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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Lufthansa: Premium-Airline oder Billigheimer?
Wirtschaft

Lufthansa: Premium-Airline oder Billigheimer?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 12. Mai 2026 16:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Wenn ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen seinen 100. Geburtstag feiert, dann herrscht in der Regel Harmonie. Anders bei der Lufthansa: Just zur Jubiläumsfeier im April lähmten Streiks große Teile des konzerneigenen Flugbetriebes, vor der Festhalle fanden Proteste der Belegschaft statt. Ein wohl einmaliger Vorgang in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Und ein Beleg dafür, dass die viel zitierte Sozialpartnerschaft bei der Lufthansa bis ins Mark erschüttert ist.

Inhaltsübersicht
Zu viele Lufthansa-Töchter verderben die StimmungWundertüte statt verlässliche Qualität für Lufthansa-KundenLufthansa-Konzern wird immer unübersichtlicherPremium oder Billigflieger? Airline muss sich entscheiden

Anders gesagt: Die angebliche Lufthansa-Familie wirkt wie ein hochgradig dysfunktionaler Haufen. Dazu passt, dass der Konzern kurz darauf den Betrieb seiner Tochter Cityline kurzfristig einstellte, ohne Rücksicht auf die Belegschaft und die Folgen für zehntausende Passagiere.

Zu viele Lufthansa-Töchter verderben die Stimmung

Unter den großen europäischen Fluggesellschaften ist die einst auf ihre Zuverlässigkeit so stolze Lufthansa inzwischen zum Streik-Champion verkommen. Daran trägt das Management eine gehörige Mitschuld. Die Konzernführung will das Unternehmen auf der einen Seite als Premium-Anbieter positionieren, gleichzeitig klagt sie, die Kosten gerade bei der Kernmarke Lufthansa seien zu hoch.

Deswegen werden seit Jahren immer neue Töchter gegründet, deren Beschäftigte teils zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten. Das sorgt bei altgedienten Lufthansa-Mitarbeitern für Verlustängste, gleichzeitig schürt es konzernintern Debatten darüber, warum Menschen für die gleiche Arbeit unterschiedlich entlohnt werden.

Wundertüte statt verlässliche Qualität für Lufthansa-Kunden

Auch für die Kunden ist das Nebeneinander von immer mehr Konzerntöchtern ein Ärgernis. Denn in der Praxis bedeutet das: Wer beim selbst ernannten Premiumanbieter Lufthansa zu entsprechenden Preisen bucht, der kann sich nicht darauf verlassen, dass er für sein Geld auch Lufthansa bekommt.

Ein Beispiel: Freitags bietet die Lufthansa-Buchungsseite für die Verbindung von München nach Palma de Mallorca sieben Direktflüge an. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das Angebot ist eine Wundertüte. Denn nur eine dieser Verbindungen wird tatsächlich von der Lufthansa geflogen. Den Rest teilen sich die Töchter Discover, Eurowings und die in Malta ansässige Eurowings Europe.

Lufthansa-Konzern wird immer unübersichtlicher

Zur Strategie des Konzerns gehört seit Jahren auch eine Einkaufstour quer durch Europa. Seit der Jahrtausendwende hat die Lufthansa Airlines in der Schweiz, in Österreich und Belgien übernommen, zuletzt kaufte man in Italien zu. Nun soll auch noch die portugiesische TAP Teil der Lufthansa werden.

Das alles bindet seit Jahren erhebliche Management-Kapazitäten, hat aber die Effizienz nicht wesentlich gesteigert. Unter dem Strich wird es immer komplizierter, dieses Sammelsurium an Töchtern mit eigenen Tarifverträgen und nationalen Reglementierungen zu verwalten.

Premium oder Billigflieger? Airline muss sich entscheiden

Bei seiner Shoppingtour scheint das Management Teile der Kundschaft und deren Bedürfnisse aus den Augen verloren zu haben. Liest man sich durch Vielflieger-Foren, dann gewinnt man den Eindruck, die Lufthansa sei ausgerechnet bei vielen ihrer Stammkunden ähnlich unbeliebt wie die Deutsche Bahn. Beklagt wird vor allem, dass es der Konzern zu oft nicht schaffe, sein Premiumversprechen zu halten, etwa im Umgang mit Beschwerden. Diese werden offenbar oft abgewimmelt, ignoriert oder enden bei einem wenig hilfreichen Chatbot.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach einem klaren Profil. So will man auf der einen Seite mit renommierten Anbietern wie Singapore Airlines mithalten. Doch auf der anderen Seite setzt man mehr und mehr auf ein Minimalangebot aus der Trickkiste von Billigfliegern á la Ryanair. So gibt es seit kurzem Tarife, bei denen die Passagiere selbst in der teuren Business Class für bisherige Selbstverständlichkeiten wie einen reservierten Sitzplatz extra zur Kasse gebeten werden.

Was aber will man in Zukunft sein? Premiumanbieter oder Billigheimer? Beides gleichzeitig geht nicht. Die Lufthansa bringt sich damit ohne Not in einen Spagat, der ihr Profil gefährlich verwässert. Und so gerät in Gefahr, was sich die Lufthansa in 100 Jahren mühsam aufgebaut hat: Eine vertrauenswürdige Marke, die für Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit steht.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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