Die Kuh vom Eis holen – das Bild wird in Tarifkonflikten oft verwendet, wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber am Verhandlungstisch nicht so recht vorankommen. Ob das am heutigen Mittwoch für den Nahverkehr in Bayern gelingt, ist mehr als offen. Zuletzt hatten sich die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern zwar aufeinander zubewegt. Doch noch gibt es einige Knackpunkte.
Gewerkschaft reduziert ihre Forderung
Es war ein umfangreiches Paket an Forderungen, das Verdi im Januar auf den Verhandlungstisch gelegt hatte. Höhere Einkommen für die 9.000 Mitarbeitenden, die nach dem Tarifvertrag Nahverkehr, TV-N, bezahlt werden. Dazu kürzere Arbeitszeiten, mehr Ruhezeiten und höhere Zuschläge am Sonntag.
Der Dienst muss attraktiver werden für neue Kräfte, heißt es. Die jetzt schon Beschäftigten bräuchten angesichts der hohen Preise und gestiegener Mieten mehr Geld. In der vierten Runde hatte die Gewerkschaft sich dann auf die Arbeitgeber zubewegt. Statt knapp 670 Euro mehr im Monat fordert sie nun 550 Euro und zwar in zwei Schritten und bei einer Laufzeit von zwei Jahren.
Und in puncto Arbeitszeit soll nicht gleich in einem Schritt von jetzt 38,5 auf 35 Stunden in der Woche verkürzt werden, sondern bis Januar 2029 auf erst einmal 36,5 Stunden. Weil die Arbeitgeber das nicht so überzeugte, startete die Gewerkschaft die nächsten Warnstreiks.
Arbeitgeber verbessern ihr Angebot
Nicht finanzierbar angesichts der Kassenlage vieler Kommunen: beim ersten Treffen wischten die Arbeitgeber das umfangreiche Forderungspaket gleich vom Tisch. Sie warteten aber auch direkt mit einem Angebot auf und boten ein Einkommensplus von 5 Prozent an, also das, was sie zuletzt mit der Gewerkschaft für die anderen Beschäftigten der Kommunen vereinbart hatten.
Alles darüber hinaus würde sie zwingen, die Fahrpreise zu erhöhen oder das Angebot im Nahverkehr zu kürzen. Doch inzwischen haben auch die Arbeitgeber sich bewegt. Sie legten zwei Varianten für einen Abschluss auf den Tisch mit einem Einkommensplus von bis zu 9 Prozent und auch einer 37,5-Stunden-Woche. Die allerdings erst zum Januar 2029. Das wiederum überzeugte die Gewerkschaft nicht.
Schlichtung könnte weiterhelfen
Beiden Seiten dürfte klar sein, dass sie sich nun noch einmal aufeinander zubewegen müssen. Die Kuh bleibt sonst auf dem Eis stehen und die Fahrgäste müssten sich auf weitere Warnstreiks einstellen. Ob ein Kompromiss gelingt, ist – wenn man sich vorab umhört – mehr als offen.
Denkbar wäre, dass die Gewerkschaft doch noch einer Schlichtung zustimmt. Die hatten die Arbeitgeber ins Spiel gebracht. Allerdings ist auch das kein Garant dafür, dass am Ende den Unparteiischen gelingt, was sich vor allem die Fahrgäste wünschen: endlich einen Abschluss und damit keine weiteren Streiks.

