In Deutschland gelten laut Roter Liste [externer Link] rund die Hälfte der heimischen Wildbienenarten als gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. Auch in Städten verschärft sich die Lage, weil Lebensräume schwinden und gleichzeitig immer mehr Honigbienen auf begrenztem Raum dazukommen.
Konkurrenz um Blütenressourcen und Lebensraum
Wildbienen und Honigbienen teilen sich oft dieselben Nahrungsquellen. Gerade in urbanen Räumen mit wenig Blühangebot entsteht dadurch Konkurrenz, sagt Monika Egerer von der Technischen Universität München: „Wir brauchen genug Lebensräume oder Nahrungsangebote für beide Wildbienen und Honigbienen, um keine Konkurrenz zu haben.“ Problematisch sei vor allem, dass mehr Honigbienen auf weniger Blüten treffen – ein Ungleichgewicht, das den Druck auf Wildbienen erhöht.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Krankheiten. Honigbienen können Viren oder Parasiten über gemeinsame Blüten auf Wildbienen übertragen. Für viele Wildbienenarten, die solitär leben, ist das besonders gefährlich. Egerer erklärt: Krankheiten könnten sich so von Blüte zu Blüte weiterverbreiten, ohne dass es eine „Pflegeinstanz“ wie bei Honigbienen gebe. Das erhöhe die Verwundbarkeit der einzelnen Tiere deutlich.
Maßnahmen zur Koexistenz von Honig- und Wildbienen
Vor diesem Hintergrund hat ein Forschungsteam der Technischen Universität München das sogenannte „Urban Bee Concept“ [externer Link] entwickelt. Ziel ist ein besseres Gleichgewicht zwischen Honig- und Wildbienen in Städten. Ein zentraler Punkt: mehr Wissen und klare Regeln. „Wir brauchen viel mehr Wissen darüber, wie viele Völker es in den Städten gibt“, so Egerer. Viele Städte hätten keine genaue Erfassung. Auf dieser Basis müssten künftig auch Limits für Bienenvölker und Imkerei in bestimmten Gebieten festgelegt werden. Entscheidend sei außerdem die Frage, ob überhaupt genug Blühressourcen vorhanden sind, um zusätzliche Völker zu tragen.
Auch die ökologische Tragfähigkeit von Städten spielt dabei eine Rolle: Wie viele Honigbienen verträgt ein Stadtgebiet, ohne dass andere Bestäuber verdrängt werden? Neben Regulierung setzen die Forschenden auf mehr Blühflächen, weniger Monokulturen im urbanen Raum und stärkere Aufklärung.

