Vier minus drei – die Rechnung ist kinderleicht, aber das Ergebnis wiegt tonnenschwer: Barbara und Heli arbeiten beide als Clowns, sie in der Klinik, er auf Kleinkunstbühnen. Beim Frühstück saßen sie noch als Familie am Küchentisch. Doch dann auf dem Heimweg von der Arbeit hört Barbara eine beunruhigende Nachricht im Radio: Es habe einen Unfall gegeben an einem Bahnübergang mit einem Clown-Bus.
Auf Hoffen und Bangen folgt bald brutale Gewissheit: Barbaras Mann Heli und die beiden gemeinsamen Kinder haben den Unfall nicht überlebt. Vier minus drei macht eins. Eben noch Teil einer vierköpfigen Familie, ist Barbara nun ganz allein. Wie weiterleben?
Weiterleben – trotz und mit der Trauer
Mit „Vier minus drei“ ist Regisseur Adrian Goiginger ein bewegender Film gelungen über die entsetzliche Lücke, die der Tod hinterlässt – vor allem wenn er gleich drei geliebte Menschen auf einmal aus dem Leben reißt. Es ist aber zugleich ein Film, der dieser abgrundtiefen Leere etwas entgegensetzt: die Lust am Leben, am Weiterleben – trotz und mit der Trauer.
Goiginger erzählt Barbaras Geschichte auf zwei Zeitebenen. Der Film springt hin und her zwischen der Gegenwart nach dem tödlichen Unfall und Rückblenden in die Zeit davor – und tappt dabei nicht in die Falle, die Familienvergangenheit zu verklären, um den Kontrast zwischen einem glücklichen Gestern und dem deprimierenden Heute sentimental auszumalen. Heli – gespielt als leidenschaftlicher Enthusiast von Robert Stadlober – träumt von einer Karriere in einem großen Zirkus, kommt aber über Auftritte in Kellertheatern nicht hinaus. Barbara verdient derweil als Klinikclown einen Großteil des Familienunterhalts. Das führt unweigerlich zu Konflikten.
Und dennoch: Allen Streitereien zum Trotz ist es die gemeinsame Faszination für die Magie der Clownskunst, die eine tiefe Verbindung zwischen Barbara und Heli schafft. Eine Verbundenheit, die über den Tod hinausreicht. Und letztlich ist es auch eben diese Liebe zum Zauber zwischen Klamauk und Poesie, die Barbara hilft, loszulassen. Von Anfang an weigert sie sich, die Rolle der trauernden Witwe zu spielen. Die Beerdigung ihrer Familie verwandelt sie in ein Fest des Lebens – mit fröhlicher Musik und bunten Luftballons.
Der Film drückt nie auf die Tränendrüse
Das mag nach Klischee klingen, bleibt aber in Goigingers Regie erfreulich kitschfrei. Was auch daran liegt, dass der Film nie auf die Tränendrüse drückt, sondern sich viel Zeit nimmt, seine herausragende Hauptdarstellerin einfach nur zu beobachten. Valerie Pachner vermag es, die inneren Kämpfe ihrer Figur in kleinsten Regungen sichtbar zu machen.
Und so erleben wir eine Frau, die immer wieder Gefahr läuft, in einen Strudel hinabgezogen zu werden ins Bodenlose, die sich aber doch immer wieder freischwimmt. Irgendwann lernt Barbara einen Mann kennen und eine neue Rechnung scheint auf: eins plus eins gibt zwei, und – wer weiß – am Ende sogar wieder vier? Dass der Film es offenlässt, ob auch diese Rechnung so kinderleicht ist, ist eine weitere seiner Stärken.

