Mit einem umjubelten Auftritt hat Sarah Engels den Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden Deutschlands beim Eurovision Song Contest (ESC) neuen Auftrieb gegeben. Die 33-Jährige erhielt beim ersten ESC-Halbfinale am Ende ihres Songs „Fire“ von den 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Wiener Stadthalle begeisterte Zustimmung.
Deutschland wie auch fünf andere Länder sind für das Finale am Samstag bereits gesetzt. Die sogenannten Big Five, zu denen neben Deutschland noch Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien zählen, müssen durch kein Halbfinale. Nicht nur, weil diese Länder zu den größten Geldgebern der European Broadcasting Union (EBU) zählen, sondern auch, weil es ohne sie deutlich weniger Zuschauer (externer Link) gäbe. Spanien wird allerdings aus Protest gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen in diesem Jahr nicht am ESC teilnehmen.
Einzelne Protestrufe bei israelischem Auftritt
Die Teilnahme Israels hatte im Vorfeld für eine heftige Kontroverse gesorgt. Neben Spanien bleiben darum auch Irland, die Niederlande, Island und Slowenien dem ESC fern. Mehrere Organisationen wollen im Laufe der Woche bei Protestaktionen auf das Leid der Palästinenser aufmerksam machen und fordern den Ausschluss Israels vom ESC.
Der israelische Sänger Noam Bettan wurde vom Publikum freundlich empfangen und begeisterte viele mit seinem Song „Michelle“. Dennoch blieben Buhrufe bei seinem Auftritt nicht aus.
Israel, Schweden, Finnland und Griechenland im Finale
Für Deutschland präsentierte Sarah Engels den Song „Fire“ mit Mut und Einfallsreichtum, als sie sich auf der von Stichflammen gesäumten Bühne nervenstark von einem Sockel rücklings in die Arme ihrer vier hochgestiefelten und leicht bekleideten Tänzerinnen fallen ließ. Stimmlich allerdings schien sie in den vorausgegangenen Proben mit noch mehr Power gesungen zu haben.
Für das ESC-Finale haben sich unter anderem Israel mit Sänger Noam Bettan, Schweden mit der maskierten Sängerin Felicia und die Favoriten Finnland mit Linda Lampenius an der Geige und Pete Parkkonen als Sänger sowie Griechenland qualifiziert. Hier wirbelte der Sänger Akylas mit oranger Kätzchenmütze und knalligen Kunstfellstiefeln über die Bühne. Die Künstlerinnen und Künstler aus diesen Ländern überzeugten Jury und Publikum im ersten Halbfinale auf Anhieb.
Ausgeschieden sind dagegen Portugal mit einem sanftmütigen Männer-Gesangsquintett samt Geigerin, ein wepsig trällerndes Elektro-Gesangstrio aus Georgien, ein düster-dramatisches Frauen-Quintett aus Montenegro und ein estnisches Frauen-Trio mit Rock-Gitarren im US-amerikanischen Stil. Auch San Marino mit einem flirrend-bunten Regenbogen-Auftritt in buntem Glitter-Pop samt Live-Ikone Boy George ist aus dem Rennen.
Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderieren
Durch die Show führten souverän, aber wenig spontan Victoria Swarovski, sonst Moderatorin von „Let’s Dance“, und der Schauspieler Michael Ostrowski. Letzterer zwar mit Kostümwechseln und kleinen Witz-Einlagen aber zeitweise etwas hölzern.
Im ersten Halbfinale traten Talente aus 15 Ländern gegeneinander an. Das zweite Semifinale findet am Donnerstag statt. Am Samstag steigt das Finale. Dann werden voraussichtlich wieder mehr als 150 Millionen Zuschauer den Wettbewerb am Fernseher verfolgen.
Vicky Leandros Stargast in Wien
In Wien wird diesmal die 70. Ausgabe des ESC gefeiert. Deshalb begann das Halbfinale nicht mit einem aktuellen Teilnehmer, sondern mit einem früheren Song-Contest-Star: Vicky Leandros sang eine Kurzversion des Lieds „L’amour est bleu“ mit dem sie 1967 für Luxemburg den vierten Platz in Wien belegte. Vorangegangen waren Ausschnitte unter anderem ikonischer französischsprachiger Songs aus der Geschichte des Contests.
Der ESC als eines der größten Musikspektakel der Welt wird dieses Mal von einem großen Polizeiaufgebot geschützt. Es gelten aufgrund der brisanten internationalen Lage strenge Sicherheitsvorkehrungen. So dürfen die rund 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die Tickets für die Shows haben, keine Taschen mitbringen.
Mit Informationen von dpa

