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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Streit um sexistische Texte: „Schlager ist eine Parallelwelt“
Kultur

Streit um sexistische Texte: „Schlager ist eine Parallelwelt“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2026 14:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Manche Songs haben ihre natürliche Halbwertszeit, ihr Ablaufdatum“, so der Grazer Komponist und Musikproduzent Hannes Marold gegenüber dem BR zum Streit um vermeintlich provokante oder sexistische Schlagertexte: „Die Welt hat sich weitergedreht.“

Inhaltsübersicht
Empfehlung für Bergkirchweih löst Debatte aus„Sprache, die vorbei ist“„Was jetzt normal ist, war obszön“Peter Wackel: „Unmöglich und sehr peinlich“Expertin: „Warum wir mögen, wofür wir uns schämen“

Allerdings sehe er es „sehr kritisch, wenn Musik dazu verwendet werde, um Politik zu machen“: „Der Schlager ist ja eine Parallelwelt, in die man am Wochenende reinhüpft, wenn man Spaß haben und laut mit grölen will. Das hat ja nichts mit politischen Positionierungen zu tun.“

Empfehlung für Bergkirchweih löst Debatte aus

Zuletzt hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen für Aufregung gesorgt, weil sie in einem Schreiben an die Wirte der Bergkirchweih darum gebeten hatte, zwölf Lieder „aufgrund frauenfeindlicher Inhalte“ oder „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ nicht spielen zu lassen, darunter „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang. Auch Hits von Mickie Krause („10 nackte Friseusen“) und Mirja Boes („20 Zentimeter“) gehören dazu.

„Sprache, die vorbei ist“

„Na klar, es gibt halt in unserer Branche Texter, die das schon jahrzehntelang machen und dementsprechend ein fortgeschrittenes Alter haben“, so Hannes Marold durchaus selbstkritisch: „Unsere Zielgruppe gerade im Pop-Schlager sollte schon etwas jünger sein. Gewisse Phrasen und Wörter sind nicht mehr im Wortschatz der Jugend oder der Gesellschaft enthalten. Das ist einfach eine Sprache, die vorbei ist.“

Als Beispiele für Songs, über die der Zeitgeschmack und die gesellschaftliche Entwicklung hinweggegangen ist, nennt Marold „Ich will keine Schokolade“ von Trude Herr („Ich will lieber einen Mann, der mich um den Finger wickeln kann“), auch „Lieschen, Lieschen“ von den Alpenrammlern spiele er mit seiner Band schon seit Jahren nicht mehr: „Obwohl, wenn ich drüber nachdenke, es wahrscheinlich ein Super-Song wäre.“

„Was jetzt normal ist, war obszön“

Dagegen habe sich „YMCA“ als einstige Hymne der schwulen Subkultur in New York nach seiner Erfahrung als Bandleader völlig von der ursprünglichen Bedeutung gelöst und sei als Partyhit ungebrochen aktuell: „Das, was jetzt normal ist, war vielleicht vor fünfzig Jahren obszön oder umgekehrt. Ich kann verstehen, dass jemandem etwas nicht gefällt, aber das ist eine persönliche Meinung, die jeder haben kann. Wenn ich eine Empfehlung abgebe, etwas nicht zu spielen, provoziere ich ja, dass die erst recht gespielt werden.“

Generell beobachtet Marold, der Schlagersänger bei der Karriereplanung berät, keinen erhöhten Druck auf die politische Korrektheit von Song-Texten.

Peter Wackel: „Unmöglich und sehr peinlich“

Im Streit um die Song-Liste der Erlanger Gleichstellungsstelle hatten sich zahlreiche Schlagerstars zu Wort gemeldet. Günther Sigl von der Spider Murphy Gang hatte geklagt, der „Skandal im Sperrbezirk“ werde immer wieder „missverstanden“: „Die Stadt [München] wollte sich für Olympia sauber präsentieren. Natürlich ist unser Text ein bisschen ironisch und stichelt gegen die Doppelmoral in der Stadt.“ Nach der Veröffentlichung 1981 wurde der Song von Radiosendern zeitweise boykottiert.

„Ich finde es wirklich ein Unding gerade in der heutigen Zeit“, sagte der in Erlangen geborene Mallorca-Sänger Peter Wackel in einem TV-Interview zu den Vorgängen in seiner Heimatstadt: „Da meint man wirklich, die Erlanger sind jetzt die großen Moralapostel. Ich finde es unmöglich und sehr peinlich, solche Verbote.“

G.G. Anderson („Nein heißt Ja“) zeigte sich ebenfalls ungehalten: „Mit der Lupe in Schlagertexten nach Unstimmigkeiten Ausschau zu halten, bringt betroffenen Frauen gar nichts.“ Eine „bierernste Zensur-Mentalität“ sei „vollkommen kontraproduktiv“: „Die Behörde schießt sich doch selbst ins Knie.“

Expertin: „Warum wir mögen, wofür wir uns schämen“

In den vergangenen Jahren hatten verschiedene Songs aus unterschiedlichen politischen Gründen jeweils Debatten ausgelöst, darunter „Layla“ und „L’Amour Toujours“. Musikwissenschaftlerin Marina Forell, Herausgeberin des Buchs „Das verdächtig Populäre in der Musik: Warum wir mögen, wofür wir uns schämen“, hatte bereits 2022 in einem Interview mit dem „Generalanzeiger“ [externer Link] darauf hingewiesen, dass umstrittene Stimmungslieder wie „Layla“ Teil eines „gebuchten Exzesses“ seien, wie er zu Mallorca oder zu Après-Ski-Partys gehöre: „Meiner Meinung nach ist es nicht Cancel Culture, wenn man versucht, 50 Prozent der Menschheit mit Respekt zu behandeln und nicht wie ein Stück Fleisch.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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