Senta Berger ist eine Ausnahmeerscheinung in der Deutschen Filmbranche. Das einstige Vorstadtmädel aus Wien, wie sie sich selbst bezeichnet, ist ein Allüren-freier Star, eine nahbare und warmherzige Darstellerin und zugleich liebende Großmutter im Familiengefüge Berger/Verhoeven.
Die aber auch immer etwas Mondänes umspielt und deren weicher österreichischer Tonfall sich stets gut mit Melancholie und Ironie paart. „Ich bin eine ganz normale, junge, intelligente Frau des 20. Jahrhunderts“, sagte Senta Berger von sich einst. „Die von ihrer Umgebung anders gesehen wird, als sie wirklich ist.“
Talentierte Schauspielerin, die Tabus bricht
In mehr als 100 Kinofilme und 80 Fernsehproduktionen wirkte Senta Berger mit. Sie spielte Theater auf den großen deutschsprachigen Bühnen, war die Buhlschaft in Salzburg und Leinwandpartnerin von John Wayne, Charlton Heston oder O. W. Fischer. Senta Berger war 1971 eine der Frauen, die auf dem Stern-Titelbild souverän bekannt gaben, abgetrieben zu haben. Und sie verkörperte Anfang der 1980er-Jahre die Mona in Helmut Dietls Serie „Kir Royal“ – neben Baby Schimmerlos, gespielt von Franz Xaver Kroetz.
Die Serie wurde zum Glanzpunkt deutscher Fernsehgeschichte. Dabei hätte Senta Bergers Karriere auch ganz anders verlaufen können, urteilte Helmut Dietl einmal: „Wenn sie in Amerika geblieben wäre, hätte sie mit Sicherheit dort eine große Karriere gemacht – aber das zeichnet sie auch charakterlich aus, dass sie nicht dort geblieben ist.“
Erfolg in Hollywood – und trotzdem kehrte sie zurück
Schon als junges Mädchen wollte Senta Berger in Wien zum Theater, es folgten Max-Reinhard-Seminar und nach dem Kinodebüt in der Erich Kästner Verfilmung „Das Doppelte Lottchen“ 1950 eine rasche Filmlaufbahn in den damals populären Heimatfilmen. Die junge attraktive Frau, die singen und tanzen konnte, wird von Hollywood entdeckt und übersiedelt 1962 nach Los Angeles.
Sie spielt unter anderem mit Kirk Douglas in einem Western von Sam Peckinpah – aber entscheidet sich letztlich gegen die US-Studiomaschinerie und ein Label als „Objekt der Begierde“, kehrt Ende der 1960er-Jahre endgültig nach Europa zurück. Auch ein Grund: die Liebe zu ihrem späteren Ehemann, dem anfänglichen Schauspielkollegen 1963 in „Jack und Jenny“, dem jungen Arzt Michael Verhoeven. Den ersten Kuss gab es dann vor gesamtem Filmteam, obwohl sie sich „eigentlich schon ziemlich lange küssen wollten“, wie sie sich erinnert.
Gemeinsame neue Heimat in München
Michael Verhoeven wird ihr Partner fürs Leben. Das Paar zieht nach Stationen in Paris, London und Rom nach München, das gemeinsame Haus in Grünwald wird Lebensmittelpunkt der jungen Familie mit bald zwei Söhnen. Es folgt die Gründung der gemeinsamen Produktionsfirma „Sentana“. Senta Berger dreht zunächst viel in Italien und später zunehmend für das deutsche Fernsehen, so etwa 30 Folgen und 17 Jahre lang als Ermittlerin Dr. Eva Maria Prohacek in der Krimiserie „Unter Verdacht“. Und sie ist „Die schnelle Gerdi“ in der gleichnamigen TV-Serie ihres Mannes über eine Münchner Taxifahrerin.
Wieder zurück ins Kino
In den letzten Jahren feiert die taffe und charmante Ikone des deutschen Fernsehens mit klarem politischen Standpunkt auch wieder Kinoerfolge wie in „Willkommen bei den Hartmanns“ oder zuletzt in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ – beide inszeniert von ihrem Sohn Simon Verhoeven.
Man kann Senta Berger nur gratulieren und ihr alles Gute zum Geburtstag wünschen, dieser einzigartigen, meinungsstarken und doch ganz normalen Frau des 20. Jahrhunderts.

