„Wir haben ein heißes Programm und es wird auch sehr heiß.“ Christoph Gröner, Leiter des Filmfests München, hatte nicht übertrieben. In diesem Jahr gab es auf dem Festival mehr Weltpremieren als früher, insgesamt 45 aus 56 Ländern. Da machte es auch nichts, dass das 43. Filmfest München mit Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad kämpfte.
Das Sommerfestival, es machte seinem Namen alle Ehre. Der andere große Konkurrent, die Fußball-Weltmeisterschaft, trat mit dem Ausscheiden Deutschlands schon am Montagabend ab. Und die Fans kamen. Julia Weigl, künstlerische Leiterin, und Christoph Gröner strahlten bei der Preisverleihung am vergangenen Samstag: „Die Kinos waren so voll und das ist natürlich das, was uns immer am allermeisten begeistert. Egal, wo wir waren, gab es ein Publikum, das interessiert auf die Filme blickte, sie mit uns entdecken wollte.“
Weltstars an der Isar
Kein Festival ohne Stars, und die flanierten ab dem ersten Tag über den Roten Teppich: Sandra Hüller, Elyas M’Barek, Jella Haase, Katharina Thalbach, Birgit Minichmayer, Rapperin Sabrina Setlur. Und auch große Hollywood-Prominenz: David Duchovny, als Agent Fox Moulder in der Serie „Akte X“ zu Weltruhm aufgestiegen, besuchte München das erste Mal in seinem Leben. „Ich mag die Stadt wirklich. Ich kann zwar nicht behaupten, schon allzu viel von ihr gesehen zu haben, aber ich fühle mich hier sehr wohl. Sie ist wunderschön, grün, ruhig und sauber.“
Für sein kreatives, vielseitiges Schaffen verlieh ihm das Filmfest München den CineMerit. „Es macht mich demütig. Ich darf etwas tun, das ich absolut liebe – und wenn dann jemand auf das zurückblickt, was ich so gemacht habe, und das schätzt, dann bedeutet mir das viel.“
Und er war nicht der einzige internationale Star heuer an der Isar: Toni Servillo, italienischer Weltstar wurde ebenfalls mit einem CineMerit geehrt. Und der spanische Regisseur Pedro Almodóvar kam das erste Mal seit 20 Jahren wieder nach Deutschland, im Gepäck sein neuer Film „Bitteres Fest“ – im Mittelpunkt ein Regisseur mit Schreibblockade. Der 76-Jährige zeigte sich am roten Teppich besonders Fan-nah und denkt noch lang nicht ans Aufhören: „Wenn ich keine Filme machen würde, wäre ich ein sehr unglücklicher Mensch. Insofern ist das Filmemachen eine großartige Therapie. Aber ich tue es nicht mit dieser Absicht.“
Eine deutsche Komödie sticht heraus
Ein Film stach dann doch etwas aus dem großen Angebot heraus, und das ist die deutsche Komödie: „Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes und Amir“. Im Mittelpunkt Katharina Thalbach als Seniorin, die noch mal ausbricht aus der Tristesse ihres einsamen Daseins. Eine auf Tatsachen beruhende, warmherzige Geschichte, die dann auch den Publikumspreis gewann. „Wir haben so viel Wärme in diesen Film gegeben, und dass das jetzt vom Publikum zurückkommt – großartig! Und es waren schon zwei unfassbar tolle Screenings, die wir hier auf dem Filmfest München hatten. Ich weiß nicht, ob ich sowas jemals noch mal erleben werde“, sagt Regisseurin Helena Hufnagel.
Hinter München liegt eine wirklich spannende, bewegende Filmwoche. Und eine Woche des Miteinanders, wo die Fans auch ihren Idolen nah sein konnten. „Unsere Mission, ein Festival der Entdeckungen zu sein, haben wir alle gemeinsam als Publikum für Kino einfach in dieser Woche gelebt und das freut uns wahnsinnig“, sagte Festivalleiter Christoph Gröner.

