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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Piusbruderschaft: Bischofsweihe gegen den Willen des Papstes
Kultur

Piusbruderschaft: Bischofsweihe gegen den Willen des Papstes

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 1. Juli 2026 11:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Seit sechs Jahren leitet Pascal Schreiber das Priesterseminar Herz Jesu im oberpfälzischen Zaitzkofen bei Regensburg. Es ist das einzige Priesterseminar in Deutschland der weltweit aktiven Piusbruderschaft. Jetzt wartet auf den 53-Jährigen eine neue Aufgabe: Heute, am 1. Juli, soll er im schweizerischen Écône zu einem von vier neuen Bischöfen der Piusbrüder geweiht werden – gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes. Denn die 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Piusbruderschaft lehnt die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils der 1960er-Jahre strikt ab und hält unter anderem an der lateinischen Messe fest.

Inhaltsübersicht
Kommt es zu einem Schisma, einer Kirchenspaltung?„Es ist ein offener Akt des Ungehorsams gegenüber den Papst“Problem der Piusbrüder: Ohne Bischöfe können sie keine neuen Priester weihen

Kommt es zu einem Schisma, einer Kirchenspaltung?

Im April sagte Pascal Schreiber dem BR: „Wir wollen jetzt nicht bewusst eine Verurteilung riskieren. Das Ziel ist, dass Rom eigentlich diese Bischofsweihen absegnen würde.“ Danach wollte sich Schreiber nicht mehr öffentlich äußern. Die Bischofsweihen der Piusbrüder sind schließlich ein Kirchenpolitikum.

Papst Leo XIV. hat den Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, nun aufgerufen, auf die für diesen Mittwoch vorgesehene Bischofsweihe zu verzichten. „Ich bitte euch und fordere euch von ganzem Herzen auf: Kehrt um!“, schreibt der Papst in einem Brief, den der Vatikan am Dienstag veröffentlicht hat. Datiert ist der Brief aus dem Vatikan auf den 29. Juni 2026.

„Es ist ein offener Akt des Ungehorsams gegenüber den Papst“

Wolfgang Beinert ist emeritierter Professor für katholische Dogmatik an der Universität Regensburg. In den 1960er-Jahren hat er als angehender Priester in Rom miterlebt, was später zur Gründung der Piusbruderschaft geführt hat: das Zweite Vatikanische Konzil. „Sie sind nicht legitim, sie widersprechen dem Kirchenrecht und sie sind ein offener Akt des Ungehorsams gegen den Papst“, sagt er. Im Zweiten Vatikanum hatte man eine Neuordnung der Liturgie beschlossen. Doch das sei nicht der eigentliche Grund, so der Dogmatiker. „Die Piusbrüder haben wichtige konziliare Beschlüsse wie Religionsfreiheit oder Ökumenismus abgelehnt und die für nicht katholisch gehalten. Damit stellen sie sich außerhalb der Kirche.“

Problem der Piusbrüder: Ohne Bischöfe können sie keine neuen Priester weihen

Die geplante Bischofsweihe ist für die Piusbrüder wichtig. Denn ohne Bischöfe können die Piusbrüder wiederum keine neuen Priester weihen – und ohne Priester können sie keine Gottesdienste feiern. Deshalb hatte der damals schon 82-jährige Erzbischof Lefebvre 1988 Bischöfe für seine Priestergemeinschaft geweiht – trotz fehlender Erlaubnis des Papstes.

Johannes Paul II. exkommunizierte daraufhin Lefebvre und seine vier neuen Bischöfe. Jahrzehnte später nahm Benedikt XVI., der Papst aus Bayern, ihren Ausschluss aus der Kirche zurück – in der Hoffnung auf Versöhnung mit den Piusbrüdern. „Papst Benedikt hat die Exkommunikation der traditionalistischen Bischöfe der Piusbruderschaft aufgehoben – ohne diese Aufhebung klipp und klar an die Anerkennung des Zweiten Vatikanums und zwar des gesamten Textkorpus zu binden“, sagt der Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück. Aus seiner Sicht könnte sich mit den heutigen Bischofsweihen nun die Geschichte wiederholen: „Johannes Paul II. hat direkt, nachdem die unerlaubten Bischofsweihen 1988 erfolgt sind, den schismatischen Akt rechtlich festgestellt, das heißt also Exkommunikation.“ Und das müsse Leo XIV. eigentlich auch tun, aus Loyalität zu seinem Vorgänger, meint der Dogmatiker Tück.

In jedem Fall wird der Vatikan sehr genau hinschauen, was heute in Écône in der Schweiz passiert. Wenn Pascal Schreiber aus der Oberpfalz und die anderen Kandidaten geweiht werden, haben die Piusbrüder vier neue – also insgesamt sechs Bischöfe. Denn von den 1988 Geweihten leben nur noch zwei.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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