An Bord eines vollbesetzten Airbus A380 sind 500 Passagiere – und mit ihnen geschätzt 2.000 Lithium-Ionen-Akkus, verbaut in Handys, Powerbanks, Laptops, Kameras oder E-Zigaretten. Jeder dieser Akkus an Bord ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko.
Wenn der Akku überhitzt: Was bei „Thermal Runaway“ passiert
Defekte Geräte können in seltenen Fällen durchgehen. Bei einem so genannten „Thermal Runaway“ oder „thermischen Durchgehen“ wird der Lithium-Ionen-Akku heiß, er fängt an zu rauchen und im schlimmsten Fall zu brennen. Ursache ist oft ein Kurzschluss, der in Sekundenbruchteilen einen hohen Stromfluss auslöst.
Warum es immer häufiger zu Akku-Vorfällen in Flugzeugen kommt
So wie die Nutzung der elektronischen Geräte im Alltag zunimmt, nimmt auch die Zahl gefährlicher Situationen zu: Im Schnitt kommt es allein in den USA pro Woche zu zwei schweren Vorfällen mit überhitzten oder brennenden Geräten, so die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA (externer Link).
Zum bislang schwersten Unglück kam es im Januar 2025 in Südkorea. In Busan ist ein Flugzeug vor dem Start aufgrund einer defekten Powerbank im Gepäckfach komplett ausgebrannt. Die Passagiere und Crew konnten rechtzeitig gerettet werden und blieben unverletzt.
Powerbanks im Handgepäck: Diese Regeln gelten
Die internationale zivile Luftfahrtbehörde ICAO hat die Mitnahme von Lithium-Ionen-Akkus strikt begrenzt (externer Link). Pro Passagier sind nur noch zwei Powerbanks erlaubt, die am Körper oder in der Sitztasche aufbewahrt werden müssen. Alle entsprechenden Akkus, egal, ob in Powerbank, Laptop, E-Zigarette oder Drohne, dürfen maximal eine Leistung von 100 Wattstunden haben.
Denn mehr Leistung bedeute mehr Risiko, so der Brandschutzbeauftragte Stefan Dörner vom Flughafen Memmingen. Er betont: Ein Akkubrand sei oft schwer unter Kontrolle zu bringen, da die brennenden Zellen im Gehäuse verbaut seien und die Gefahr einer Kettenreaktion bestehe. Auch nach dem Löschen kühle das Gerät nur langsam aus, so dass die Gefahr bestehe, dass es sich erneut entzündet.
Wie gefährlich ist ein Akkubrand in der Kabine?
Victor Norrefeldt vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen hat die gesundheitlichen Risiken eines Akkubrandes im Fluglabor (externer Link) untersucht. Er gibt Entwarnung: Die freigesetzte Menge an Gasen und Schadstoffen sei von der Flugzeuglüftung gut zu bewältigen. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr. Die Crews seien gut auf so einen Fall vorbereitet, so der Experte. Gemäß eines feststehenden Protokolls werde das betroffene Gerät gelöscht, danach gekühlt und auf der Bordtoilette isoliert.
Warum Akkus nicht ins Aufgabegepäck dürfen
Die Mitnahme von Akkus im Aufgabegepäck dagegen ist strengstens verboten. Denn im Gegensatz zu einem Brand in der Kabine wäre ein Brand im Frachtraum nur schwer zu kontrollieren. Wer – entgegen den Vorschriften – Lithium-Ionen-Akkus im Gepäck aufgibt, kann für alle auftretenden Schäden haftbar gemacht werden. Auf jeden Fall muss man damit rechnen, dass die Geräte bei der Kontrolle aus dem Koffer entfernt und konfisziert werden.
100 Wattstunden: So prüfen Reisende ihre Powerbank
Man sollte bei der Handgepäckkontrolle die Leistung der Geräte parat haben. Dann der Grenzwert für einen Akku, der im Flugzeug mitgenommen werden darf, liegt bei 100 Wattstunden (Wh). Viele Powerbanks geben aber nur Milliamperestunden (mAh) an.
Das lässt sich mit dieser Formel umrechnen:
Wh = (mAh × Spannung) / 1000
Hat eine Powerbank 20.000 mAh und 3,7 Volt, ergibt das 74 Wattstunden (Wh). Die Batterie darf mit in den Flieger – natürlich im Handgepäck.
Vor dem Abflug: Airline-Regeln und Akku-Zustand checken
Die neuen Regularien der ICAO sind Mindeststandards. Es gibt Airlines wie Emirates, die strenger sind und sogar nur eine Powerbank pro Passagier zulassen. Als Passagier ist man verpflichtet, sich vor dem Abflug genau über die Bestimmungen der jeweiligen Airline zu informieren. Zudem sollte man vor dem Abflug die Geräte auf Schäden inspizieren: Ist der Akku aufgebläht? Entlädt er sich schnell? Die elektronischen Geräte mit Akkus sollten dann sicher und getrennt verpackt sein, um im Notfall schnell Zugriff zu haben. Ein kurzer Check vor dem Packen erspart Ärger am Flughafen – und macht den Flug für alle sicherer.

