Handyverbote an Schulen, Mindestalter für Chatbots, sichere Designs und Voreinstellungen: Die Expertenkommission der Bundesregierung empfiehlt ein umfangreiches Paket zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt. Am Mittwoch übergaben die Expertinnen und Experten ihre 56 Empfehlungen an Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU).
Mit Blick auf ein seit Monaten diskutiertes Social-Media-Verbot bis zu einem bestimmten Alter legt sich die Kommission nicht fest, sondern schlägt zwei mögliche Alternativen vor: ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren mit abgestuften Schutzvorkehrungen für Jugendliche bis 18 Jahre oder eine vom jeweiligen Risiko abhängige Altersbeschränkung einzelner Dienste oder Funktionen.
Kommission empfiehlt KI-Chatbots erst ab 13
In beiden Fällen sollte sich die Bundesregierung aus Sicht der Experten für eine europäische Regelung einsetzen. Gleiches gelte für ein Mindestalter für die Nutzung sogenannter KI-Begleiter und Chatbots. Sie könnten insbesondere verletzliche Kinder und Jugendliche in eine emotionale Abhängigkeit bringen. Hier empfiehlt die Kommission klar eine Altersgrenze von 13 Jahren. Anbieter müssten zudem zu einer zuverlässigen Altersprüfung verpflichtet werden.
Prien sprach sich dafür aus, Soziale Medien grundsätzlich erst ab 13 Jahren zu erlauben. In Verbindung mit einer wirksamen Altersüberprüfung und abgestuften Schutzvorkehrungen für Jugendliche bis 18 Jahre sei das der richtige Weg. „Ich setze mich dafür ein, dass uns eine europäische Lösung gelingt“, sagte Prien.
Plattformanbieter in Verantwortung nehmen
Die Ministerin griff auch die Empfehlung der Kommission auf, für Kinder unter 13 Jahren nur nachweislich kindgerechte und ungefährliche Angebote zu erlauben. Plattformanbieter seien zudem in die Verantwortung zu nehmen, damit digitale Dienste von Anfang an sicherer und kindgerechter gestaltet werden.
„KI-Seepferdchen“ und Smartphone-Verbote
Die Kommission rät außerdem zur Stärkung der Medienkompetenz unter anderem durch ein „KI-Seepferdchen“ für Kinder im Grundschulalter. An Schulen soll die private Nutzung von Smartphones, Smartwatches und anderen digitalen Endgeräten bis einschließlich zur siebten Klasse bundesweit einheitlich verboten werden. Zu den Empfehlungen gehören auch Beratungsangebote für Eltern, mehr Medienbildung, mehr Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche und eine bessere Bekämpfung von digitaler sexualisierter Gewalt.
Der Co-Vorsitzende der Kommission, Olaf Köller, sagte, Heranwachsende benötigten klare Rahmenbedingungen und Regeln, die zu ihrer Entwicklung passten und sie sicher im Netz navigieren ließen. „Nicht das Kind muss sich an die digitale Welt anpassen, sondern die digitale Welt an das Kind.“ Kinder aus der digitalen Welt auszusperren, sei kein Schutz.
An den Empfehlungen mitgewirkt haben unter anderem Medien- und Bildungsforscher, Mediziner sowie Experten aus der Praxis. In Workshops wurden auch Kinder und Jugendliche beteiligt.
Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sprach sich im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gegen ein pauschales Verbot Sozialer Medien für Kinder und Jugendliche aus. Ein solches Verbot greife unterschiedslos in die Lebenswelt junger Menschen ein und könne digitale Mündigkeit eher verzögern als fördern, erklärte der Sozialwissenschaftler. Nötig sei stattdessen eine Präventionsstrategie aus „Begrenzen, Begleiten und Befähigen“.
Mit Informationen der KNA

