Die letzte Probe ist vorbei. Die Erstkommunionskinder in Regen im Bayerischen Wald, Bistum Passau, haben noch einmal den Einzug in die Kirche geübt, denn am Sonntag feiern sie Erstkommunion. Ihren Erstkommunion-Gottesdienst dürfen die Kinder aktiv mitgestalten. „Ich muss Trauben zum Altar bringen“, erzählt Thomas. „Ich muss an der Kommunion ein Brot nach vorne tragen“, sagt Valentin. „Der Jesus steckt im Brot drin.“
Laut katholischer Glaubenslehre ist Jesus in der Hostie durch die Eucharistie leibhaftig präsent. Die Hostie bekommen die Kinder bei ihrer Erstkommunion das erste Mal. Davor haben sie sich das kleine runde Stück aus Weizenmehl und Wasser schon genau angeschaut. „Was mich überrascht hat, dass der Leib Christi eine stinknormale Oblate ist“, wundert sich Manuel. Die Vorstellung der Wandlung ist nicht nur für viele Kinder abstrakt. In Regen sprechen sie in der Erstkommunion-Vorbereitung deshalb oft in Bildern. Den Leib Christi nennen sie auch „Jesus-Brot“. Weil Jesus das Brot mit seinen Jüngern geteilt hat.
In Bayern weniger Rückgang bei Erstkommunionen
Die Erstkommunion ist eines der sieben Sakramente in der katholischen Kirche. Nach der Taufe – dem ersten Sakrament, das viele als Baby oder Kleinkind erhalten – können Kinder das Sakrament der Erstkommunion bewusst miterleben.
In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Erstkommunionskinder bundesweit um etwa 15 Prozent gesunken. In Bayern ist der Rückgang vergleichsweise geringer. Im Jahr 2015 gingen 53.211 Kinder zur Erstkommunion. 2025 waren es 49.191, was einem Rückgang von 7,6 Prozent entspricht.
Warum Eltern ihre Kinder zur Erstkommunion schicken
Die Regener Pastoral-Assistentin Viktoria Brengmann möchte den Kindern bei der Vorbereitung auf ihre Erstkommunion mitgeben, dass Jesus ein Freund sein kann, ein Begleiter, ein guter Ratgeber. Dass Glaube also etwas sein kann, was die Kinder im Leben stärkt. „Ich denke, dass wir dabei sind, zusammen zu säen. Dass diese Saat dann aufgeht, irgendwann im Leben, das wünschen wir uns alle“, sagt Brengmann.
„Es nicht nur der Glaube, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung“, sagt der Vater eines Kindes, das in München Erstkommunion feiert. Er sehe es als Teil der Lebensentwicklung und auch der Allgemeinbildung. Eine Mutter fügt hinzu: „Es ist ja oft so, dass die Eltern sagen, die Kinder sollen das selbst entscheiden. Aber ich muss erst etwas kennenlernen, dann kann ich mich dafür oder dagegen entscheiden.“
Kinder erkunden Kirche
Die Regener Pastoral-Assistentin Viktoria Brengmann beobachtet, dass die Kinder sehr neugierig sind und diesen Glauben auch entdecken wollen. Aber gleichzeitig sei bei vielen Kinder nicht viel Wissen da. „Wir haben uns ausgedacht, wie kann man die Basics einstudieren“, erzählt sie.
In der Vorbereitung hätten die Kinder darum zum Beispiel das Kreuzzeichen und das Verhalten im Gottesdienst geübt – und den Kirchenraum erkundet und einmal hinter die Kulissen geschaut. Dorthin, wo Gottesdienstbesucher normalerweise nicht hinkommen: zum ewigen Licht, dem Tabernakel, in die Sakristei.
Beichte als Teil der Vorbereitung
Bevor die Erstkommunionkinder das Sakrament der Erstkommunion empfangen, haben sie in der Vorbereitung darauf bereits ein weiteres Sakrament erstmals erlebt: die Beichte. Ein umstrittenes Thema, denn viele fragen sich: Sollen Kinder so früh schon beichten gehen?
In der Vorbereitung darauf hat Pastoral-Assistentin Viktoria Brengmann deshalb einen Rucksack mit schweren Steinen mitgebracht. Diese Steine symbolisierten etwas Belastendes, etwas, das einen runterzieht. „Die Steine waren Spott, Lügen und Ausgrenzung“, sagt Manuel. „Das kannst du zum Beispiel beichten, und dann wird dein Herz leicht wie eine Feder, weil dann sind alle Steine aus deinem Rucksack weg.“ Auch das Beichtgeheimnis ist den Kindern wichtig. Lisa erklärt: „Wenn der Pfarrer das weitererzählt, was wir gebeichtet haben, dann kriegt er seine Arbeitsstelle nicht mehr zurück.“
Nach der Hostie gibt es Pommes
Mit der Erstkommunion enden in Regen und in vielen anderen bayerischen Gemeinden die Wochen der Vorbereitung. Und es steht auch schon der Plan für danach: „Nach der Kommunion gehen meine Familie und Verwandtschaft noch zum Essen, und da bestellen wir halt ganz viel Pommes“, sagt Heidi.

