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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Neue Studie überrascht: Hummeln sind intelligenter als gedacht
Wissen

Neue Studie überrascht: Hummeln sind intelligenter als gedacht

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 12. Juni 2026 16:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Können Hummeln spontan Probleme lösen, ohne das vorher trainiert zu haben? Das wollten der Verhaltensökologe Olli Loukola und sein Team von der Universität im finnischen Oulo herausfinden. Für ihre Studie (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) tüftelten sie lange an einem Versuchsaufbau, mit dem sich das testen lässt. Dieser ist angelehnt an ein Experiment, das der Psychologe Wolfgang Köhler vor über hundert Jahren an Schimpansen durchführte: Die Affen sollten Kisten stapeln, um an Bananen oben an der Decke außerhalb ihrer Reichweite zu kommen. Die Hummeln mussten dagegen einen kleinen Styroporball als Leiter benutzen, um an eine künstliche blaue Blume mit Zuckerlösung zu kommen. Zu dieser hinfliegen konnten sie nicht. Dafür war der Versuchsraum zu niedrig.

Inhaltsübersicht
Intelligentes Handeln oder Spielverhalten?Hummeln lieben es, Bälle zu rollenHindernisparcours für die dicken BrummerHummeln als Modellsystem?Loukola: Wir müssen unser Weltbild überdenken

Intelligentes Handeln oder Spielverhalten?

Doch zuerst mussten die Hummeln zwei Dinge lernen: erstens, dass bei der Farbe Blau eine Belohnung auf sie wartete, und zweitens, dass der kleine Styroporball, der in der Versuchsanordnung lag, für sie ungefährlich war und sie ihn bewegen konnten. Hummeln haben nämlich oft „Neophobie“, also Angst vor Neuem.

Zur Überraschung von Olli Loukola und seinem Team lösten mehr als 70 Prozent der Hummeln die ihnen gestellte Aufgabe. Im ersten Moment seien die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begeistert gewesen. Sie nahmen an, die Beobachtungen würden genügen, um ihre Ergebnisse als Studie zu publizieren. Doch dann seien ihnen schnell Zweifel gekommen, erinnert sich Loukola: Denn was wäre, wenn das Beobachtete einfach nur Spielverhalten war?

Hummeln lieben es, Bälle zu rollen

„Wir wissen, dass Hummeln es lieben, Bälle zu rollen. Wenn man ihnen einen Ball anbietet, fangen sie irgendwann an, ihn zu rollen und damit zu spielen – auch ohne Belohnung“, erklärt Verhaltensökologe Olli Loukola. Eine alternative Interpretation war also: Das Verhalten der Hummeln könnte von Spielverhalten und dem visuellen Reiz der blauen Farbe gesteuert sein. Sie lösen die Aufgabe also, ohne sie wirklich zu verstehen.

Hindernisparcours für die dicken Brummer

Also bauten Verhaltensökologe Olli Loukola und sein Team insgesamt drei verschiedene Parcours, um die Hummeln vor immer schwierigere Aufgaben zu stellen. So mussten sie etwa die Bälle aus anderen Räumen holen, um damit die blaue Blume zu erreichen. Das bedurfte einiger Vorplanung der Hummeln. Die Studienautoren und -autorinnen sind sich darum sicher: „Alle diese Experimente zusammen zeigen: Das Verhalten der Hummeln ist wirklich spontan und zielgerichtet, es ist keine zufällige Ballbewegung,“ betont Loukola.

Hummeln als Modellsystem?

Der Biologe und Insektenforscher Lars Chittka (externer Link) von der Queen Mary University in London untersucht seit vielen Jahren die kognitiven Fähigkeiten von Bienen und Hummeln. Er hat unter anderem herausgefunden, dass sie lernen können, zu zählen, Werkzeuge zu benutzen und Fußball zu spielen. Ihn beeindrucken die Ergebnisse der Studie. Seine Faszination für Hummeln ist ungebrochen: „Die Forschung an diesen Tieren ist schon sowas wie ein Zauberbrunnen. Aus jedem neuen Kenntnisgewinn, jedem neuen Experiment ergeben sich zehn neue Fragen.“ Hummeln könnten als Modellsystem für bioinspirierte Robotik dienen, also wenn Maschinen biologische Systeme oder Verhaltensweisen nachahmen.

Auch Anna Stöckl, Juniorprofessorin für Neurobiologie und Verhalten an der Universität Konstanz, die zur Entscheidungsfindung von Hummeln (externer Link) geforscht hat, ist sicher: Die finnische Studie zeigt zusammen mit der Insektenforschung der letzten Jahre eindeutig, dass Insekten ganz klar Intelligenz besitzen. Das habe man ihnen lange nicht zugestanden.

Loukola: Wir müssen unser Weltbild überdenken

Für Olli Loukola eröffnet die Studie eine neue Perspektive auf die Intelligenz von Tieren. Die Hummeln zeigten, dass es nicht unbedingt große Gehirne oder Hunderte von Millionen Neuronen erfordere. „Hummeln haben weniger als eine Million Neuronen in ihren Gehirnen und können trotzdem sehr komplexe Aufgaben lösen,“ so Olli Loukola. Als Nächstes möchte er untersuchen, ob Hummeln auch in der Lage sind, kompliziertere Werkzeuge zu verwenden, und, ob sich anhand von kleinsten Gesten feststellen lässt, ob Hummeln so etwas wie einen Aha-Moment erleben können.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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