Karina Chumpi ist für ihren Job im ganzen Land unterwegs, denn sie ist zuständig für das gesamte Amazonasgebiet in Ecuador. Manchmal sind es tagelange Märsche durch den Dschungel oder Fahrten mit dem Boot in abgelegene Siedlungen. Sie hält den Kontakt zu den indigenen Bewohnern des Waldes und ist Ansprechpartnerin für alle regionalen Umweltwächter der unterschiedlichen Gemeinden. Mit ihnen beobachtet und dokumentiert sie Störungen im Wald: Verschmutzungen der Flüsse beispielsweise, illegale Rodungen oder Goldgräber.
Daten sammeln für den Amazonas-Wald
Für ihre Arbeit nutzen die indigenen Umweltwächterinnen und Umweltwächter Kartierungsprogramme, GPS und Drohnen. Sie sind für ein professionelles Umweltmonitoring ausgebildet, messen, filmen und fotografieren. Und sie leiten die erhobenen Daten an die Behörden und ihre indigenen Verbände (externer Link) weiter, die sie aufbereiten und veröffentlichen.
Die indigenen Gemeinschaften möchten so ihr Recht auf Mitverwaltung ihrer Territorien nutzen und eine stärkere Umweltpolitik zum Schutz der Wälder entwickeln. Insbesondere in Ecuador können die Daten auch vor Gericht nützlich sein, denn hier können seit 2008 Prozesse im Namen der Natur geführt werden.
Das Wissen der Indigenen nutzen
Die indigenen Umweltwächter messen aber nicht nur und dokumentieren, erzählt Karina Chumpi dem BR. Sie nutzen auch ihr traditionelles Wissen über den Wald und seine Bewohner. Sie beobachten den Wald vor Ort, fühlen und sehen Veränderungen, erklärt sie. Dieses kombinierte Wissen aus traditionellen Waldkenntnissen und moderner Technik macht ihre Arbeit für das Waldmonitoring so wertvoll.
Indigene Umweltwächter zu Gast in München
Drei der indigenen Umweltwächter sind jetzt zum Wissensaustausch zu Gast in München, eingeladen von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Sie haben ein volles Programm: Sie besuchen Schulen, treffen sich mit anderen Umweltmonitoring-Fachleuten, erklären ihre Arbeit und Sichtweisen und werben dafür, den Wald besser zu schützen.
Karina Chumpi, José Vargas und Marlene Piñarreal haben auch hier in Bayern Wälder besucht und sind in der Isar gewatet. Mit der Isar habe er eine besondere Verbindung empfunden, erzählte Vargas dem BR, obwohl er noch nie einen so kalten Fluss gefühlt hätte.
Das indigene Naturverständnis erforschen
Die Forschenden des Sonderforschungsprojektes Vigilanzkulturen (externer Link), die die drei Umweltwächter eingeladen haben, interessieren sich besonders dafür, wie die Indigenen den Wald sehen. Das sei vollkommen anders als bei uns, erklärt Anna Meiser, Professorin für interkulturelle Kommunikation: „Sie betonen immer, dass der Wald die Grundlage der physischen, aber auch der kulturellen Existenz ist.“ Der Wald sei sowohl Marktplatz für alles, was man brauche, als auch Universität.
Aber auch ihr sozialer Raum mit allem, was darin lebt – inklusive verstorbener Vorfahren. „Man interagiert mit dem Wald, wie man vielleicht mit einem Bruder oder einer Schwester interagieren würde“, sagt Meiser.
Bergbauunternehmen als Auftraggeber
Marlene Piñarreal, Umweltwächterin am Urubambafluss in Peru, ist von einem Bergbauunternehmen beauftragt. Denn für die Unternehmen ist kontinuierliches Umweltmonitoring (externer Link) gesetzlich vorgeschrieben. Für das gasfördernde Unternehmen (externer Link) misst sie beispielsweise die Wasser- und Bodenqualität in der Region um eine Gasförderungsanlage. Sie hat auch schon Lecks in den Gasleitungen entdeckt.
Ihre Daten gebe sie auch an die beteiligten indigenen Verbände weiter, erzählt Piñarreal dem BR. So werden die dokumentierten Bedrohungen für den Wald sichtbar gemacht – auch auf globaler Ebene: Für internationale Organisationen und auf Konferenzen können die Informationen der Umweltwächter eine Grundlage für Diskussionen sein.

