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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Waldbrände in Europa: Klimawandel als Brandbeschleuniger
Wissen

Waldbrände in Europa: Klimawandel als Brandbeschleuniger

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 31. Juli 2026 15:48
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Über 200.000 Hektar verbrannt, mindestens 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht und mehrere Milliarden Euro an Schäden – die diesjährigen Waldbrände in Spanien und Frankreich sind überdurchschnittlich heftig. Die Initiative „World Weather Attribution“ (WWA) befasst sich mit Extremwetterereignissen wie Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen oder Waldbränden und untersucht, inwiefern sie mit dem Klimawandel zusammenhängen. Laut ihrem neuen Bericht (externer Link) werden solche Brände zukünftig in Frankreich doppelt so wahrscheinlich, in Spanien sogar 20-mal so wahrscheinlich wie heute.

Inhaltsübersicht
Europa erlebt immer größere BrandflächenWaldbrandsaison beginnt früher als gewohntMehr Regen im Frühjahr, mehr Brennmaterial im SommerWarum Löschen allein nicht reichtMischwälder, Weidetiere und Vegetationsmanagement als BrandschutzMenschliches Verhalten ist häufig der Auslöser

Europa erlebt immer größere Brandflächen

Erst im vergangenen Jahr verzeichnete Europa ein Rekordhoch an Waldbränden. 2026 liegt im Vergleich nur knapp dahinter. Klimawissenschaftlerin Annette Menzel von der TU München, die an der WWA-Analyse nicht beteiligt war, forscht zu Extremwetterereignissen wie diesen: „Weltweit haben sich die Flächen der Waldbrände in den letzten Jahrzehnten verdoppelt.“ Für Menzel ist klar: Dieser Trend werde sich auch in Zukunft fortschreiben.

Zukünftig sei mit häufigeren und stärkeren Waldbränden zu rechnen. Zum ersten Mal in Frankreichs Geschichte ist dort in diesem Jahr eine sogenannte „Feuerwolke“ aufgetreten. Ein Wetterphänomen, das durch große Waldbrände entstehen kann und starke, unvorhersehbare Winde erzeugt. Waldbrände mit Feuerwolken sind aus Kalifornien und Kanada bekannt und deutlich schwieriger zu löschen.

Waldbrandsaison beginnt früher als gewohnt

Auch wann und wo Waldbrände auftreten können, soll sich verändern. Im Zuge der Erderwärmung werden künftig auch solche Regionen öfter von Dürren betroffen sein, die bislang meist verschont geblieben sind. Große Waldbrände werden also auch weiter nördlich als bisher erwartet.

Waldbrände können auch früher im Jahr als bisher auftreten. Eigentlich gilt der August als Hauptsaison für Waldbrände in Spanien und Frankreich. Die dortigen Waldbrände sind also außergewöhnlich früh. Auch hier spielt der Klimawandel eine Rolle. Laut der Analyse der „World Weather Attribution“ sorgt er für mehr Extremwetterereignisse und verändert die Niederschlagsverteilung über das Jahr.

Mehr Regen im Frühjahr, mehr Brennmaterial im Sommer

So gab es im Winter und im Frühjahr in Frankreich und in Spanien mehr Regen als üblich. Diese Niederschläge sorgten für ein stärkeres Pflanzenwachstum. Im Sommer folgte eine extreme Hitzewelle. Laut Andrea Böhnisch, Klimaforscherin an der LMU München, die perfekte Grundlage für Dürren und Waldbrände.

„Bei extremer Hitze wird die Verdunstung noch mal stärker angekurbelt“, sagt Bönisch im BR24-Interview. Dadurch sei weniger Wasser für Pflanzen und im Boden, in Flüssen und im Grundwasser verfügbar: „Dann trocknen auch bis dahin gesunde Pflanzen stärker aus und können viel stärker brennen.“

Warum Löschen allein nicht reicht

Für die Löscharbeiten geben Frankreich und Spanien zusammen Milliardenbeträge aus. In den vergangenen Jahren wurden beispielsweise neue Löschflugzeuge angeschafft sowie Drohnen und Satelliten eingesetzt, um Brände früher zu entdecken. Bei den aktuellen Großbränden kamen die Feuerwehren aber an ihre Grenzen. Der Waldökologe Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt, dass diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen.

Mischwälder, Weidetiere und Vegetationsmanagement als Brandschutz

„Viel wichtiger sind die vorbereitenden Maßnahmen und das Vegetationsmanagement“, sagt Reyer. Gebiete mit Mischwäldern seien weniger anfällig für Brände als die jetzt betroffenen Gebiete: „Dort sind die Böden wegen land- und forstwirtschaftlicher Nutzung arm, es ist extrem trocken und da wachsen hektarweise nur Kiefern.“

In Spanien und Südfrankreich sprechen sich manche Forscher auch für eine Rückkehr zu einer traditionellen Weidewirtschaft aus. Die Idee: Beim Grasen fressen Weidetiere viele Pflanzen, die ansonsten im Hochsommer austrocknen und zu Brennmaterial werden. So sollen sie das Brandrisiko vermindern.

Menschliches Verhalten ist häufig der Auslöser

Hitze und Dürre allein sind aber meist nicht die alleinige Brandursache: Ob absichtlich oder versehentlich – der erste Funke für einen größeren Waldbrand stammt meist vom Menschen. Nur ein kleiner Teil der Waldbrandfläche ist auf natürliche Ursachen wie Blitzeinschläge zurückzuführen. Aktuell wird zum Beispiel in Frankreich bei Bordeaux wegen Brandstiftung ermittelt.

Noch häufiger bricht ein Feuer wegen fahrlässigen Verhaltens aus. Ursachen können unter anderem das Grillfeuer in der Nähe eines Waldstückes, der weggeworfene Zigarettenstummel oder das geparkte, glühend heiße Auto auf trockenem Gras sein. Aufklärungskampagnen könnten deshalb dazu beitragen, das Waldbrandrisiko zu verringern.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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