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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Erziehungsrat von der KI: Wie eine Studie über Eltern urteilt
Netzwelt

Erziehungsrat von der KI: Wie eine Studie über Eltern urteilt

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 24. Juni 2026 12:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Warum schreit mein Baby so viel? Wie können wir unserem Kind gegen Mobbing in der Schule helfen? Solche Fragen stellen sich viele Eltern. Bis zum Launch von ChatGPT dürfte für viele Google ein erster Ratgeber gewesen sein, seither fragen sie zunehmend KI-Bots.

Inhaltsübersicht
Wie nutzen Eltern KI im Alltag?Der Kontext macht die Antwort: Wann KI Eltern helfen kannInterpretation der Studien-Zahlen: Nicht ganz eindeutigSchätzen Eltern die Fähigkeiten von KIs falsch ein?Die meisten Eltern bevorzugen menschlichen RatEltern in der öffentlichen Dauer-Beurteilung

Wie nutzen Eltern KI im Alltag?

KI und Erziehung, dieses Thema hat die Krankenkasse Pronova BKK in einem Teil ihrer Studie „KI im Alltag“ (externer Link) untersucht. Knapp 3.500 Menschen nahmen teil, gut 2.000 von ihnen leben mit Minderjährigen in einem Haushalt. Etwa 60 Prozent dieser Befragten haben schon mal einen Chatbot für Erziehungsfragen genutzt. 80 Prozent machten dabei gute bis sehr gute Erfahrungen. Woran das liegt, danach haben die Studienautoren nicht gefragt – wie auch andere Details, die zur Einordnung wichtig gewesen wären.

Der Kontext macht die Antwort: Wann KI Eltern helfen kann

Aber hilft es Eltern überhaupt, sich bei einer KI Rat zu holen? Es kommt, wie so oft bei KI-Bots, auf den Kontext an.

Chatbots beziehen ihr Wissen aus dem Web: aus Artikeln von Forschungseinrichtungen, Ärzten und journalistischen Gesundheits-Artikeln genauso wie aus Populär-Ratgebern und den Erfahrungswerten anderer Eltern in Foren wie Reddit. Sie gewichten ihre Antworten nach Wahrscheinlichkeiten. Je nach Modell, Denkaufwand und Prompt fallen die Antworten differenzierter aus. Zu vielen Gesundheitsfragen erklären ChatGPT, Gemini, Claude und Co. zudem, dass sie eine KI sind und den Besuch bei einem Erziehungsberater, Arzt oder Psychotherapeuten nicht ersetzen können.

Ein Beispiel: Wer sein Standard-Modell fragt, warum ein Baby viel schreit, erhält eine pauschale Antwort – zumindest mit ersten Hinweisen auf die Ursachen. Wer dagegen ein starkes Reasoning-Modell fragt, warum ein Neugeborenes viel schreit, zudem die KI bittet, sich nur auf medizinische Fachartikel zu stützen und diese zu verlinken, erhält eine erheblich differenziertere Antwort. Sie kann den Eltern helfen, die wochenlange Wartezeit bis zum Termin in der Schreiambulanz zu überstehen.

Interpretation der Studien-Zahlen: Nicht ganz eindeutig

Dass solche Antworten falsche Ratschläge enthalten können, ist offenbar den meisten Eltern klar. Der Großteil (57 Prozent) überprüft sie teilweise. In welchen Fällen, sagt die Studie nicht. Dabei wäre genau das wichtig. Banale Antworten wie „vielleicht hat dein Baby Hunger“ muss niemand prüfen. Ist das Problem aber ernster oder hätte der Ratschlag gravierende Folgen für das Kind, ist durchaus eine Prüfung angesagt. Rund ein Drittel der Eltern prüft die Antworten immer, nur 7 Prozent übernehmen die Ratschläge ungeprüft.

Die Pronova BKK ordnet die Zahlen anders ein. Kernaussage sei: „Knapp zwei Drittel (der Eltern) überprüfen die KI-generierten Erziehungsratschläge nur manchmal oder nie.“ Bemerkenswerter sei, so eine Sprecherin, dass viele Eltern nur teilweise oder nie gegencheckten. Weil eine KI nichts fühle, sei das „eher fahrlässig“.

Schätzen Eltern die Fähigkeiten von KIs falsch ein?

Fahrlässig wirkt in der Tat dieses Studienergebnis: 41 Prozent der Befragten mit Minderjährigen im Haushalt finden, eine KI könne Kindern „Moral und soziale Werte wie Respekt, Fairness oder Empathie“ besser vermitteln als Eltern oder Freunde. Die Pronova-BKK-Familienpsychologin Nina Grimm erklärt das mit Eltern, die unsicher, zweifelnd und überlastet seien, besonders hohe Ansprüche an ihre Erziehung hätten und Angst, etwas falsch zu machen. Dass sie dann eine KI fragten, sei eine krasse Fehleinschätzung dessen, was KI leisten könne.

Die meisten Eltern bevorzugen menschlichen Rat

Daran knüpft eine weitere Interpretation der Kasse an: „Knapp ein Viertel der Mütter und Väter würde eine KI-basierte Erziehungsberatung dem Besuch vor Ort vorziehen“. 18 Prozent gaben an, „eher“ die KI zu bevorzugen, fünf Prozent sogar „auf jeden Fall“ – zusammen fast ein Viertel. Das sei beachtlich, so die Pronova BKK.

Die Zahlen lassen aber auch eine umgekehrte Lesart zu: Die überragende Mehrheit von 77 Prozent würde die Beratungsstelle vor Ort „auf jeden Fall“ (33 Prozent) oder „eher“ (44 Prozent) vorziehen.

Eltern in der öffentlichen Dauer-Beurteilung

Vielleicht müssen sich die Pronova BKK und unsere Gesellschaft auch fragen lassen, warum viele Eltern angesichts solcher Studien-Interpretationen und öffentlicher Urteile über ihr Verhalten, ihre Fähigkeiten und ihr Verantwortungsbewusstsein zunehmend verunsichert sind und anonymen Rat bei einer KI suchen – die sie nicht verurteilt, sondern sachlich Lösungen anbietet.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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