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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Schwächung der Demokratie? Unternehmen in Deutschland in Sorge
Wirtschaft

Schwächung der Demokratie? Unternehmen in Deutschland in Sorge

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 6. Juli 2026 14:48
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Deutschland drohen nach Einschätzung vieler Unternehmen unruhige Zeiten. Wie aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung (externer Link) hervorgeht, befürchtet ein Großteil der befragten Firmen eine Schwächung der Demokratie. Sorge bereitet demnach vor allem ein Vertrauensverlust in demokratische Institutionen. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen sehen darin eine echte Gefahr. Aber auch gesellschaftliche Polarisierung und wirtschaftliche Schwäche werden als Risiko aufgefasst.

Inhaltsübersicht
Firmen werten Demokratie als Grundlage für wirtschaftlichen ErfolgJeder dritte Betrieb durch gesellschaftliche Spaltung beeinträchtigtEngagement für Vielfalt vor staatlichen AufträgenDemokratische Entscheidungsprozesse oft zu langsam

Firmen werten Demokratie als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg

Der Studie zufolge wissen Betriebe, was sie an der Demokratie haben: Die große Mehrheit von 93 Prozent der befragten Unternehmen betrachtet Demokratie als zentrale Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens. Klare Standortvorteile in Deutschland seien etwa Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit, unternehmerische Freiheit, Schutz vor Willkür und offene Diskurse. Die meisten Firmen engagieren sich der Studie zufolge deshalb bereits für den Erhalt der Demokratie. Rund 60 Prozent gaben an, dass sie auch sich selbst in demokratischer Verantwortung sehen.

Dabei stoßen die Betriebe jedoch an Grenzen. Konkretes demokratisches Engagement bleibt meist nach innen gerichtet: „Besonders häufig sind demokratische Werte im Leitbild, Engagement über Verbände oder interne Kommunikation“, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. „Öffentliche Positionierungen sind deutlich seltener und vor allem bei kleineren Unternehmen umstritten.“

Jeder dritte Betrieb durch gesellschaftliche Spaltung beeinträchtigt

Dass sie nicht mehr tun, liegt demnach weniger an der Angst vor Gegenwind als an knappen Kassen und Zweifeln an der Wirkung. „Die Bereitschaft zum Demokratieengagement ist da“, sagte Matthias Diermeier vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Was oft fehlt, sind Zeit, Ressourcen und Klarheit darüber, was im Alltag tatsächlich wirksam ist.“

Gesellschaftliche Risse machen sich den Angaben zufolge allerdings mehr und mehr auch in den Betrieben bemerkbar. Rund 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die gesellschaftliche Polarisierung das Betriebsklima belastet. „Gesellschaftliche Spannungen machen vor Werkstoren nicht halt“, sagte Dominik Hierlemann von der Bertelsmann Stiftung. „Doch die große Mehrheit der Unternehmen kann damit gut umgehen. Sie stabilisieren die Demokratie.“

Engagement für Vielfalt vor staatlichen Aufträgen

Die Befragung zeigt allerdings auch, dass Unternehmen zunehmend reflektieren, „ob politisches Engagement unter veränderten geopolitischen oder innenpolitischen Bedingungen riskanter wird“. Konkret erwarten rund 21 Prozent Nachteile, falls sie sich gegen politische Kräfte in Deutschland engagieren, die US-Präsident Donald Trump nahestehen.

Zugleich signalisieren die Unternehmen Standhaftigkeit: So würden 57 Prozent ihr Engagement für Vielfalt auch dann fortsetzen, wenn eine Regierung Unternehmen von öffentlichen Aufträgen ausschließen würde.

Demokratische Entscheidungsprozesse oft zu langsam

Zwar kritisieren 90 Prozent der Firmen, dass demokratische Entscheidungsprozesse oft zu langsam seien. „Unternehmen stehen aber deutlich hinter demokratischen Prinzipien“, sagte Rebekka Vollmer von der Bertelsmann Stiftung. Die Betriebe erwarteten eine Demokratie, „die die Herausforderungen unserer Zeit sichtbar bearbeitet“. Wichtig seien deshalb Reformen, eine moderne Verwaltung und weniger Bürokratie.

Bei der Studie, an der auch das Institut der deutschen Wirtschaft und die Universität St. Gallen beteiligt waren, befragten die Autoren von Februar bis April Vertreter von 903 Unternehmen. Zudem wurden 25 Interviews mit Geschäftsleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Branchen geführt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt am Montag Unternehmensvertreter zum Thema Engagement für Demokratie in Berlin.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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