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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Mediensatire zu Böhmermann & Co: „Sidekick“ von El Hotzo
Kultur

Mediensatire zu Böhmermann & Co: „Sidekick“ von El Hotzo

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 16. April 2026 09:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Es ist auch sowas wie sein Comeback nach einer skandalbedingten Pause von der Öffentlichkeit: Mit „Sidekick“ legt der Satiriker Sebastian Hotz seinen zweiten Roman vor. Ein Sidekick, das ist in der klassischen Late Night Show die Nebenrolle, der Anspielpartner und Stichwortgeber für den Moderator.

Inhaltsübersicht
„Fernsehbranche ein Ort voller Arschlöcher“Freispruch nach Trump-TweetShitstorm nach Geständnis zum Thema BeziehungenComeback mit neuem Twist„Sidekick“ ist ein Kompromiss geworden

„Fernsehbranche ein Ort voller Arschlöcher“

Sebastian Hotz, alias El Hotzo, hat den Sidekick in seinem neuen Roman zum Protagonist erhoben und kokettiert dabei auch mit seiner eigenen Rolle. Sein Fazit auf Grund seiner persönlichen Einblicke in die TV-Branche: „Ich glaube die allerwenigsten werden überrascht davon sein, dass die deutsche Fernsehbranche ein Ort voller Arschlöcher ist, die das mehr oder weniger gut verstecken können.“

Ihr Arschlochtum verstecken muss in „Sidekick“ keine der Figuren. In dem Roman geht’s um Falk Anders, den narzisstischen Host einer Late Night Show, der trotz Bedeutungsverlust nicht recht von Ruhm und Öffentlichkeit lassen kann – Raab, Schmidt und Böhmermann lassen grüßen. Und um seinen dicklichen, einfach gestrickten Sidekick Boris. Man denkt sofort an Elton, Jakob Lundt oder El Hotzo selbst.

Aber, wie das mit solchen Büchern immer ist: Ähnlichkeiten zu echten Personen sind natürlich rein zufällig, oder? Nein, sagt Hotz, die Ähnlichkeiten seien natürlich kein Stück zufällig: „Es gibt natürlich reale Vorbilder, die ich hier nicht nennen werde, weil ich keinen weiteren Gerichtstermin möchte.“

Freispruch nach Trump-Tweet

So einen Gerichtstermin hat er grade hinter sich. Wegen eines Witzes über das versuchte Attentat an Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2024. Der Inhalt: Was haben das Attentat auf Trump und der letzte Bus gemeinsam? Leider knapp verpasst. „Das ist so ein Writers Room Gagreflex“, erklärt Hotz: „Wenn ’ne aktuelle Nachricht reinkommt, dann muss ein Gag her. Und dann schreib ich den und dann merke ich, dass es schwierig wird. Und dann bin ich bis Donnerstag noch bei meinen Eltern und verbringe meine Zeit damit, herumzuwandern und mit Anwälten zu telefonieren.“

Hotz wurde freigesprochen. Das Gericht bestätigte, dass es sich bei dem Tweet um straffreie Satire handelt. Klar ist aber auch: Hotzo provoziert ganz bewusst, drückt lustvoll auf jeden Schmerzpunkt der Gesellschaft.

Shitstorm nach Geständnis zum Thema Beziehungen

Schmerzhaft für ihn wird es, wenn es nicht um Politik geht, sondern ums Private. Noch im selben Jahr leistet er sich einen weiteren Skandal, diesmal unbeabsichtigt. Er habe darüber natürlich schon viel gesprochen, sagt er. „Ich hatte das Bedürfnis aufkeimenden Gerüchten entgegenzustehen, die sehr schnell sehr große Ausmaße annehmen können. Andererseits wollte ich geradestehen, für das, was ich bin oder was ich gemacht habe.“

Hotz gibt privatem Druck nach und erklärt, sein Image als feministischer „Good Guy“ in der Öffentlichkeit ausgenutzt und Frauen in Beziehungen belogen und betrogen zu haben. Im Internet bedeutet das erstmal einen Shitstorm. Hotz zieht sich zurück, geht offline, sucht psychologische Hilfe. Jetzt ist er wieder da.

Comeback mit neuem Twist

Comebacks seien immer schwierig, sagt Hotz. Er glaube, wenn man eine neue Idee habe, einen neuen Twist, eine neue Wendung, dann sei das ein Comeback, das sich lohnt. Die neue Idee: „Sidekick“. Eine Mediensatire, direkt aus Hotzos Lebenswelt. Nur lustig ist das nicht. Auch Bitterkeit schimmert da durch. „Natürlich tut es weh, wenn man mit 23, 24, 25 in einer Konferenz sitzt und dann kommen irgendwelche Gag-Titanen und sagen, das ist alles scheiße, was du machst. Ich finde, jeder der seinen Chef mag, hat Stockholm-Syndrom.“

„Sidekick“ ist ein Kompromiss geworden

Das Problem an „Sidekick“: Hotz kann sich nicht entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die Handlung? Eine skurrile Entführung über Deutschlands Autobahnen. Seine Figuren? Falk Anders und Sidekick Boris. Oder seinen ehemaligen Chefs im Vorbei-Erzählen ans Bein zu pinkeln? „Sidekick“ ist ein Kompromiss aus Schlüsselroman, Mediensatire und Road-Novel. Er selbst sagt: „Ich glaube, das reicht noch nicht für die große Noch-Wach-Schlüsselromanerzählung à la Benjamin von Stuckrad Barre.“

Wer große Enthüllungen über Hotzos Zeit bei Böhmermann erwartet, wird enttäuscht werden. Aber wer mit Hotzos provokantem, zynischen Blick auf die TV-Welt etwas anfangen kann, bekommt mit „Sidekick“ immerhin eine flott erzählte Geschichte aus dem Schatten hinter dem fast echten Rampenlicht.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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