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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Rattengift im Babybrei: „Hipp ist Opfer einer Erpressung“
Wirtschaft

Rattengift im Babybrei: „Hipp ist Opfer einer Erpressung“

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 21. April 2026 09:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas der Firma Hipp – „Karotten mit Kartoffeln“, 190 Gramm – im Burgenland sichergestellt worden. Die Polizei in Österreich hat die Suche nach einem möglicherweise zweiten vergifteten Glas mit Babynahrung nun ausgeweitet: „Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu Kindergärten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen“, sagte eine Sprecherin der österreichischen Polizei. Am Abend bestätigte das Unternehmen selbst den Hintergrund: „Hipp ist Opfer einer Erpressung.“

Inhaltsübersicht
Wie viele vergiftete Gläser könnten im Umlauf sein?Wie viele manipulierte Gläser wurden bereits sichergestellt?Wie kam es zum Rückruf und den Ermittlungen?Ist Deutschland betroffen?Handelt es sich um einen Erpressungsversuch?Wie gefährlich ist das Rattengift?Wie erkennt man manipulierte Gläser?

Wie viele vergiftete Gläser könnten im Umlauf sein?

Die Firma Hipp hat ihren Sitz im oberbayerischen Pfaffenhofen. Ein manipuliertes Glas mit Babynahrung könne „in Österreich mutmaßlich noch im Umlauf sein“, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord am Montag mit.

„Es spricht viel dafür, dass es nur dieses zweite Glas gibt“, hatte bereits am Wochenende der österreichische Polizeisprecher, Helmut Marban, gesagt. Dies erschließe sich aus kriminaltaktischen Quellen. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen: „Jedes weitere Detail, das man nennt, könnte die Ermittlungen gefährden.“ Trotzdem seien weitere Manipulationen nie auszuschließen. Laut bayerischer Polizei wird in Österreich in zwei Bundesländern gesucht: neben dem Burgenland auch in Oberösterreich.

Wie viele manipulierte Gläser wurden bereits sichergestellt?

Insgesamt seien in Österreich, Tschechien und der Slowakei fünf manipulierte Babynahrungsgläser festgestellt worden, erklärte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Die Gläser konnten gefunden werden, bevor davon gegessen wurde. Laboruntersuchungen bestätigten die Manipulation mit Rattengift.

Der Unternehmenssprecher sprach von einem „kleinen externen kriminellen Eingriff“. Der Vorfall stehe in keinem Zusammenhang mit Produktqualität oder Herstellung.

Wie kam es zum Rückruf und den Ermittlungen?

Den bayerischen Ermittlern zufolge war am vergangenen Donnerstag eine E-Mail der mutmaßlichen Täter bekannt geworden. Das Unternehmen erklärte am Abend: „Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird.“ Sofort nach Kenntnis der Mail habe die Firma Polizei und Behörden informiert sowie einen internen Krisenstab eingerichtet. Es seien umgehend Maßnahmen ergriffen worden, um die Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen, betonte der Hersteller.

Laut Polizei wurden unverzüglich alle nötigen Abstimmungen und Maßnahmen im In- und Ausland eingeleitet. Bei der Kripo Ingolstadt wurde eine Ermittlungsgruppe „Glas“ eingerichtet. Wie ein Hipp-Sprecher sagte, haben die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei vorsorglich alle Gläschen der Marke Hipp aus dem Verkauf genommen. Das Unternehmen hat zudem alle Babygläschen von Spar Österreich zurückgerufen.

Ist Deutschland betroffen?

Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, seien nicht betroffen, sagte am Wochenende der Sprecher der Firma Hipp.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord teilte mit, Deutschland sei nicht betroffen – dennoch ermittelt auch hierzulande die Kriminalpolizei. Die Ingolstädter Kripo führt und koordiniert demnach Ermittlungen und steht in engem Kontakt mit dem Unternehmen, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums in Ingolstadt sagte. Weitere Einzelheiten nannte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Handelt es sich um einen Erpressungsversuch?

„Hipp ist Opfer einer Erpressung“, teilte das Unternehmen selbst am Abend mit. Die Ingolstädter Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts der versuchten Erpressung von Hipp gegen Unbekannt. Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen „vorsätzlicher Gemeingefährdung“.

Wie gefährlich ist das Rattengift?

Nach dem vorläufigen toxikologischen Gutachten, bei dem Rattengift im sichergestellten Glas festgestellt worden war, erfolgt eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen und wie gefährlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wäre, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.

Wie erkennt man manipulierte Gläser?

Laut Polizei wären manipulierte Gläser an einem beschädigten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lauts beim Öffnen erkennbar. Auch der Geruch des Inhalts sollte überprüft werden. Zudem sollen die manipulierten Gläser einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.

Bei Auffälligkeiten sollten die Gläschen aber am besten nicht geöffnet und keinesfalls einem Baby oder Kleinkind zum Verzehr gegeben werden. Die österreichische Gesundheitsagentur Ages appellierte an Eltern, bei auftretenden Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ihres Kindes „unbedingt“ die Ärztin oder den Arzt aufzusuchen.

Hipp bietet in seinem „Elternservice“ unter der Telefonnummer 08441/757 384 die Möglichkeit für Rückfragen. Die Kriminalpolizei Ingolstadt nimmt Hinweise unter der Telefonnummer 0841/9343-3803 entgegen.

Dieser Artikel wird bei neuen Informationen aktualisiert.

Mit Informationen von dpa und AFP

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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