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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Smarte Brillen – Horror für viele Frauen
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Smarte Brillen – Horror für viele Frauen

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 15. Mai 2026 12:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Manchmal zielt eine interessante Technik komplett an der Gesellschaft vorbei. Google musste diese Erfahrung 2013 mit seiner Datenbrille Glass machen. Das Ding sah sehr nach Science-Fiction aus. Das Display leuchtet im Kamerabetrieb, sodass jede und jeder gut erkennen konnte, wenn er oder sie aufgenommen wurde. Aber genau das wollte niemand – sich ungefragt filmen lassen. Die Träger der Brille wurden als „Glassholes“ beschimpft. Google stellte die Produktion wieder ein.

Inhaltsübersicht
Ein paar Millionen Brillen sind unterwegsHeimliche Filmaufnahmen als ProblemFrauen werden im Netz bloßgestelltWas, wenn Chefs Kamera-Brillen tragen?Es fehlen präzise RegelungenJustizministerin will nachbessernDroht Meta das gleiche Schicksal wie Google?

Ein paar Millionen Brillen sind unterwegs

Jetzt, rund 13 Jahre später, versuchen es andere Hersteller erneut. Allen voran Meta-Chef Marc Zuckerberg sieht in den Datenbrillen eine große Zukunft. In Kooperation mit dem Sonnenbrillenhersteller Ray-Ban wurden schon drei Modelle auf den Markt gebracht.

Weltweit sind inzwischen mehrere Millionen verkauft worden. Und auch andere Hersteller wie Xiaomi und Huawei haben smarte Brillen entwickelt. Ein Massenmarkt wird damit bislang noch nicht erreicht. Aber das Experiment Smart Glasses geht in die nächste Runde, wobei die Vorbehalte bleiben.

Heimliche Filmaufnahmen als Problem

Vor allem die Video-Funktion stößt auf Bedenken, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des SWR (externer Link) zeigt. Eine große Mehrheit der Deutschen hält es demnach für ein gesellschaftliches Problem, dass Menschen heimlich in privaten oder intimen Situationen gefilmt und die Aufnahmen missbraucht werden können.

Eigentlich zeigen die Brillen etwa durch ein Blinklicht an, wenn eine Videoaufnahme läuft. Im Internet kursieren aber bereits Ratgeber, die zeigen, wie man das Signal so abdeckt, dass es nicht mehr zu sehen ist. Einige Influencer gehen anscheinend so ausgestattet „auf Jagd“, um gezielt Frauen aufzunehmen. Wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass es auch Männer trifft.

Frauen werden im Netz bloßgestellt

Das Recherche-Team des SWR konnte mit Betroffenen sprechen, die bereits Opfer von heimlichen Aufnahmen wurden. Mal wurde eine Frau im Bikini von einem Mann angesprochen und aufgenommen, mal gab es heimliche Aufnahmen auf dem Münchner Oktoberfest.

Im Prinzip kann man sich vor den Kameras nirgends mehr sicher fühlen. Auch Aufnahmen in der Sauna sind denkbar. Solche Videos landen dann auch in sozialen Medien, wo sie entsprechend kommentiert werden. Auch das zeigen die Erfahrungen der Betroffenen.

Was, wenn Chefs Kamera-Brillen tragen?

Denkbar sind noch ganz andere Szenarien. Smarte Brillen, die Fotos und Videos aufnehmen können, ließen sich beispielsweise am Arbeitsplatz einsetzen. Vorgesetzte könnten sie tragen und damit die Belegschaft überwachen, ohne dass die das merkt.

Mitarbeiter können auch Kollegen aufnehmen und so denunzieren. Und auch wenn die Kamerafunktion gar nicht aktiviert wird, entsteht womöglich dennoch ein permanentes Kontrollgefühl.

Es fehlen präzise Regelungen

Juristisch gesehen bewegen sich solche heimlichen Filmaufnahmen oft in einer Grauzone. Anders als bei Audioaufnahmen war es bislang bei Video immer erkennbar, wenn jemand aufzeichnet. Mit den neuen Brillen ändert sich das allerdings gerade. Niemand muss mehr ein Handy hochhalten, um zu filmen.

Bislang aber fehlen etwa präzise Vorschriften im Arbeitsschutz, die den Umgang mit Smart Glasses im Job regeln würden. Und sogar gegen heimliche Aufnahmen in der Sauna gibt es noch keine exakte juristische Handhabe.

Justizministerin will nachbessern

Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat gerade erst ein Gesetz gegen digitale Gewalt auf den Weg gebracht. Vorgesehen sind darin neue Straftatbestände, die auch die Verletzung der Intimsphäre durch Bildaufnahmen vorsehen. Ob das Gesetz alle beschriebenen Fälle abdeckt, ist allerdings fraglich.

Indra Spiecker, Leiterin des Lehrstuhls für Recht der Digitalisierung an der Universität Köln, hat Zweifel. Sie kritisiert, dass heimliche Aufnahmen künftig unter Strafe stehen sollen, wenn sie – so wird es im Gesetz formuliert – in „sexuell bestimmter Weise“ erfolgen. Viel zu vage, glaubt Spiecker. Ob beispielsweise ein Video von einer Frau im Freibad im Bikini dazu zählt oder nicht, darüber könne man streiten.

Droht Meta das gleiche Schicksal wie Google?

Vielleicht wird sich das Problem mit den Smart Glasses ja aber weniger über Gesetze als vielmehr über die gesellschaftliche Haltung lösen. Der Fall Collien Fernandes etwa zeigt, auf wieviel Widerstand sexualisierte Online-Gewalt inzwischen stößt. Sollten auf Demos künftig „Glasshole“-Schilder geschwenkt werden, könnte es sein, dass Meta sein Projekt Datenbrille genauso einstampfen muss wie einst Google.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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