„Sehr politisch“ sei das Festival diesmal, das fällt auch Christian Stückl auf. Als Intendant des Münchner Volkstheaters ist er auch in diesem Jahr der Gastgeber von „Radikal jung“, zum 20. Mal jetzt. Stückl muss es also wissen.
Das Politische zieht sich durch
Und er hat Recht. Das Politische zieht sich durch bei dieser Ausgabe, und das von A bis Z. Von der „Antigone“, die am vergangenen Freitag den Auftakt machte, einer Parabel über politischen Widerstand in repressiven Zeiten, bis zum „Zauberer von Öz“, der am kommenden Sonntag den Schlusspunkt setzt; eine Fußballtragödie, die am Beispiel von Ex-Nationalspieler Mesut Özil die Fliehkräfte der deutschen Gesellschaft zwischen Integrationsbestreben und Ausgrenzung untersucht.
Auch der hauseigene Beitrag des Volkstheaters passt ins Muster. Am Freitag und Samstag stehen „Die Nashörner“ auf dem Spielplan. Anna Marboe hat Ionescos Klassiker des absurden Theaters über den populistischen Herdentrieb mit viel Sinn für Aberwitz, aber auch den Aktualitätsbezug inszeniert. „Radikal jung“ 2026 ist also unübersehbar: radikal politisch.
Das Festival als Chance
Intendiert habe man das nicht, sagt Isabell Redfern auf Nachfrage, eine von fünf Jurorinnen und Juroren, die die Gastspiele ausgewählt haben. Und doch stellt sich am Ende so eines Auswahlprozesses ein Gesamtbild ein, an dem das verbindende Erkenntnisinteresse einer jungen Generation von Theatermachenden ablesbar wird.
Redfern war übrigens früher selbst bei „Radikal jung“ zu Gast. Für ihre Regiekarriere, sagt sie, war die Einladung ein Türöffner. Damals kam sie mit einer freien Produktion nach München. Nach dem Festival sei ihre Inszenierung dann von einem festen Haus übernommen worden. „Wir haben statt vier Mal dann 36 Mal gespielt. Insofern ist so ein Festival schon eine riesige Chance.“
Sucher sucht das Abenteuer
Für C. Bernd Sucher indes ist das Festival vor allem ein Abenteuer. Der Theaterkritiker hat „Radikal jung“ einst mit aus der Taufe gehoben. „Bei diesem Festival lässt man sich viel gefallen“, sagt er. Nicht immer sei er mit allem zufrieden, was er da sehe. Manchmal passe das Bühnenbild nicht oder die Besetzung. Darauf komme es aber auch gar nicht an. Nicht nach „Höchstleistungen suche er, sondern „nach dem Verrücktesten und dem Ausgefallensten“.
Sucher scheidet nun nach der Jubiläums-Ausgabe auf eigenen Wunsch aus der Jury aus. Aber „Radikal jung“ – längst eine feste Größe im Theaterfestivalkalender – soll natürlich weiterlaufen. Sicher ist die Zukunft allerdings keineswegs. Der Spardruck in München ist angesichts der klammen Kasse der Stadt enorm hoch. Das Volkstheater musste auch im aktuellen Haushalt wieder empfindliche Etat-Kürzungen hinnehmen. Ob es sich da das Festival weiter wird leisten können?
Stückl will an „Radikal jung“ festhalten
Für Christian Stückl gibt es darauf nur eine Antwort: „Radikal jung“ einzustampfen sei keine Option, sagt er. Eher würde er die ein oder andere Position im regulären Spielplan streichen. Das Festival ist wichtig, allein schon, weil dessen Jury fürs Volkstheater eine Art Scouting-Abteilung ist, die immer wieder spannende Regiekräfte fürs Haus entdeckt.
Was der Stadt insgesamt verloren ginge, bringt der scheidende Juror C. Bernd Sucher auf den Punkt: „Sie verbaut sich Jugend und Zukunft.“

