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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Bargeld abschaffen? Warum uns das alle teuer zu stehen kommt
Wirtschaft

Bargeld abschaffen? Warum uns das alle teuer zu stehen kommt

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 17. Juli 2026 11:47
Von Christin Freitag
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3 min. Lesezeit
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Erstmals haben die Deutschen 2025 öfter bargeldlos als bar bezahlt. Finanzexperte Jorim Gerrard von der NGO Finanzwende stellt klar: „Was stimmt, ist, dass Bargeld schleichend tatsächlich immer weniger benutzt wird.“ Gleichzeitig kursieren Verschwörungserzählungen über eine geplante Bargeldabschaffung, befeuert von Rechtspopulisten und dubiosen YouTube-Kanälen. Die Wahrheit ist nüchterner, aber nicht weniger beunruhigend, sagt Wirtschaftspsychologin Julia Pitters im BR24-Interview für „Possoch klärt“.

Inhaltsübersicht
Niemand schafft Bargeld ab, aber es verschwindet trotzdemBargeld kostet, aber sein Wegfall würde mehr kostenIm Video: Will die EU das Bargeld abschaffen – und wäre das so schlimm? Possoch klärt!

Niemand schafft Bargeld ab, aber es verschwindet trotzdem

Weder EU noch EZB planen eine Abschaffung. Die Europäische Zentralbank arbeitet gerade an einer neuen Euro-Serie und an einer EU-Verordnung, die Händler künftig verpflichten soll, Bargeld anzunehmen. Matthias Callen von der Deutschen Bundesbank berichtet von einem parteienübergreifenden politischen Konsens: Kein einziges Wahlprogramm wolle das Bargeld abschaffen. Ganz im Gegenteil: Eine Zentralbank, die Bargeld abschafft, wäre „wie ein Bäcker, der das Brot abschafft“, bringt es Gerrard auf den Punkt.

Die Sorge wächst trotzdem: Geldautomaten und Bankfilialen verschwinden, manche Läden akzeptieren kein Bargeld mehr, und US-Konzerne wie PayPal schalten aggressive Kampagnen gegen das Zahlen mit Scheinen. Dazu kommen gezielte Desinformationen von Akteuren, die grundsätzlich gegen staatliche Institutionen agitieren. Hinter der diffusen Angst steckt ein einfaches Rechenbeispiel.

Bargeld kostet, aber sein Wegfall würde mehr kosten

Bargeld ist teuer: Prägen, Drucken, Lagern, Transportieren. Schätzungen beziffern den Aufwand auf rund 20 Milliarden Euro jährlich, etwa 0,45 Prozent des BIP. Dazu kommen Steuerausfälle durch Schwarzarbeit und Geldwäsche in Höhe von geschätzten 16 Milliarden Euro.

Aber Julia Pitters von der IU Internationalen Hochschule warnt vor einer einseitigen Rechnung: Bargeld habe auch einen messbaren gesellschaftlichen Nutzen. Studien zeigen, dass Menschen mit Bargeld in der Hand das Geld anders und oft bewusster ausgeben.

Es ist inklusiv: Kinder, Digitalverweigerer und Menschen ohne Konto können damit bezahlen. Und es ist anonym: Bei digitalen Zahlungen profitieren laut Pitters über 500 Unternehmen von den Zahldaten allein über einen Anbieter wie PayPal. „Die Daten sind bei keiner Zahloption so sehr geschützt wie beim Bargeld.“

Denn auch digitales Bezahlen hat seinen Preis. Jede Kartenzahlung bringt Transaktionsgebühren: zwischen 0,2 Prozent bei der Girocard und bis zu 2,5 Prozent bei Kreditkarten. Diese Kosten tragen Händler und damit letztlich Verbraucher. Ökonomen warnen: Ohne Bargeld als Alternative würden diese Gebühren weiter steigen.

Im Video: Will die EU das Bargeld abschaffen – und wäre das so schlimm? Possoch klärt!

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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