Klassiker für eine unvorhergesehene größere Ausgabe: Die Waschmaschine geht kaputt. Ein neues Gerät muss schnell her, einige hundert Euro sind weg. Wer eine solche Ausgabe nicht einfach so stemmen kann, profitiert in diesen Momenten von eigenen finanziellen Rücklagen – dem sogenannten Notgroschen.
Aktuell setzen steigende Energiepreise und die durch den Iran-Krieg verschärfte Inflationsgefahr viele Haushalte in Deutschland unter Druck. Öl-, Strom- und Gaspreise sind seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen, Ökonomen rechnen mit einem neuen Inflationsschub durch teurere Energie und Folgeeffekte bei anderen Preisen. Umso wichtiger ist ein finanzielles Polster.
Monatsgehalt oder Monatsausgaben – der Unterschied
Viele Ratgeber sprechen von zwei bis drei Monatsgehältern, die man auf der Seite haben sollte. Das dient aber höchstens als grober Richtwert, entscheidend ist die individuelle Lebenssituation. Mit Monatsgehalt ist in der Regel das Nettoeinkommen gemeint, also die Summe, die monatlich auf dem eigenen Konto landet.
Vermutlich noch wichtiger ist ein anderer Wert: die Monatsausgaben. Sie umfassen alle regelmäßigen Kosten. Miete oder Kredit, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität, Grundbedarf für Kinder und so weiter. Konsumausgaben wie Reisen oder Restaurantbesuche gehören nicht unbedingt dazu.
Für die Höhe des Notgroschens ist die Summe der Monatsausgaben die realistischere Größe. Wer viel verdient, aber auch hohe Fixkosten hat (zum Beispiel Hauskredit, Auto, Kinderbetreuung), braucht mehr Puffer als jemand mit dem gleichen hohen Einkommen – aber geringeren Ausgaben.
Notgroschen: Orientierungswerte für verschiedene Lebenslagen
Banken und Verbraucherschützer – wie die Sparkasse oder die Verbraucherzentrale (externe Links) – empfehlen bestimmte Werte für verschiedene Lebenslagen. Sie unterscheiden sich teilweise etwas, lassen sich aber im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen.
Wichtig: Diese Richtwerte ersetzen keine individuelle Abwägung oder Beratung. Bei einer unsicheren Erwerbssituation, etwa bei monatlich schwankenden Einkünften aus selbstständiger Arbeit, gilt der höhere Wert.
- Single, Mieter, sicher angestellt: 2 bis 3 Monatsausgaben
- Paar ohne Kinder, beide sicher angestellt: etwa 3 Monatsausgaben
- Familie mit Kindern, zwei Einkommen: 3 bis 6 Monatsausgaben
- Alleinerziehende mit Kindern: 4 bis 6 Monatsausgaben
- Angestellte in unsicheren Branchen/Befristung: 3 bis 6 Monatsausgaben
- Selbstständige und Freiberufler: 6 bis 12 Monatsausgaben
- Haus- oder Wohnungseigentümer: eher am oberen Rand der jeweiligen Spanne, wegen möglicher Reparaturen (Faustregel: mindestens 1 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich für Instandhaltung und Reparaturen zurücklegen)
- Rentnerinnen und Rentner: 3 bis 6 Monatsausgaben
Wie sollten die finanziellen Rücklagen angelegt sein?
Als Platz für den Notgroschen empfehlen Experten ein separates Tagesgeldkonto. Das ist im Gegensatz zu Aktiendepots sicher, täglich verfügbar und ohne Kursrisiko. Auch ein Extra-Girokonto ist denkbar, man sollte aber in diesem Fall unnötige Kontogebühren vermeiden.
Für den Notgroschen raten Verbraucherzentralen und Banken von Aktien, ETFs und anderen langfristigen Anlagen ab, weil deren Kurse stark schwanken können und sie im Krisenmoment – wenn man das Geld dringend braucht – mit Verlust verkauft werden müssten. Außerdem sind viele langfristige Produkte nicht oder nur eingeschränkt kurzfristig verfügbar. Beim Beispiel der kaputten Waschmaschine wären sie nutzlos.
Was tun, wenn keine oder kaum Rücklagen da sind?
Eine aktuelle Befragung im Auftrag der Auskunftei Schufa zeigt: Nur gut ein Fünftel (22 Prozent) der Haushalte hat nach eigener Einschätzung noch genügend Rücklagen, um steigende Lebenshaltungskosten abzufedern. Gut ein Drittel (36 Prozent) fürchtet, dass die finanziellen Polster nicht ausreichen werden. 16 Prozent haben ihre Rücklagen bereits aufgebraucht, 22 Prozent haben gar keine gehabt.
„Die Menschen bekommen die Krise über höhere Preise direkt beim Einkaufen und Tanken zu spüren“, sagt die Schufa-Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz. „Vor allem die unteren Einkommensgruppen haben keine Rücklagen mehr, um dies abzufedern.“
Wer wenig oder gar nichts als kurzfristig verfügbare finanzielle Rücklage hat, kann folgende Schritte gehen:
- Kassensturz: Alle Fixkosten und laufenden Ausgaben notieren, um eine realistische Monatsausgaben-Summe zu kennen. Verzichtbare Ausgaben reduzieren.
- Kleine Sparrate automatisieren: Schon 10, 20 oder 50 Euro im Monat per Dauerauftrag auf ein Tagesgeldkonto sind ein Anfang. Wer kann, orientiert sich an etwa fünf Prozent des Nettoeinkommens.
- Schulden priorisieren, Hilfe suchen: Teure Dispo- und Konsumkredite möglichst zurückfahren. Bei Engpässen und allgemeinem Beratungsbedarf unterstützen Schuldnerberatungen, Sozialverbände und Verbraucherzentralen, in der Regel auch kostenfrei.

