Svenja Post: „Wer bin ich denn dann eigentlich?“
Svenja Post denkt über ein Thema besonders viel nach: Fruchtbarkeit. „Das ist ja ganz eng eben mit dem Thema Jugendlichkeit auch verknüpft“, sagt Post. „Und wenn das jetzt alles verloren geht und eben auch mein Körper sich verändert, dann frage ich mich halt einfach: Wer bin ich denn dann eigentlich?“ Diese Sinn- und Identitätsfragen können zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden starke Gefühle verursachen, sagt Nike Hilber. Etwa Trauer, Wut, Ärger, Gereiztheit, Erschöpfung und Verzweiflung.
Eine weitere Frage in dieser Zeit sei „Was bedeutet der Abschied von der Frau, die dem male gaze entspricht?“, so Hilber. Der Begriff „male gaze“ beschreibt eine strukturelle Perspektive in der Frauen und ihre Körper aus der Sicht heterosexueller Männer betrachtet, bewertet und häufig objektifiziert werden. Dieser „männliche Blick“ kann von Frauen verinnerlicht werden, sodass es kein reales männliches Gegenüber braucht, damit sie ihren eigenen Körper und ihr Erscheinungsbild nach den Kriterien des „male gaze“ beurteilen.
„Was auch passieren kann, dass ich mein Leben lang auf die klassische Art sehr leistungsfähig war und plötzlich in der Perimenopause merke: Ich bin nicht mehr so leistungsfähig“, sagt Helber. „Dann ist es wichtig, Abschied zu nehmen von dieser alten Leistungsfähigkeit. Durch diese Trauerarbeit kann dann Raum für neues und wertvolles entstehen.“
Menopause auch ein befreiender Lebensabschnitt?
In dieser Phase hilft laut Nike Hilber vor allem Akzeptanz und Aufklärung. Auch darüber, dass die folgende Menopause für manche Frauen ein befreiender Lebensabschnitt sein kann. Denn den monatlichen Schwankungen der Perimenopause seien die Frauen dann nicht mehr ausgeliefert, so Hilber.
Für die Zeit bis zur letzten Blutung gibt es neben psychotherapeutischer auch medikamentöse Hilfe. Dasselbe gilt für die Menopause selbst. Beispielsweise kann bei einer Hormonersatztherapie die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren durch Medikamente unterstützt bzw. ausgeglichen werden.
So geht Svenja Post mit ihrem Körper in der Perimenopause um
Das Bundesforschungsministerium hat im Januar angekündigt, dass es neue Forschung zur Perimenopause und der Menopause fördern möchte. „Jede Frau durchlebt im Laufe ihres Lebens die Wechseljahre – keine Krankheit im klassischen Sinne, aber eine Phase des hormonellen Umbruchs, die psychisch und körperlich sehr belastend sein kann“, sagt Bundesforschungsministerin Dorothea Bär (CSU). Die vom Bund geförderten Forschungen sollen dazu beitragen, die Behandlung von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden zu verbessern.
Wie Svenja Post mit ihrem sich verändernden Körper umgeht und welche weiteren Hilfen es gibt, hören Sie in der aktuellen Folge des ARD-Psychologie-Podcasts „Die Lösung“ – in ARD Sounds und überall, wo es Podcasts gibt.

