Die US-amerikanische Robotikforscherin Daniela Rus erhält den diesjährigen Hightech-Preis (externer Link) des Bayerischen Ministerpräsidenten. Er ist mit 300.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung für Technik- und Ingenieurwissenschaften in Deutschland. Der Hightech-Preis wird gemeinsam von der Bayerischen Staatsregierung und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW, externer Link) vergeben.
Daniela Rus leitet das Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie gilt weltweit als Spitzenforscherin für Robotik, Autonome Systeme und Künstliche Intelligenz. Ihr Ziel sei es, so das Auswahlgremium der BAdW, mit selbstorganisierenden Robotern, autonomer Mobilität sowie künstlicher Intelligenz eine „flexible und sichere Technik zu entwickeln, die sich nahtlos in den Alltag der Menschen integriert“.
Daniela Rus entwickelt „Soft-Roboter“
Die Preisträgerin Daniela Rus entwickelt „Soft-Roboter“ (externer Link) aus nachgiebigen Materialien wie Gummi, die greifen, sich anschmiegen und im Körper arbeiten können. Aus Papier oder Folien faltet sie „Origami“-Roboter (externer Link), die geschluckt werden und sich im Magen für minimalinvasive Eingriffe entfalten können. MIT-Professorin Daniela Rus verbindet Roboter zudem mit Künstlicher Intelligenz: „Die KI hält Einzug in die physische Welt – in Roboter, Fahrzeuge, mechanische Geräte, Infrastrukturen, wissenschaftliche Instrumente und Systeme, die wahrnehmen, lernen, sich anpassen und handeln können, um dem Menschen zu helfen“, sagt Daniela Rus.
Ein Beispiel aus ihrem Labor ist „Floatform“ (externer Link), ein Schwarm kleiner autonomer Boote, die sich koordinieren und zu einer Plattform verbinden können. So könnten sie beispielsweise nach einer Überschwemmung eine Brücke bilden. Eine andere Entwicklung ist eine Flug-Drohne (externer Link), die sich mittels Künstlicher Intelligenz eigenständig durch unbekannte Umgebung navigiert.
Robotik und KI: Intelligente Roboter kooperieren und handeln vorausschauend
An derartigen Robotern arbeiten auch wissenschaftliche Teams der Technischen Universität München. Sie kooperieren schon seit Jahren auch mit den Arbeitsgruppen von Daniela Rus. Die Münchner Wissenschaftler demonstrieren, was ihre Roboter mithilfe künstlicher Intelligenz leisten können: Ein Roboterfahrzeug räumt selbstständig Hindernisse aus Karton aus dem Weg, sodass ein zweiter Roboter, der auf Beinen läuft, freien Durchgang hat. Beide Roboter kommunizieren selbstständig miteinander, sie kooperieren. Der fahrende Roboter nimmt seine Handlung gedanklich vorweg, erklärt der Ingenieur Daniel Dücker vom Institute of Robotics and Machine Intelligence der TU München (externer Link): „Der Roboter schätzt die Situation vorweg, wie sie sein könnte. Er erträumt sich quasi, wie er die Kartons wegräumt. Das hat er erlernt aus Millionen Internet-Videos. Da sieht er wie eine Lösung aussehen könnte und nutzt das.“
Roboter lösen komplexe Probleme
Vorausschauende Roboter können komplexere Aufgaben erledigen, erklärt der Direktor des Instituts der TU München, Lorenzo Masia (externer Link): „Wenn ich Ihnen ein auseinandergebautes Objekt gebe, das Sie noch nie gesehen haben, werden Sie es höchstwahrscheinlich nicht zusammensetzen können. Wenn Sie es aber kennen, auch jede einzelne Komponente, dann können Sie daraus schließen, wie man das Objekt wieder zusammensetzt.“ So sei es auch mit Robotern. Durch geeignete Daten und mithilfe künstlicher Intelligenz könnten sie dann ihr Wissen auch für komplexe Aufgaben nutzen, statt nur einzelne Handgriffe auszuführen.
Daniela Rus „Pionierin der Soft-Robotik“
Lorenzo Masia sieht in seiner Kollegin Daniela Rus „eine Pionierin der Soft-Robotik und physischen künstlichen Intelligenz. Der Preis trägt dazu bei, diese Wissenschaft ganz nach vorne zu bringen“. Eine Wissenschaft, an der auch sein Institut bereits weltweit mit führend arbeite. Die Sorge, dass KI-Roboter eine Bedrohung darstellen könnten, teilt der Forscher nicht: „Die KI gibt Maschinen die Fähigkeit, Arbeiten zu erledigen, die Menschen nicht machen wollen.“ Preisträgerin Daniela Rus nimmt die Angst vor Risiken ernst, ist aber ebenfalls optimistisch: „Die Antwort darauf ist, Roboter mit Bedacht zu entwickeln. Es ist kein Kampf zwischen Menschen und Maschinen. Beide bilden ein System, das Probleme löst, die weder Mensch noch Maschine allein lösen können.“
Preisverleihung in der Residenz München
Am 23. Juli 2026 werden am Abend in der Münchner Residenz (externer Link), außer dem Hightech-Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten an Daniela Rus, noch fünf Absolventenpreise – dotiert mit jeweils 2.000 Euro – an junge Ingenieurinnen und Ingenieure von bayerischen Hochschulen und Universitäten für hervorragende Hochschulabschlüsse oder Promotionen verliehen. Auch ein Nachwuchspreis – dotiert mit 30.000 Euro – wird vergeben (externer Link).

