Bisher sind alle Weiheämter in der katholischen Kirche Männern vorbehalten, vom Diakon über den Priester bis zum Bischof. Wenigstens die Weihe zur Diakonin sollte auch Frauen offenstehen, so der Mehrheitsbeschluss, den der Synodale Weg, der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland schon bei der Abschlussversammlung Anfang des Jahres gefällt hat.
Eine deutliche Mehrheit von deutschen Bischöfen und Laienvertretern hatte sich im Januar für Frauen als Diakoninnen ausgesprochen. Die Deutsche Bischofskonferenz bat daraufhin beim Vatikan um Erlaubnis. Doch der Papst lehnt es weiter ab, Frauen zu einem Weiheamt zuzulassen. Die deutsche Bischofskonferenz will nun trotz der Ablehnung eine Kommission bilden, in der sich zehn Personen überlegen, ob und wie die Frauen-Weihe zur Diakonin realisiert werden kann, paritätisch besetzt: Fünf kommen aus den Reihen der Amtskirche, fünf aus den Reihen der Laienvertretung.
Männliche Diakone dürfen bislang predigen, taufen und dem Priester bei der Messe helfen. Die Messe selbst feiern, also die Eucharistiefeier durchführen, das dürfen auch sie nicht. Wandlung von Brot zum Leib Christi dürfen Diakone nicht vornehmen. Weibliche Diakone – Diakoninnen, das wäre ein wichtiger Schritt, um Frauen mehr Verantwortung in der katholischen Kirche zu geben, sagen die Befürworter. Der Vorschlag wird seit Jahrzehnten in die Diskussion über Kirchenreformen eingebracht.
Bischofskonferenz wählt Kommissionsmitglieder im Herbst
Fünf Mitglieder will die Deutsche Bischofskonferenz dafür im Herbst benennen, fünf hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), also die Vertretung der nicht-geweihten Kirchenmitglieder, in den vergangenen Tagen bestimmt. Alle fünf waren auch schon im Synodalen Weg aktiv. Gewählt wurden Andreas Heek, Regina Heyder und Dorothea Reininger von der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands sowie die Benediktinerin Schwester Philippa Rath und die Dogmatik-Professorin Dorothea Sattler.
„Im März 2023 ist ein Beschluss gefallen, dass man an dieser Stelle doch weiter ins Gespräch gehen möge. Wir nutzen mit dieser Kommission jetzt die Chance, Gespräche weltweit fortzusetzen. Es ist ja die Frage der Geschlechtergerechtigkeit, die dahinter steht“, sagt Britta Baas, Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Gegen Frauenweihe: Papst argumentiert nicht theologisch
Katharina Ganz, ehemalige Generaloberin der Franziskanerinnen in Oberzell bei Würzburg, hat die Einrichtung dieser Kommission mitbeschlossen. Das zwischenzeitliche „Nein“ des neuen Papstes hat sie vernommen: „Da hat er uns einen Dämpfer mitgegeben“, bedauert Katharina Ganz im BR-Gespräch. Trotzdem sieht sie in der Begründung, es gäbe weltkirchlich gesehen kulturelle Probleme und Unterschiede des Papstes auch eine Chance. „Ich dachte mir als Theologin: Aha, immerhin bringt er keine theologischen Argumente. Und das signalisiert mir, dass man in dieser Hinsicht vorangehen kann und auch muss.“
Gegenwind in Sachen Frauenweihe käme vor allem aus Ländern, in denen es keine studierten Pastoral- und Gemeindereferentinnen gäbe. „Dass wir hier in Deutschland Laientheologen haben, die gut qualifiziert sind, ist ja weltkirchlich fast einzigartig. In anderen Ländern sind es nur Priester und Ordensleute, die das hauptamtliche Personal der Kirche stellen“, sagt Katharina Ganz.
Ministerposten im Vatikan bereits mit Frauen besetzt
Die Franziskanerin hofft, auf der ganzen Welt Mitstreiterinnen in Frauenorden zu finden und weist darauf hin, dass Ministerposten im Vatikan mittlerweile auch mit Ordensfrauen besetzt werden. Katharina Ganz ist daher optimistisch, dass sie es noch erlebt, dass Frauen in der katholischen Kirche zu Diakoninnen geweiht werden dürfen. Noch ist allerdings offen, wann die neue Kommission, die sich Gedanken über einen deutschen Weg zur Frauenweihe machen soll, zusammentritt. Im Herbst müssen erstmal die deutschen Bischöfe ihre fünf Mitglieder benennen.

