Es braucht schon eine ordentliche Portion Mut und Selbstvertrauen, eine Bestsellerverfilmung deutlich von der Literaturvorlage zu lösen. Vor allem, wenn es sich um einen millionenfach verkauften und in über 30 Sprachen übersetzten Titel wie „Glennkill“ handelt.
Originalvorlage aus Dachau
2005 unter dem Pseudonym Leonie Swann von einer in Dachau geborenen Autorin veröffentlicht, belegte der aus der Sicht einer Schafherde geschriebene Krimi monatelang die Spiegel-Bestsellerliste und hat dank zweier Fortsetzungen bis heute eine große Fangemeinde. Kinderfreundlich ist die Originalgeschichte allerdings nicht: Das Mordopfer – der Schäfer – wird mit einem Spaten in der Brust gefunden, Drogen spielen auch eine Rolle und trotz der tierisch lustigen Perspektive ist die Handlung ziemlich düster.
In der Leinwand-Adaption muss der von Hugh Jackman gespielte Schäfer zwar auch relativ früh das Zeitliche segnen, aber der Tod des auf einem abgelegenen Weidehügel lebenden Einzelgängers ist nicht ganz so brutal wie im Buch. So natürlich, wie der überforderte Dorfpolizist zunächst vermutet, ist er aber auch nicht. Und weil der Ordnungshüter auch sonst eher Typ „treudoofer Trottel“ ist, übernimmt kurzerhand die Schafherde selbst die Schnüffelarbeit.
Agatha-Christie-Nostalgie
US-Drehbuchautor Craig Mazin, bekannt für so grundverschiedene Arbeiten wie die beiden „Hangover“-Fortsetzungen und die HBO-Serien „Chernobyl“ und „The Last of Us“, hat aus der Buchvorlage seine ganz eigene Story geschnitzt. Und weil der Nostalgiepfad für Leinwand-Detektive in den letzten Jahren zwar vielbeschritten, aber noch lange nicht ausgetreten wurde, bewegt sich „Glennkill“ überaus schafsinnig auf den Spuren von Agatha Christie.
Die Figuren – ob menschliche Darsteller oder computeranimierte Schafe – sind durch die Bank skurrile Charakterköpfe, deren Stärken und Schwächen sich erst im Laufe der Handlung erschließen. Denn natürlich geht es nicht nur darum, den Tod von Schäfer George aufzuklären. Es geht auch um das Aufdecken von gut gehüteten Geheimnissen und das Überwinden von Ängsten, Selbstzweifeln und Vorurteilen.
Schafe in der Herde besser als alleine
Dass sowas am besten im Team funktioniert, es also auch um Freundschaft und Zusammenhalt geht, hat man so in der Art schon häufiger gesehen. Zuletzt etwa in den Paddington-Verfilmungen, die in Machart und Stil einiges an Inspiration geliefert haben dürften. Entsprechend ist „Glennkill“ eine liebenswert-schrullige und maximal familienfreundliche Krimikomödie mit Herz, Humor und tragischen Elementen.
Ein wenig mehr Wagemut beim Durchdrücken des Anarcho-Gaspedals wäre schön gewesen, schließlich hat „Minions“-Regisseur Kyle Balda Regie geführt. Aber einmal ist keinmal. Fortsetzung folgt bestimmt und die darf dann auch gern der Literaturvorlage etwas treuer bleiben.

