Sie fordert viel, aber arbeitet wenig – so das Klischee über die Generation Z, womit meist diejenigen gemeint sind, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Eine zufällige Umfrage im Englischen Garten in München scheint dieses Bild zu bestätigen. „Wenn ich heute diese jungen Leute zum Teil sehe“, sagt da zum Beispiel ein Rentner, „da will jeder nur ein schönes Leben haben, wenig Arbeit, relativ viel Geld“.
Das Vorurteil der angeblich arbeitsunwilligen jungen Menschen hält sich hartnäckig. Aber: „Nach allem was wir sehen, ist diese Zuschreibung falsch“, sagt Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Generation Z habe die höchste Erwerbsbeteiligung von jungen Leuten seit Jahrzehnten und wechsle auch nicht häufiger die Jobs als junge Leute früher.
Erwerbsquote der jungen Erwachsenen hat zugenommen
Wie eine Studie des IAB zeigt, haben vor allem immer mehr Studierende einen Nebenjob. Die Erwerbsquote unter den 20- bis 24-Jährigen stieg demnach deutlich an: zwischen 2015 und 2023 um 19,3 Prozentpunkte. 56 Prozent arbeiten neben dem Studium.
Gleichzeitig ist den Daten zufolge die Erwerbsquote unter allen Nichtstudierenden dieser Altersgruppe ebenso gestiegen: um 1,6 Prozentpunkte auf 85,9 Prozent. So sagte auch die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, vor Kurzem in einem Interview mit der Funke Mediengruppe: „Jetzt auf die Jungen zu schimpfen, finde ich verfehlt.“ (externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt).
Der Ökonom Weber vom IAB betont, viele der Generation Z seien während der Corona-Jahre in den Beruf eingestiegen. Die Pandemie habe kollektiv Standards verschoben, zum Beispiel, was das Arbeiten von zu Hause angeht oder die Achtsamkeit für physische und mentale Gesundheit.
Was ist dran am Generationenunterschied?
Aber: Solche Veränderungen wolle nicht nur die junge Generation. Auch Ältere seien zunehmend weniger bereit, deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, sagt Enzo Weber. Nicht alles, was als Generationenunterschied erscheint, ist tatsächlich einer.
„Und da rate ich allen Personalverantwortlichen: Diese ganzen klischeehaften Sachen, die sind heute alle faul oder alle wollen Vier-Tage-Wochen: Lasst das einfach beiseite“, sagt Weber, der auch Professor an der Universität Regensburg ist. „Kümmert euch um die Dinge, die wirklich wichtig sind: Selbstbestimmtes Arbeiten, Perspektive in der beruflichen Entwicklung.“ Damit könne man viele motivieren, auch Ältere.
Weber rät Unternehmen, die Generationen am Arbeitsplatz zu mischen. So träfen Digital Natives auf Ältere mit mehr Erfahrung – beide könnten voneinander profitieren. Zu vergleichen, was man zum Beispiel selbst früher gehabt oder nicht gehabt habe, helfe hingegen nicht weiter.
Künstlerin Peachy will die Generationen verbinden
Die Künstlerin Ina Reni Alexandrow plädiert dafür, den Generationenunterschieden mit Humor zu begegnen. „Ich würde mich freuen, wenn meine Videos dazu beitragen, dass wir uns alle ein bisschen besser nachvollziehen können“, sagt Alexandrow, die auf Instagram als @peachyonthegram bekannt ist. Dort veröffentlicht sie Videos mit gestellten Gesprächsszenen zwischen Frauen unterschiedlicher Generationen im Büro.

