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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Pflanzenschutz mit weniger Spritzmittel- so könnte es gehen
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Pflanzenschutz mit weniger Spritzmittel- so könnte es gehen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 21. April 2026 11:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Bayern will seinen Pestizid-Einsatz bis 2028 halbieren – das hat der Landtag in Folge des Volksbegehrens zur Artenvielfalt 2019 beschlossen. Den neuesten verfügbaren Daten (externer Link) zufolge ist zumindest die akute Gefährdung von Bienen inzwischen um ungefähr die Hälfte gesunken, weil die eingesetzten Mittel weniger schädlich für die Insekten sind. Aber die ausgebrachte Menge an Pflanzenschutzmitteln ist erst um knapp 20 Prozent gesunken.

Inhaltsübersicht
Zwischenbilanz: Spritzmittel reduziert, Geld gespartErstes Jahr war vielversprechendNeue Technik spart PflanzenschutzmittelEntscheidend: Know-How im PflanzenbauGewappnet sein, falls Wirkstoffe wegfallen

Zwischenbilanz: Spritzmittel reduziert, Geld gespart

Stephan Fuchs ist einer der zehn Landwirte, die beim Praxisversuch der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mitmachen. Er hat einen Ackerbaubetrieb in Gützingen im Landkreis Würzburg und baut vor allem Weizen, Braugerste und Zuckerrüben an.

Seine Bilanz nach dem ersten Jahr des Praxisversuchs, in dem er versucht hat, Fungizide in der Sommergerste einzusparen: „Es hat sich für uns gerechnet, tatsächlich gerechnet.“ Er macht bei dem Projekt mit, weil er davon ausgeht, dass die Landwirte über kurz oder lang ihren Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren müssen. Und so könne er sich schon mal damit auseinandersetzen.

Erstes Jahr war vielversprechend

Auch bei den anderen Betrieben waren die Ergebnisse nach dem ersten Jahr (externer Link) vielversprechend. Die zehn Landwirte haben den Pflanzenschutzmitteleinsatz in etwa halbiert, ohne wirtschaftliche Nachteile und ohne Einbußen bei der Qualität. Christoph Bartram von der Landesanstalt betreut das Projekt, das im Mai 2025 gestartet ist. Seine erste Zwischenbilanz: „Der Projektstart war gut.“ In den nächsten Jahren werde sich zeigen, ob diese Einsparungen auf Dauer möglich sind.

Neue Technik spart Pflanzenschutzmittel

Um Pflanzenschutzmittel einsparen zu können, hat Stephan Fuchs in den vergangenen Jahren einiges investiert. Er hat eine Feldspritze mit doppelt so vielen Düsen wie normal, das verringert die Abdrift. Sogenannte digitale Applikationskarten ermöglichen, dass er an Stellen, wo das Getreide schlechter wächst, weniger Halmverkürzer und weniger Mittel gegen Pilzkrankheiten ausbringt, weil da weniger ausreicht.

Für die Zuckerrüben und andere Reihenkulturen hat der Landwirt eine Bandhacke mit Kamerasteuerung angeschafft. Die Kamera sorgt dafür, dass die Rübenreihen verschont bleiben und die übrige Fläche gehackt wird. So braucht er dann nur noch die Rübenreihe selbst spritzen. „Da können wir halt relativ einfach 60 Prozent einsparen“, so Fuchs.

Entscheidend: Know-How im Pflanzenbau

Technik ist jedoch nicht alles. Mit einer durchdachten Fruchtfolge kann man Unkräuter, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten leichter in Schach halten. Schwieriger wird es, wenn die gleichen Pflanzen schon nach einem oder zwei Jahren wieder auf dem Feld stehen. Wer stetig abwechselt zwischen Winterung und Sommerung, also Kulturen, die im Herbst gesät werden wie Weizen und Raps, und solchen, die im Frühjahr angebaut werden wie Kartoffeln und Mais, hat viel weniger Probleme mit Unkräutern.

Stephan Fuchs hat auf einem Acker den Weizen vergangenes Jahr sehr spät, erst Mitte November, gesät. Da wächst kaum Ackerfuchsschwanz. Nur ein paar Knöteriche, Melden und Ehrenpreis. Die bekämpfen seine Mitarbeiter mechanisch mit einem Striegel. Der Striegel hat viele feine Zinken, die das Unkraut rauskratzen und die festeren Weizenpflanzen stehen lassen – wenn man ihn richtig einstellt und mit der richtigen Geschwindigkeit fährt.

Gewappnet sein, falls Wirkstoffe wegfallen

Landwirte und Agrarindustrie klagen seit Jahren, dass der Landwirtschaft die Spritzmittel-Wirkstoffe ausgehen. Der „Werkzeugkasten“ werde immer leerer, weil die Zulassungen von neuen Wirkstoffen zu lang dauern würden und alte Wirkstoffe nicht mehr erlaubt sind.

Stephan Fuchs geht davon aus, dass ihm in Zukunft auch Wirkstoffe fehlen werden. Vor allem bei der Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und gegen Stolbur. Das ist eine Krankheit, die unter anderem bei den Zuckerrüben neuerdings auftritt und von der Schilf-Glasflügelzikade übertragen wird. Und auch bei den Fungiziden könnte es eng werden, so der Landwirt. Und diese Knappheit „ist ja auch ein Grund, warum wir dann gesagt haben, okay, das Projekt interessiert uns, wir machen da mit.“

Er nimmt die staatliche Pflanzenschutz-Beratung der Landesanstalt gern in Anspruch, weil sie unabhängig und neutral ist. Ohne sie „müssten wir uns auf die Industrie verlassen. Und die will ihr Produkt erst mal verkaufen.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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