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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Der Staat als Panzerbauer? Debatte um Einstieg bei KNDS
Wirtschaft

Der Staat als Panzerbauer? Debatte um Einstieg bei KNDS

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 15. Mai 2026 10:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Offiziell heißt es bei dem Rüstungskonzern KNDS, man wolle im Laufe des Jahres an die Börse. Von Top-Managern des Unternehmens ist jedoch zu hören: Eigentlich strebe man diesen Schritt schon in diesem Sommer an. Bisher gibt es in der Politik aber noch keine Einigung in der Frage, mit welchem Anteil die Bundesrepublik künftig an dem Unternehmen beteiligt sein soll.

Inhaltsübersicht
KNDS als Hauslieferant der BundeswehrKippt das deutsch-französische Gleichgewicht bei KNDS?40 Milliarden Euro für Projekt „Arminius“Zehn Millimeter für die Zukunft der NatoKNDS: Nicht die erste Staatsbeteiligung in der Rüstungsindustrie

KNDS als Hauslieferant der Bundeswehr

Der international aufgestellte Rüstungskonzern ist aus Sicht der Politik nicht irgendein Unternehmen. Die hiesige Teil KNDS Deutschland – früher bekannt als Krauss Maffei-Wegmann (KMW) – mit Sitz in München stellt Panzer wie den Leopard 2 oder den Boxer her. Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Lieferanten der Bundeswehr und gilt als zentraler Baustein der nationalen Sicherheitsarchitektur.

Gleichzeitig ist KNDS Deutschland auch Teil einer deutsch-französischen Holding. Bisher herrscht dort bei der Eigentümerstruktur ein fein austariertes Gleichgewicht. 50 Prozent der Anteile am deutsch-französischen Mutterkonzern KNDS liegen beim französischen Staat, die andere Hälfte bei einer deutschen Eigentümerfamilie. Diese will sich allerdings im Rahmen des Börsengangs zurückziehen. Aus deutscher Sicht droht damit ein Verlust an Einfluss.

Kippt das deutsch-französische Gleichgewicht bei KNDS?

Bei Berliner Verteidigungspolitikern wird befürchtet, dass Paris die Kontrolle bei KNDS und damit auch bei einem der wichtigsten deutschen Rüstungsanbieter an sich ziehen könnte, sollte der deutsche Staat nicht ebenso viele Anteile erwerben und halten wie Frankreich nach dem Börsengang noch besitzt.

In informierten Kreisen ist von 40 Prozent die Rede. Da KNDS am Finanzmarkt mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet wird, müsste der Bund also ebenfalls 40 Prozent erwerben und damit bis zu acht Milliarden investieren. Danach wäre man aber auch Großaktionär eines Unternehmens, dessen Orderbücher auf Jahre prall gefüllt sind.

40 Milliarden Euro für Projekt „Arminius“

Im Tauziehen um KNDS geht es nicht nur um Machtdemonstrationen, sondern um ganz konkrete Milliardengeschäfte. So steht die Bundeswehr kurz vor einem der größten Aufträge ihrer Geschichte. Unter dem Projektnamen „Arminius“ will sie bis zu 3.000 Fahrzeuge auf Basis des Radpanzers Boxer bestellen.

Der Auftrag hat einen Wert von bis zu 40 Milliarden Euro, die sich auf Rheinmetall und eben KNDS Deutschland verteilen würden. Es gilt als ausgeschlossen, dass Berlin zulassen wird, dass einer der Auftragnehmer französisch dominiert ist.

Zehn Millimeter für die Zukunft der Nato

Ein weiterer deutsch-französischer Streitpunkt ist gerade einmal zehn Millimeter groß. Es geht um die Frage, welches Kaliber die Hauptkanonen zukünftiger Nato-Panzer haben sollen. Bisher sind 120 Millimeter üblich, etwa beim Leopard 2. Für die Zukunft soll es etwas mehr sein. Doch wieviel, das ist inzwischen eine Frage nationaler Rüstungsinteressen.

So setzt Deutschland mit dem Kanonenspezialisten Rheinmetall auf ein neues Kaliber von 130 Millimetern, das eine höhere Durchschlagskraft als bisher ermöglichen soll. Frankreich mit der dortigen KNDS-Tochter Nexter wiederum hätte gerne 140 Millimeter. Das aber würde wegen der Größe und des Gewichts der Munition völlig neu konstruierte Panzertürme bedeuten.

Unter Militärs gilt als sicher: Wer sich hier durchsetzt, der setzt für Jahrzehnte einen Standard und sichert sich Milliardeneinnahmen. Eine französisch dominierte KNDS würde aus Sicht vieler Experten hier eine Vorentscheidung zu Lasten der deutschen Industrie bedeuten.

KNDS: Nicht die erste Staatsbeteiligung in der Rüstungsindustrie

Ein Einstieg der Bundesrepublik bei KNDS wäre keine Premiere. Ähnliche Staatsbeteiligungen gab es bereits in der Vergangenheit. So existiert auch bei Airbus ein genau ausgemessenes Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich.

Außerdem ist der Bund auch Großaktionär beim bayerischen Radar-Spezialisten Hensoldt. Mit einem Anteil von nach Firmenangaben (externer Link) knapp über 25 Prozent hält der Staat hier eine sogenannte Sperrminorität und kann so verhindern, dass zum Beispiel ausländische Investoren zu viel Einfluss gewinnen. Auch bei diesen Beteiligungen argumentierte Berlin mit der Wahrung strategischer Interessen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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