Die Echinger Blaskapelle bläst traditionell zum Auftakt im Bierzelt, auf einer von sieben Bühnen: Die Brass Wiesn 2026 spannt wieder einen breiten musikalischen Bogen über Mundart- und Blasmusik. Veranstalter Alexander Wolff dreht derweil eine Runde über das Festivalgelände – mit zwei Herzen in der Brust. Seit der ersten Ausgabe 2013 mit 900 Besuchern hat sich das Festival prächtig entwickelt, mit Besucherzahlen bis zu 15.000. Und doch ist die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren schwieriger geworden.
Brass Wiesn in der Kostenklemme
„Wie viele andere Veranstalter auch, kämpfen wir mit immens gestiegenen Kosten“, erklärt Wolff die Hintergründe. „Eigentlich müssten wir die Ticketpreise um gut 60 Euro anheben, um diese Preisspirale aufzufangen. Aber genau das wollen wir eben nicht. Die Brass Wiesn soll authentisch bleiben und sich nicht zur Luxusveranstaltung entwickeln.“
Ein Viertagesticket für die Brass Wiesn kostete im Vorverkauf rund 160 Euro. Dazu kommen die Kosten für einen Stellplatz für Zelt oder Wohnmobil. Höhere Eintrittspreise aber würden möglicherweise viele Besucher abschrecken, fürchtet Alexander Wolff. Auf der anderen Seite muss er aber für die Technik, die vielen Helfer und die Künstler immer mehr bezahlen. Ein Problem, das die gesamte Branche betrifft.
Musikgenuss vor allem live gefragt, aber Branche unter Druck
Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft klagt: „Während die Kosten für Produktion, Personal und Künstlerhonorare seit der Pandemie in Summe um rund 50 Prozent gestiegen sind, können das die im branchenweiten Durchschnitt um rund 30 Prozent gestiegenen Ticketpreise nicht auffangen“, so Johannes Everke, Geschäftsführer des BDKV.
Im Jahr 2025 sind allein in Bayern 303 Festivals über die Bühne gegangen, 1.800 in ganz Deutschland. Die Veranstalter betonen die Bedeutung der Branche. Nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern vor allem in kultureller Hinsicht. Der Musikgenuss ist im Zeitalter der Streamingdienste à la Spotify vor allem live gefragt. Dafür geben auch junge Menschen viel Geld aus. Aber sie wollen dann auch etwas geboten bekommen. Neben vielen Konzerten müssen Festivals viel Raum und Gelegenheiten schaffen, für Party, Plausch und Action. Allein während der viertägigen Brass Wiesn arbeiten rund 800 Menschen für das Wohl von rund 15.000 Besuchern.
Brass Wiesn zieht nächstes Jahr nach Maxlrain
Mit dem Umzug in das beschauliche Maxlrain, das vor allem aus Schloss und Brauerei besteht, will Veranstalter Alexander Wolff seine Produktionskosten wieder ins verträgliche Maß rücken. Denn die malerisch abfallende Schlosswiese in Maxlrain bietet samt Alpenpanorama nicht nur Flair, sondern auch Infrastruktur.
Strom- und Wasseranschlüsse sind dank der vielen Freiluftveranstaltungen in Maxlrain vorhanden, die Gebäude der Brauerei können für Technik und Künstler genutzt werden. Und ein gutes Sponsoring habe er schon in trockenen Tüchern, sagt Alexander Wolff, der aber die Seele und die stilistische Vielfalt des Festivals auch am neuen Ort erhalten will.
Wer in Eching diesmal dabei ist
Über 70 Bands locken an diesem Wochenende aber nochmal nach Eching, nördlich von München. Darunter hochkarätige Gruppen wie Global Kryner, Edmund, die Blaskapelle Josef Menzel in XXL-Wiesn-Besetzung sowie Oimara. Viele Nachwuchsbands und coole Crossover-Acts aus Pop, Indie und Electro runden das große Angebot ab.
Wer sich gerade mal nicht für eine Band entscheiden kann, feiert eben am Campingplatz vor Zelt oder Wohnmobil – vier Tage Brass Wiesn schaffen eben ein echtes Gemeinschaftsgefühl.

