Fans verkleiden sich wie die Filmfiguren
Einige Besucher haben sich wie die Figuren im Film gekleidet. Wie Janet Weiss, Magenta oder Riff Raff. Das gehört für viele zum authentischen „Rocky Horror“-Kinoerlebnis dazu. Besucher Jan Klose hat sich für Frank N. Furter entschieden, trägt grünen Laborkittel, eine Perlenkette und türkisfarbenen Lidschatten. Der Tod von Tim Curry habe ihn betroffen gemacht. „Jetzt feiern wir trotzdem heute den Film und das, was er uns geschenkt hat“, sagt er.
Bevor die Vorstellung beginnt, wendet sich noch Kinobetreiber Stolz an die Gäste und will wissen, wer den Film schon kennt. Etwa die Hälfte der Besucher meldet sich, was mehr als sonst ist, wie Stolz bemerkt: „Vielleicht gibt es bei ‚There’s a light‘ ein Licht mehr heute über Frank N. Furters Castle, das leuchtet. Und wir werden schauen, dass es weiterleuchtet. Über die 50 Jahre hinaus.“
Mitmach-Erlebnis im Kino
Knapp 100 Minuten lang wird dann geklatscht und dazwischengerufen, wenn bestimmte Stichworte fallen. In passenden Filmszenen wird auch mal mit Reis geworfen oder Wasser gespritzt. Im Museum Lichtspiele ist das Mitmachen und Interagieren während des Films ausdrücklich erlaubt. Es wird mitgesungen, getanzt und gejubelt. Besonders bei Frank N. Furters erstem Auftritt im Film, in der ikonischen Fahrstuhlszene, wo er zunächst im Dracula-Umhang auftaucht. Darunter kommen dann Korsett, Netzstrümpfe und Perlenkette zum Vorschein.
Bedeutung für queere Community
Die „Rocky Horror Picture Show“ schaffte Sichtbarkeit für die queere Community und wurde zum Symbol für Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung. „Der Film zeigt sehr viele Facetten, die auch queeres Leben ausmachen. Und er ist ein großer Vorreiter aus den 70ern, der nie an Aktualität verloren hat“, sagt Kinobetreiber Matthias Stolz.
Und das auch wegen Tim Currys Rolle. Frank N. Furter stehe für „Freiheit, sein wie man ist, sein Leben genießen“, beschreibt es Ursula Wimmer, die den Film zum zweiten Mal im Museum Lichtspiele gesehen hat. Frank N. Furter wurde zur Identifikationsfigur. Die sei damals wichtig gewesen und sei es bis heute, sagt Besucher Jan Klose: „Ich glaube, sich feminin geben als Mann, sich zu schminken, hohe Schuhe zu tragen, Strapse zu tragen, war damals krass und ist, glaube ich, heute krasser, als sich manche das vielleicht eingestehen wollen. Deswegen glaube ich, ist es heute vielleicht ein Film, den man wieder häufiger sehen könnte“.
Als am Ende Tim Currys Name im Abspann erscheint, wird nochmal gejubelt und geklatscht. Für einige Fans war das sicher nicht die letzte „Rocky Horror Picture Show“ im Kino.

