezahlen ausgesperrt.

Inhaltsübersicht
Wie der digitale Euro funktioniertVorteile für VerbraucherChancen für die europäische WirtschaftZu spät, zu teuer – und wirklich sicher?Die ersten digitalen Euros gibt es 2029

In der aktuellen Folge des ARD Wirtschafts-Podcasts Plusminus besprechen Anna Planken und David Ahlf, warum der Digitale Euro das Bezahlen in Geschäften einfacher machen kann. Hier direkt reinhören

In Deutschland läuft fast jeder dritte Onlinekauf über den US-Zahlungsdienstleister PayPal. Jeder zweite Euro, der per Karte in der Eurozone gezahlt wird, geht über Mastercard oder Visa – zwei US-Unternehmen. Der digitale Euro soll genau hier ansetzen: als öffentliches, europäisches Bezahlsystem, das nicht von privaten Konzernen oder Drittstaaten kontrolliert wird.

Wie der digitale Euro funktioniert

Die Europäische Zentralbank (EZB) betont: Der digitale Euro ergänzt Bargeld, ersetzt es aber nicht. Niemand wird gezwungen, ihn zu nutzen. Er wäre eine zusätzliche Form von Zentralbankgeld – also genauso offizielles Geld wie Münzen und Scheine.

Einfach gesagt ist der digitale Euro Bargeld fürs Handy. Die EZB stellt die Infrastruktur, Banken beschaffen sich darüber digitale Euros und Privatpersonen können – ähnlich wie bei der Abhebung von Bargeld – Guthaben vom Konto in digitale Euros tauschen. Diese landen dann in einem Wallet, einer digitalen Geldbörse auf dem Smartphone.

Die EZB plant eine eigene, nach eigener Aussage hochsichere Infrastruktur. Viele technische Details sind offen. Klar ist: Der digitale Euro wird keine Kryptowährung sein, also nicht auf einer Blockchain wie Bitcoin laufen. Der Wert wäre fest an den Euro gekoppelt: 77 Cent bleiben 77 Cent, Spekulationssprünge wären ausgeschlossen.

Vorteile für Verbraucher

Wer digitale Euros hält, besitzt direktes Zentralbankgeld – das gilt als besonders ausfallsicher, da die EZB im Gegensatz zu Geschäftsbanken nicht pleitegehen kann.

Außerdem sollen die Zahlungen über den digitalen Euro ähnlich anonym wie Bargeld sein. Niemand soll nachverfolgen können, was damit bezahlt wird. Dabei soll der digitale Euro auch offline funktionieren – also auch dann, wenn Handyempfang oder Strom ausfallen. Das ist technisch aufwändig. Wie genau das gelöst wird, ist noch offen.

Chancen für die europäische Wirtschaft

Für Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern aktiv sind, könnte der digitale Euro, als einheitliches Zahlungsmittel mit einheitlichen Regeln, vieles vereinfachen. Zahlungen sollen direkt von A nach B laufen, ohne Kreditkartenfirmen oder Bezahldienstleister als Zwischenhändler.

Für Händler wären solche Zahlungen laut aktuellem Konzept gebührenfrei. Gerade kleine Läden hätten damit einen Anreiz, digitale Zahlungen zu akzeptieren. Wenn Händler keine Entgelte mehr für Kartenzahlungen zahlen müssen und Prozesse schlanker werden, könnte die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger werden.

Zu spät, zu teuer – und wirklich sicher?

Kritiker bemängeln: Der digitale Euro kommt spät. Private Anbieter wie Paypal, Klarna oder Apple Pay sind längst etabliert. Mit WERO wird zudem gerade ein privates europäisches Zahlungssystem ausgebaut.

Außerdem wird das System teuer: Die EZB schätzt die Kosten für den Aufbau der Plattform auf rund 1,3 Milliarden Euro, der laufende Betrieb könnte ab 2029 etwa 320 Millionen Euro im Jahr kosten. Viele europäische Banken sind skeptisch – auch, weil sie die Umstellung über vier Jahre insgesamt zwischen vier und sechs Milliarden Euro kosten könnte.

Kritisch diskutiert werden zudem Datenschutz und IT-Sicherheit. Noch ist unklar, ob der digitale Euro wirklich so anonym sein wird wie Bargeld und wie verlässlich die EZB ein europaweites Zahlungssystem dauerhaft gegen Cyberangriffe schützen kann.

Die ersten digitalen Euros gibt es 2029

In diesem Jahr will die EU ein Gesetz beschließen, in dem geregelt ist, wie der digitale Euro genau aussehen soll. Ab Mitte 2027 ist eine Pilotphase geplant. 2029 sollen die ersten digitalen Euros ausgegeben werden. In einer Rollout-Phase von etwa zwei Jahren sollen dann nach und nach Funktionen dazukommen. Vollumfänglich wäre der digitale Euro damit wohl erst 2031 verfügbar.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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