Kinderkrankheiten, das klingt nach ein bisschen Husten oder Schnupfen. Doch Kinderkrankheiten heißen nicht so, weil sie harmlos sind, sondern weil sie früher, bevor es Schutzimpfungen gegen sie gab, vorwiegend bei Kindern auftraten, sagt Burkhard Rodeck. Er ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) und war viele Jahre Chefarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück.
Als klassische Kinderkrankheiten bezeichnen Mediziner Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Scharlach, Diphtherie und Kinderlähmung. Sie sind „höchst gefährliche Erkrankungen“, warnt der Mediziner, wenn nicht eine Schutzimpfung die Infektion verhindern kann.
Kinderkrankheiten: So gefährlich können sie sein
Bei Masern zum Beispiel bekommt einer von 1.000 Menschen, die sich mit dem Masernvirus infizieren, eine Gehirnentzündung. Für etwa zehn bis zwanzig Prozent von diesen verläuft sie tödlich. Bei weiteren 20 bis 30 Prozent treten bleibende Schäden des zentralen Nervensystems (externer Link) auf. Als Spätfolge einer Maserninfektion kann auch eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten. Diese spezielle Form der Gehirnentzündung verläuft laut Medizinern fast immer tödlich. Besonders gefährdet sind Kinder unter einem Jahr, die noch zu jung für eine Impfung sind.
Auch bei den anderen klassischen Kinderkrankheiten kann es zu – zum Teil tödlichen – Komplikationen kommen. So zum Beispiel bei Diphtherie. Infizierte können bleibende Organschäden erleiden oder aufgrund einer dadurch ausgelösten Herzmuskelentzündung an einem plötzlichen Herztod sterben. Erst Anfang 2025 starb in Brandenburg ein zehnjähriger Junge an Diphtherie (externer Link), der nicht geimpft war. Eine Masern- oder Mumps-Infektion kann zudem insbesondere bei Kindern zu bleibenden Hörschäden führen.
Warnung vor Verharmlosung und „Masernpartys“
Der Kinder- und Jugendmediziner Burkhard Rodeck beobachtet auf Social Media eine Verharmlosung dieser sogenannten Kinderkrankheiten – nach dem Motto: ‚Früher gab es keine Impfungen und deswegen muss man diese heute auch nicht haben: Der Mensch ist ja immer noch auf der Welt.‘ Für ihn ist das nicht nachvollziehbar: „Heutzutage überleben diese Kinder, wenn sie geimpft sind“, sagt Rodeck. Wenn sie nicht geimpft seien, hätten sie ein höheres Risiko, Komplikationen zu erleiden oder eben auch zu sterben.
Auch vor den sogenannten Masernpartys, zu denen Kinder gebracht werden, um sich mit dem Virus zu infizieren, im Glauben, die Kinder für den Rest ihres Lebens zu stählen, warnt Rodeck angesichts der möglichen Folgen: „Erklären Sie dann mal den Eltern von Kindern, die auf sogenannten Masernpartys waren, dass der Besuch dieser Masernparty die Todesursache des Kindes war“, sagt der Mediziner.
Schutzimpfungen gegen Kinderkrankheiten wichtig
Sein Appell ist daher: impfen, impfen, impfen. „Die Impfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt, sind abgeklopft, was ihre möglichen Risiken angeht, und auch, was ihre Effektivität angeht“, sagt der Kinderarzt. Man solle diese Empfehlungen unbedingt befolgen, mahnt er. Denn dann sei man maximal gesichert.
Menschen, die bei Impfungen Bedenken haben, versucht er mit Empathie und objektiven Informationen von der Notwendigkeit des Impfens zu überzeugen. Er sagt ihnen dann zum Beispiel: „Doktor Google fragen Sie mal lieber nicht. Der sagt Ihnen irgendetwas, aber in der Regel nicht das Richtige.“ Eine Impfung führe zwar zu einer Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Erreger, bei der leichte Symptome auftreten können, aber: „Die Erkrankungen sind deutlich schlimmer“, betont Rodeck.
Mit seinen Appellen hofft er, viele von denjenigen zu überzeugen, die einer Impfung kritisch gegenüberstehen. Sein Ziel ist es, eine so hohe Impfquote zu erreichen, die die gesamte Bevölkerung vor den eben gar nicht harmlosen Kinderkrankheiten schützt. Die ist noch nicht erreicht: Bei der zweiten Masern-Impfdosis etwa liegt die Impfquote in Deutschland derzeit noch bei circa 92 Prozent, sagt Rodeck. Also knapp unterhalb der so wichtigen Schwelle von 95 Prozent für die sogenannte Herdenimmunität. Ist sie erreicht, gilt die gesamte Bevölkerung, einschließlich der Ungeimpften, als vor einer Infektion geschützt.

