Fischbiologe Prof. Jürgen Geist von der TU München prüft mit einem Bohrkern die Zusammensetzung des Flussbettes in der Moosach in Freising. Auch wenn es zunächst nicht danach klingt, überprüft er damit Auswirkungen des Klimawandels. „Das Gewässerbett ist ja ein ganz entscheidender Lebensraum für viele kieslaichende Fischarten, die dort ihre Eier ablegen“, erklärt der Wissenschaftler. Die Bodenprobe zeigt, was der Biologe immer mehr in Flussoberläufen beobachtet. Zwischen den Kieselsteinchen sollten eigentlich Lücken und Freiräume sein, in die die Fischeier beim Laichvorgang eindringen können. „Wir sehen aber jetzt hier zwischen diesen Lücken diese Verschlammung, dieses Feinsediment, das hier eingetragen wird“, erklärt der Biologe.
Fischeier haben schlechtere Überlebenschancen
Durch den feinen Sand in den Lücken geht der Raum für die Fischeier zunehmend verloren. Außerdem bleibt das Wasser in den Zwischenräumen stehen und wird nicht mehr mit dem Flusswasser durchmischt. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt in den Lücken. Die Fischeier können schlechter überleben. „Dann haben alle Arten, die einen sehr hohen Sauerstoffbedarf haben, ein Problem. Dazu gehören die Eier von Äsche, Bachforelle und Huchen„, so Geist.
Wassermengen durch die Schneeschmelze fehlen
Starkregenereignisse, die durch den Klimawandel häufiger vorkommen, spülen Schlamm aus der Umgebung in die Gewässer. Dazu kommt: Normalerweise wird der Fluss bei der Schneeschmelze durch große Wassermengen regelrecht durchgespült und das Flussbett vom Feinsediment befreit. Fällt insgesamt weniger Schnee, bleibt dieser Effekt im Frühjahr aus. Trotzdem ist es schwierig, die Entwicklungen bei den Fischbeständen rein auf den Klimawandel zurückzuführen. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle.
Sauerstoffgehalt in den Seen leidet unter kürzerer Kältephase im Winter
Für große Seen ist die Zeit im Winter wichtig, in der das Wasser an der Oberfläche genauso kalt ist wie in der Tiefe, denn dann durchmischen sich die Wasserschichten und tauschen Sauerstoff aus. Das findet immer weniger statt, der Sauerstoffgehalt leidet. Das beobachtet etwa Berufsfischer Florian Kirchmeier im Chiemsee: „Dieser Zeitraum der Temperaturgleichheit von vier Grad an der Oberfläche und in der Tiefe wird immer enger und der See hat immer weniger Zeit, sich aufzutanken.“
Geringere Fangmengen: Kaum allein dem Klimawandel zuzuordnen
Der wichtigste Fisch für die Chiemseefischer ist die Renke. In den letzten Jahren wurden die Fangmengen im Chiemsee immer kleiner. Wahr ist aber auch: In den 90er-Jahren war es noch viel schlechter. Damals lag es am Nährstoffgehalt im See. Ob die Fangmengen aktuell wegen der Erwärmung zurückgehen, lässt sich schwer sagen. Trotzdem macht sich der Fischer Sorgen: „Das Klima wird uns in Zukunft Probleme machen, schleichend.“
Waller: Gewinner des Klimawandels
Während sich die einen Arten immer schwerer tun, fühlen sich andere Arten bei höheren Wassertemperaturen zunehmend wohl, erklärt Fischbiologe Jürgen Geist. Der Klimawandel sei angekommen in den Gewässern: „Wir sehen das an der Verschiebung bei der Fischfauna.“ Vor allem Generalisten, die wenig Ansprüche haben und mit unterschiedlichen Bedingungen klarkommen, profitieren. Prominentestes Beispiel: der Waller oder auch Wels. Seine Nachkommen überleben besser und die Exemplare des Raubfisches werden auch immer älter und größer. Andere Arten haben da deutlich weniger Spielraum oder brauchen es besonders während der Laichzeit ausreichend kühl.
Einflüsse verstärken sich gegenseitig
Die Untersuchungen von Jürgen Geist zeigen aber auch: Die negativen Effekte für einige Fischarten wie die Verschlammung des Flussbettes und höhere Temperaturen summieren sich nicht nur, sie verstärken sich sogar gegenseitig. Denn wärmeres Wasser kann noch einmal zusätzlich weniger Sauerstoff speichern.

