Wahrscheinlich hätte der scheidende BMW-Chef Oliver Zipse am Mittwoch zum Abschied viel Applaus von den Aktionären bekommen. Denn mit der Hauptversammlung übergibt Oliver Zipse den Vorstandsvorsitz planmäßig an Milan Nedeljkovic. Doch die Veranstaltung war rein virtuell und so gab es nur Lob vom anwesenden Aufsichtsrat und von den Anteilseignern, die zugeschaltet wurden.
Technologieoffenheit als bisheriges Erfolgsrezept
Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment hob hervor, dass Zipse ein gut bestelltes Haus hinterlasse. Sein Mantra der Technologieoffenheit habe sich ausgezahlt – nicht nur für BMW, sondern auch für die Aktionäre. Im Gegensatz zu Konkurrenten hat sich BMW nie auf ein Enddatum beim Verbrenner festgelegt. Damit habe man eine sehr hohe Flexibilität, auf die Nachfrage der Kunden zu reagieren, indem man die Antriebstechnik an bestehende Autos flexibel andocken könne, so Speich.
Gleichzeitig hat BMW in den vergangenen Jahren viel Geld in die Elektromobilität investiert. Die ersten Modelle der „Neuen Klasse“ sind am Markt. Zwar gibt es auch schon zahlreiche Bestellungen für diese Fahrzeuge. Allerdings muss sich erst noch zeigen, ob die Kunden auch nach der Auslieferung mit diesen Fahrzeugen zufrieden sind.
Fondsmanager richten Fokus bei BMW auf Software
Dafür zuständig ist dann allerdings der neue Chef, für den es keinesfalls einfacher wird. Wie Zipse ist auch Milan Nedeljkovic seit vielen Jahren bei BMW. Angefangen hat er bei dem Autohersteller 1993, seit 2019 ist er im Vorstand für die Produktion zuständig. Der Wechsel wird denn auch als Zeichen der Kontinuität gesehen, denn auch sein Vorgänger Zipse sowie dessen Vorgänger Harald Krüger waren zuvor lange bei BMW und auch zeitweise für die Produktion verantwortlich.
Dies sei zwar typisch für BMW, doch es brauche mehr, um den aktuellen Umbruch in der Industrie zu meistern, meint Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment. Die Erfahrung in der Produktion sei eine gute Basis, doch dieses Profil allein reiche nicht aus, um die Software-Schlacht gegen die Konkurrenz aus China zu gewinnen. Der globale Wettbewerb werde heute über Software, autonomes Fahren und digitale Intelligenz entschieden.
BMW-Zukunft wird in China entschieden
Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wies darauf hin, dass sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert haben. Man habe nicht mehr das Goldgräberland China. Dort könne man nicht mehr Autos ohne Hinsehen verkaufen, wie früher. Daneben verwies sie auf die US-Zölle, die zahlreichen geopolitischen Krisen und die anhaltende Transformation der Autoindustrie hin zur Elektromobilität, die die Geschäfte der Hersteller belasten. Wenn der Krieg im Iran und die Sperre der Straße von Hormus länger andauere, könnte das negative Auswirkungen auf die Lieferketten, so ihre Sorge.
Der neue Konzernchef Nedeljkovic erklärte in seiner kurzen Antrittsrede, er freue sich, dieses außergewöhnliche Unternehmen in die Zukunft zu führen. Innovationskraft und technologische Kompetenz zeichneten BMW aus.
Zipse übergibt BMW mit vollen Kassen
Dabei kann BMW immerhin auf volle Kassen zurückgreifen. Das Nettofinanzvermögen beläuft sich auf 45 Milliarden Euro. Zwar leiden auch die Münchner wie Mercedes und VW unter Gewinnrückgängen. Doch im Vergleich zur Konkurrenz stehen die Bayern besser da. Bei BMW stünde nie der Einzelne im Mittelpunkt, sondern die Produkte, sagte Zipse. Er bedankte sich zum Abschluss für 35 intensive Jahre im Konzern.
Die Hauptversammlung wäre runder gewesen, hätte es nicht gleich zu Beginn der Aussprache mit den Anteilseignern technische Störungen gegeben. Minutenlang war die Übertragung unterbrochen. Das dürfte all jene bestätigen, die solch virtuelle Aktionärstreffen ablehnen und Präsenzveranstaltungen bevorzugen.

